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Mittwoch, 1.9.2010, 01.48 Uhr: Otmar Häfliger

DRG - ein neuer Schildbürgerstreich

Der Primat der Ökonomie im Gesundheitswesen wird gefestigt: weiterer Ausbau der Administration zu Lasten der Patientenbetreuung mit all den Nachteilen, die schon im Ausland offensichtlich wurden. DRG muss erzwängelt werden, obwohl viele Folgeprobleme (Datenschutz, Finanzierung der Ausbildung der Ass.-Ärzte, Institutionen zur Betreuung der "Frühentlassenen") nicht gelöst sind. Höhere Kosten für nutzlose Datensammlungen bei geringerem Nutzen für die Patienten. Was mit demokratischen Mitteln nicht gelang: die Schliessung kleinerer Spitäler, die eine dezentrale Versorgung gewährleisten, erfolgt durch die Hintertür (wie die Abschaffung des Kontrahierungszwang durch die "integrierte Versorgung" im ambulanten Bereich). Theoretisierende Ökonomen und ratlose Politiker werden uns noch zu Tode ökonomisieren!


Dienstag, 31.8.2010, 22.20 Uhr: Marc Antener

Fallpauschale

Mit stoischer Gelassenheit versuch die Krankenkassenlobby dem Bürger verständlich einfach klar zu machen, dass die finanzielle Misere im Gesundheitswesen auf Aufenthaltskosten des Patienten in Institutionen zurückzuführen sind. Damit ist der Weg für die sogenannte Fallpauschale geebnet worden. Vergessen wird, dass wir Menschen verschieden sind, keine Massenware, Fliessbandprodukte. Die Krankenkassen aber rufen dazu auf, Jeder mit Jedem zu vergleichen. Geil ist jener, der drei Stunden nach diagnostiziertem Herzinfarkt das Spital verlässt. An jenen wird der Massstab angesetzt. Dass er (eventuell) auf dem Heimweg verstirbt, wird sicherlich nicht kommuniziert. Intelligenter ist es, unser Gesundheitssystem konstruktiv zu hinterfragen. Warum haben es die Krankenkassen nötig sich zu organisieren, sogar innerhalb eines Dachverbandes? Vetternwirtschaft muss Verdeckt (Dach) werden der Eine hilft dem Andern (Verband), Verantwortungen werden abgeschoben, damit schwarze Peter verteilt, verteilt an die Patienten, Ärzteschaft und Pflegende. Die wahren Kostenverursacher sprich Kassen und Pharmaindustrie kommen ungeschoren davon. Ein Lösungsansatz ist aus meiner Sicht die Einheitskasse. Warum wird diese Idee oder dieses Modell mit Fleiss und viel Geld torpediert? Weil es im Gesundheitswesen - aber sicher nicht von den Pflegenden - viel, sehr viel, nein, sehr sehr viel Geld zu verdienen gibt. Bisher hat jede Änderung nie den gewünschten Spareffekt bewirkt, nein, das Gegenteil ist eingetroffen. Sehr zur Freude der Kassen, welche sofort wieder den Patienten und die Institutionen als Sündenbock ins Visier nehmen. Solange es den Kassen gelingt, das Feindbild Patient und Kassen uns Patienten und den Institutionen mit ihrem Personal


Dienstag, 31.8.2010, 22.16 Uhr: Luereb

Diskussion

Nach meiner Ansicht hat sich ergeben, dass die Einführung der Fallpauschale von der Fallpauschale her möglich wäre. Dabei gingen aber die aber verschiedenste Nebenschauplätze vergessen, Nebenschauplätze, die für den Patienten jedoch sehr wichtig sind. Ich denke dabei an die Betreuung neben und nach dem Spitalaufenthalt (z.B. Krebs, Geburten). Vor der Einführung müssen vor der Einführung gelöst sein. Herr Conti machte mir in dieser Hinsicht einen schwachen Eindruck. Die administrativen Kosten eines Spitals werden massiv zunehmen. Das darf sicher nicht auf Kosten der Betreuung erfolgen. Der Personalbestand eines Spitals muss wegen der Administration auch im Pflegebereich erhöht werden um die gleiche Betreuung gewährleisten zu können. Wer übernimmt die Garantie, dass die Krankenkassenprämien nicht steigen werden? Wenn die Politik die Kostensenkung dirigiert soll es nicht so herauskommen wie beim Strom, massive Mehrkosten, und beim Büchermarkt, Diskussion um Rückzug nach wenigen Jahren.


Dienstag, 31.8.2010, 21.21 Uhr: Franz Kohler

Was tun die Spitäler?

Die Spitäler sind gegen die Fallpauschale. Was haben sie in den letzten Jahren getan, um die Kosten zu senken? Fallpauschalen sind keine perfekte Lösung, aber dass die Arbeitsteilung zwischen den Spitälern unbefriedigend und die Spitaldichte in der Schweiz zu hoch ist, ist aus meiner Sicht eine Tatsache. Es liegt an den Spitälern, nicht auf Besitzstandswahrung zu machen und endlich Alternativen zur Fallpauschale zu bieten, wenn diese für sie nicht akzepzabel ist.


Dienstag, 31.8.2010, 20.55 Uhr: Alfons Meyer

Gehalt Assistenzärzte -20%

Herr Conti selbst versucht aktuell im Kanton BS die Gehälter der Assistenzärzte um 20% zu kürzen. Wer wird da noch arbeiten? Vielleicht Ärzte aus dem Osten?


Dienstag, 31.8.2010, 20.40 Uhr: Vreni Achermann

Noch mehr Belastung für Pflegende Angehörige

Was passiert wohl, wenn "Pflegenotfälle" hospitalisiert werden, weil die Angehörigen am Anschlag sind? Werden die Patienten möglichst schnell wieder nach Hause entlassen, da zu teuer? Auch wenn es nicht mehr tragbar ist zu Hause und keine Institution Platz hat? Wer hilft den Angehörigen bei der Organisation z.B. eines Platzes in einer Institution? Was heisst dies für die Spitexorganisationen? Diese Gedanken/Fragen gehen mir durch den Kopf, nachdem ich selber eine Angehörige zu Hause begleitet und gepflegt habe.


Dienstag, 31.8.2010, 15.19 Uhr: L. W.

Wie viel Medizin wollen wir überhaupt?

Das Thema „Fallpauschalen“ besorgt mich sehr. Ich beobachte, dass eine grundsätzliche Oekonomisierung unserer Gesellschaft läuft, da ist die Medizin keine Ausnahme. Und genau dies finde ich schlimm. Es zählen die Gewinne, es zählt die technische Perfektion und man vergisst dabei, dass es auch um andere Werte gehen muss, wie Würde, wie Menschlichkeit. Tatsache ist doch auch, dass unsere Medizin in Zukunft gar nicht günstiger werden kann, weil wir es selbst sind, die das Ganze antreiben: Wir wollen immer älter werden, wir wollen, dass die Medizin bis zu unserem letzten Atemzug das technisch Bestmögliche tut und wir werden immer mehr, die das wollen. Vielleicht müsste man sich mehr darauf zurückbesinnen, wieviel Medizin wir wollen und brauchen. Die letzten Tage im Leben eines Menschen sind die teuersten. Würden wir eben Werte wie Würde und Sinnhaftigkeit wieder ernster nehmen, fiele es uns vielleicht auch nicht so schwer, irgendwann, wenn es an der Zeit ist, Abschied zu nehmen und auf das „technisch Bestmögliche“ zu verzichten. Da wäre doch schon viel gespart.

Schnellsuche:

Ware Patient?

Unser Gesundheitssystem steht vor einem grundlegenden Wandel. Ab 2012 sollen Spitäler nicht mehr einfach die Aufenthaltstage bezahlt bekommen, neu erhalten sie einen durchschnittlichen Betrag pro Krankheitsfall, eine sogenannte Fallpauschale (DRG).  Mehr

Doppelpunkt vom Dienstag, 31.8.2010, 20.03 Uhr, DRS 1

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