Libyen kritisiert Schweizer Bürokratie
Ein libyscher Kriegsverletzter - nur gerade deren zehn konnten in die Schweiz überwiesen werden. (Reuters)
Von Inlandredaktor Dominik Meier
Die Aktion begann vielversprechend: Eine Delegation des Bundes reiste im Herbst nach Tunesien, wo viele libysche Kriegsverletzte behandelt werden. Sie schaute vor Ort, wie viele Verwundete für eine Behandlung in der Schweiz in Frage kommen. Die fünf Schweizer Universitäts-Spitäler erhielten dutzende Dossiers; Libyen und die Schweiz kümmerten sich um die Visa.
Nur 10 schafften es in die Schweiz
Aus libyscher Sicht ging dieses Verfahren jedoch zu langsam voran, wie die libysche Botschaft in Bern im Rückblick kritisiert. Andere Staaten hätten offensiv Flugzeuge und Ärzte geschickt und Visa noch am selben Tag ausgestellt, sagt Botschaftsmitarbeiter Abdullah Besher.
Schliesslich hätten Frankreich, Deutschland, Dänemark und Italien die meisten der Verletzten übernommen, die für die Schweiz vorgesehen waren. Nur zehn Verwundete kamen in die Schweiz - in die Uni-Spitäler Lausanne, Genf und Zürich. Ungefähr 100 waren ursprünglich vorgesehen gewesen.
Verletzte würden halt nicht warten, so Besher weiter. Sie würden die erste Gelegenheit nutzen, um in Europa behandelt werden zu können.
Weiterer Anlauf mit Kostengarantie
Inzwischen diskutiere man mit den Schweizer Spitälern aber über einen neuen Anlauf, erklärt Besher weiter. Es gehe um eine Gruppe von 15 verwundeten jungen Männern und um 50 weitere Libyer, darunter auch Frauen und Kinder.
Die Schweizer Uni-Spitäler sind weiterhin bereit, libysche Kriegsverletzte aufzunehmen und Libyen will auch alle Kosten selbst tragen.
Knackpunkt Finanzierung
Sollte dennoch der Fall eintreten, dass die libysche Botschaft ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen würde, will nun der Bund, namentlich das Aussendepartement EDA, die Spitalkosten bezahlen.
Das EDA sei bereit, im Rahmen eng definierter Bedingungen, eine «gewisse Garantie zu übernehmen», bestätigt Stefan von Below. Dem Vernehmen nach gehörten auch Einzelheiten rund um die Finanzierung zu den Gründen, weshalb bisher nur wenige Kriegsverletzte in die Schweiz kommen konnten.
Die libysche Botschaft in Bern hofft nun, dass ab Januar - wenigstens im zweiten Anlauf - eine grössere Gruppe von Kriegsverletzten in der Schweiz versorgt werden kann. (brar)
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