Weiterhin Eiszeit
Ein Teil des Neuenburgersees ist gefroren. (Keystone)
Bei eisigen Temperaturen ist die Zahl der Kältetoten in Polen erneut gestiegen. In der Nacht erfroren sechs Menschen. Damit starben seit Beginn der Kälteperiode allein in Polen 68 Menschen. Hinzu kommen zwölf Tote durch Kohlenmonoxidvergiftungen. Auch Italien vermeldete weitere sieben Todesfälle. Heftige Schneefälle wurden erneut in den Abruzzen gemeldet. Einige Autobahnabschnitte wurden gesperrt. In Rom blieben weiterhin die Schulen geschlossen. Für Obdachlose wurden 2000 Schlafplätze zur Verfügung gestellt. (fors)
Wegen der aufziehenden Wolken wurde in der Nacht wie erwartet kein neuer Tiefstwert auf der Schwyzer Glattalp registriert. Der Wetterdienst Meteomedia von Jörg Kachelmann mass dort um Mitternacht -44,5 Grad.
Das bedeute keinen Rekordwert, sagte Jörg Kachelmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Die Rekorde sind jetzt sowieso für ein Weilchen durch.» Am Montagmorgen hatte Meteomedia auf der unbewohnten Glattalp -45,4 Grad gemessen - der bisherige Tiefpunkt dieses Winters.
Dennoch: Die Temperaturen bleiben auch in den nächsten Tagen im tiefen Minusbereich. In der Höhe wird für Mittwoch und Donnerstag zwar ein Temperaturanstieg erwartet, am Freitag bringt eine Bisenströmung aber wieder kalte Luft in die Schweiz, wie MeteoNews mitteilte.
Nicht aussergewöhnlich
Derweil nehmen Wetterexperten die Kältewelle in Europa unaufgeregt zur Kenntnis: «Die lange Dauer der Kälte, ihr relativ spätes Eintreten und das Ausmass sind bemerkenswert, aber nicht aussergewöhnlich», hiess es bei der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf.
«Die Kälte dürfte sich nächste Woche abschwächen», sagte der WMO- Experte Omar Baddour. Ein sibirisches Hochdruckgebiet werde mildere Temperaturen bringen, dabei würden Stürme vom Atlantik aus über Europa hinwegziehen.
Experten warnen vor Eisschicht auf Seen
Wegen der Kälteperiode hat sich auf vielen Schweizer Gewässern eine Eisschicht gebildet. Trotzdem warnen Experten vor zu grosser «Eis-Euphorie». Die meisten Eisflächen seien noch zu schwach für eine Begehung.
So bleiben im Kanton Zürich alle Seen bis auf weiteres gesperrt, das Betreten verboten, wie die Kantonspolizei Zürich am Dienstag in ihrem Eisbulletin mitteilte. Auch im Kanton Schwyz sollten keine gefrorenen Gewässer betreten werden. Einzige Ausnahme sei das Eisfeld auf dem Sihlsee bei Euthal.
Trotz der anhaltenden Kälteperiode wird es laut SF Meteo kaum für eine durchgehende Eisdecke auf den Zürichsee reichen. Dieses Ereignis gab es letztmals im Jahr 1963. Damit der Zürichsee wirklich gefahrlos betreten werden könnte, bräuchte es eine Eisdecke von zirka zwölf Zentimetern. Die Kältewelle müsste dafür noch etwa vier Wochen auf gleichem Niveau anhalten. Dafür gibt es in den Wettermodellen gemäss SF Meteo keine Anzeichen.
Störungen auf Schiene und Strasse
Auch die Bahninfrastruktur leidet weiter unter der Kälte. Am Dienstagvormittag brach auf der Broyelinie im Kanton Waadt eine Schiene. Nach ersten Untersuchungen waren die tiefen Temperaturen dafür verantwortlich. Die SBB richtete einen Busdienst zwischen Payerne VD und Moudon VD ein.
Auch auf den Strassen kam es am Dienstag zu zahlreichen Zwischenfällen. Allein im Kanton St. Gallen ereigneten sich zwölf Unfälle. Laut Polizeiangaben wurde niemand verletzt. Nicht angepasste Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse war in den meisten Fällen die Unfallursache. Der Sachschaden dürfte über hunderttausend Franken betragen.
Im Kanton Waadt bescherte eine defekte Heizung 50 Schülern zwischen vier und zehn Jahren einen freien Tag. Wie der Kanton Informationen der Zeitung «Le Matin» bestätigte, war im Schulhaus in Cully die Heizung ausgefallen. Die Temperatur im Klassenzimmer betrug daraufhin nur noch 14 Grad. Deshalb bekamen die Kinder einen freien Tag. (fors, sda)
