Haiti wählt einen neuen Präsidenten
Vor einem Wahllokal in Haiti bildet sich eine lange Schlange. (Keystone)
Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat in Haiti die Stichwahl um das Präsidentenamt stattgefunden. Dabei standen sich die ehemalige First Lady Mirlande Manigat und der Sänger Michel Martelly gegenüber.
Sie wollen den scheidenden Staatschef René Préval beerben und das höchste Staatsamt in den kommenden fünf Jahren ausüben.
Populärer Musiker ist Favorit
Als Favorit galt der Politik-Neuling Martelly, der in den jüngsten Umfragen auf rund 53 Prozent der Stimmen gekommen war. Zu der Abstimmung im ärmsten Land des amerikanischen Kontinents, bei der auch Senatoren und Abgeordnete neu gewählt wurden, waren 4,7 Millionen Haitianer aufgerufen.
Das vorläufige Ergebnis der Wahl soll erst am 31. März bekannt gegeben werden, das Endergebnis am 16. April. Am ersten Wahlgang im November hatten sich nur gut 20 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt.
Nach den vorläufigen Ergebnissen der ersten Runde landete Manigat auf dem ersten Platz, Martelly auf dem dritten. Nach monatelangem Streit und Betrugsvorwürfen entschied die Wahlkommission im Februar, dass Manigat und Martelly die Stichwahl bestreiten sollen.
Wahlkampf von Gewalt begleitet
Wie schon vor der ersten Runde vor vier Monaten war auch der Wahlkampf in diesem Jahr von Gewalt begleitet. In der vergangenen Woche wurden drei junge Männer ermordet, die für Manigat Plakate klebten.
Kurz vor Beginn des Urnenganges wurde der weltbekannte Rapper Wyclef Jean angeschossen. Der 41-Jährige sei in der Nacht zum Sonntag durch einen Schuss in die Hand verletzt worden, berichteten örtliche Medien. Jean ist ein enger Freund Martellys. Er hält sich in Haiti auf, um diesen beim Kampf um die Präsidentschaft zu unterstützen.
Kleinere Unregelmässigkeiten bei der Wahl
Während des Wahlgangs registrierten Beobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einzelne Unregelmässigkeiten. Mehrere Wahllokale seien nicht pünktlich geöffnet worden, sagte der Chef der Beobachtermission, Colin Granderson, der Nachrichtenagentur AFP.
In anderen Lokalen sei keine Tinte vorhanden gewesen, um die Finger von Wählern nach deren Stimmabgabe zu markieren. Granderson fügte jedoch hinzu, dass er nicht «verallgemeinern» wolle. Der provisorische Wahlrat sei bemüht, die Probleme zu lösen.
Aristide überraschend zurückgekehrt
In den vergangenen Wochen hatten zwei frühere Staatschefs des Landes für zusätzliche Aufregung in der angespannten politischen Situation gesorgt.
Die Rückkehr des ehemaligen Diktators Jean-Claude Duvalier alias «Baby Doc» im Januar sowie die Ankunft des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide aus dem südafrikanischen Exil am Freitag drohten alte Spannungen neu zu beleben. Der 2004 entmachtete Aristide hat in Haiti besonders in der armen Bevölkerung zahlreiche fanatische Anhänger.
Tausende Haitianer in Notunterkünften
In Haiti waren im Januar des vergangenen Jahres bei einem verheerenden Erdbeben mehr als 220'000 Menschen getötet worden. Noch immer leben tausende Menschen in Notunterkünften. Durch eine Cholera- Epidemie kamen seit Oktober zudem fast 4700 Menschen ums Leben, Hunderttausende sind infiziert. (pet, sda/afp/dpa/Reuters)
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