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Rätseln über den Stand des Atomprogramms

Wie weit fortgeschritten das iranische Atomprogramm tatsächlich ist und welche Ziele Iran damit verfolgt, ist umstritten. Westliche Staaten verdächtigen Teheran, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Sicher ist, das erste AKW ist in Betrieb.
Erstes AKW in Bushehr

Am 21. August 2010 nahm Iran mit Hilfe Russlands sein erstes Atomkraftwerk in Betrieb, im Juli 2011 nahm es die kommerzielle Stromproduktion auf. Westliche Länder reagierten zurückhaltend, denn der Meiler ist nicht Teil des seit Jahren schwelenden Atomstreits. Irans Führung dagegen bejubelte das Werk nach mehr als 30-jähriger Bauzeit als «Triumph über die Isolation» und beschwor den zivilen Nutzen der Atomenergie. Das AKW Bushehr steht rund 1200 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran am Persischen Golf.

Die Anlage steht unter Kontrolle der IAEA. Russland liefert die Brennstäbe und nimmt den verbrauchten atomaren Brennstoff - der einzige eventuelle Grund zur Sorge - zurück. Deshalb stellt der Reaktor nach Aussagen von Diplomaten kaum ein Risiko für die Weitergabe von atomwaffenfähigem Material dar. Es gebe auch keine Verbindung zum geheimen Anreicherungsprogramm.

Irans Atomprogramm sorgt seit Jahren immer wieder für Streit. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wirft Teheran ungenügende Kooperation vor. Diesen Vorwurf weist Irans Regime zurück. Offizielles Ziel der iranischen Atompolitik ist die zivile Nutzung der Atomtechnologie zur Energiegewinnung und für medizinische Anwendungen.

Geheim gehaltene Atomanlage bei Qom
Anlass zu anderslautenden Mutmassungen geben die iranischen Bemühungen, Kontrollen durch die IAEA zu unterlaufen. So musste Teheran im Herbst 2009 die Existenz einer Atomanlage bei Qom eingestehen, deren Existenz der IAEA jahrelang verheimlicht worden war. Die Anlage, die rund 90 Meter unter der Erde liegen soll, ist noch im Bau. Daneben verfügt Iran über eine unterirdische Fabrik zur Anreicherung von Uran in Natans.

Irans Ankündigung Mitte Februar 2010, es habe mit der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent begonnen, überraschte die IAEA. Die erhöhte Anreicherung sei ohne Aufsicht der IAEA gestartet worden, hiess es seitens der Uno-Behörde in Wien. Damit nährte Iran den Verdacht westlicher Staaten, Teheran arbeite am Bau von Atomwaffen.

Bedenken angesichts iranischer Urananreicherung
Zur zivilen Nutzung von Uran reicht ein Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent. Das angereicherte Material kann zur Stromproduktion verwendet werden. Niedrig angereichertes Uran wird in Iran schon länger hergestellt.

Die zusätzliche Anreicherung von Uran auf 20 Prozent begründete Teheran mit dem geplanten Einsatz zu medizinischen Zwecken, beispielsweise zur Bestrahlung von Tumoren. Allerdings bestehen Zweifel, ob das Land über die technischen Möglichkeiten verfügt, Brennstäbe zum Einsatz im medizinischen Forschungsreaktor in Teheran herzustellen.

IAEA: Iran verfügt über Atombomben-Pläne
Sicher ist sich die IAEA aber darin, dass Iran über Pläne zum Bau von Atomwaffen verfügt. Diese soll Teheran über das Atom-Netzwerk des «Vaters der pakistanischen Atombombe», Abdul Qadeer Khan, erhalten haben.

Wie weit die Möglichkeiten Irans in diesem Punkt sind, weiss auch die Atombehörde nicht genau. Gemäss einem Bericht vom September 2008 geht sie davon aus, dass Teheran zwar an der Anreicherung von Uran arbeitet, allerdings noch weit von der Produktion von waffenfähigem Uran entfernt ist. Damit Uran waffenfähig wird, muss es auf rund 90 Prozent angereichert werden.

USA: Iran will keine Bombe bauen
Der amerikansiche Verteidigungsminister Leon Panetta ging im Januar 2012 davon aus, dass Iran binnen eines Jahres eine Atombombe bauen könnte, einen diesbezüglichen Entscheid aber noch nicht getroffen habe.

Die jüngsten Geheimdienstberichte bestätigten die schon 2007 gewonnene Erkenntnis, dass Iran sein Atomwaffenprogramm schon vor Jahren aufgegeben habe, hiess es anlässlich eines Hearings vor der Geheimdienst-Kommission des US-Senats Ende Januar. Iran wolle sich jedoch die Option auf eine nukleare Bewaffnung offen halten.

Israel droht mit Militärschlag
Anders sieht dies Israel: Die Regierung ist überzeugt davon, dass Teheran nach der Atombombe strebt. Israel betrachtet deshalb das iranische Atomprogramm als grösste Bedrohung seiner Existenz. Seit 2010 kursieren Gerüchte über einen bevorstehenden Militärschlag der Israelis gegen iranische Atomanlagen. Ein solcher wird bislang von den USA allerdings nicht gedeckt. (pet/jwi/acd, reuters/sda/ddp/dpa)

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