Atomkontrolleure nehmen neuen Anlauf in Iran
IAEA-Chefinspektor Herman Nackaerts auf dem Wiener Flughafen Schwechat vor der Abreise nach Teheran. (Keystone)
Mit einer möglicherweise entscheidenden Initiative im Atomkonflikt mit Iran will die Internationale Atomenergiebehörde IAEA eine drohende weitere Eskalation abwenden. Ein hochrangiges IAEA-Expertenteam um Chefinspektor Herman Nackaerts nahm am Sonntag seine Arbeit in Teheran auf.
Die IAEA erhofft sich dabei Aufklärung über das vermutete iranische Kernwaffenprogramm. Teheran hat seit 2008 Fragen dazu nicht beantwortet und eine mögliche militärische Dimension seines Atomprogramms stets bestritten.
Spielraum des IAEA-Kontrollteams noch unklar
Zunächst war unklar, ob das IAEA-Team mit Nackaerts auch iranische Atomanlagen inspizieren oder lediglich Fragen zum Atomprogramm des Landes stellen kann. Es wurde erwartet, dass die IAEA-Experten mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Said Dschalili und dem Direktor des iranischen Atomprogramms, Ferejdun Abbasi-Dawani, zusammentreffen.
Der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi sagte am Rande des Afrika-Gipfels in Addis Abeba der Nachrichtenagentur Isna: «Wir haben alles im Vorfeld vorbereitet, auch Inspektionen der Anlagen, und sind allgemein sehr optimistisch bezüglich der Ergebnisse der IAEA-Mission.» Sein Land habe nichts zu verbergen. Ähnlich äusserte sich der frühere iranische Aussenminister Ali Akbar Welajati.
Eine der Atomanlagen, die für eine IAEA-Inspektion infrage käme, wäre die lange geheim gehaltene unterirdische Anlage Fordo, die rund 160 Kilometer südlich von Teheran liegt. Die Anlage, in der Uran bis auf 20 Prozent angereichert werden soll, soll im Februar den Betrieb aufnehmen. Eine 20-prozentige Anreicherung reicht nicht zum Bau von Atomwaffen aus. Iran hat in den vergangenen 15 Jahren stets bestritten, unter dem Deckmantel der zivilen Atomforschung eine Atombombe bauen zu wollen. Nach Erkenntnissen der IAEA haben iranische Wissenschaftler zumindest bis 2010 an der Entwicklung eines atomaren Sprengkörpers gearbeitet.
Mission bis Dienstag geplant
Das IAEA-Team will bis zum Dienstag im Iran bleiben. «Wir freuen uns darauf, einen Dialog zu beginnen, der schon lange überfällig ist», sagte Nackaerts vor dem Start in Wien. Aus dem Umfeld der Wiener Atom-Behörde hiess es, dass es zunächst darum gehe, in Gesprächen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das vermutete iranische Waffenprogramm zu erreichen. Nach ihrer Ankunft in Teheran waren die Spezialisten am Samstagabend zum Hinterausgang gebracht worden; wartende Medienvertreter hatten keinen Zugang zu ihnen.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will bei einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon eine weitere Verschärfung der internationalen Iran-Sanktionen fordern. Ban wird in dieser Woche zu einem Besuch in der Region erwartet und trifft Netanjahu am Mittwoch. Deutschlands Aussenminister Guido Westerwelle äusserte sich vor Beginn einer Nahostreise besorgt über zunehmende regionale Spannungen wegen des Streits um das iranische Atomprogramm.
Parlament in Teheran vertagt Abstimmung über Ölboykott
Westliche Politiker warnten angesichts einer für Sonntag geplanten und inzwischen vertagten Entscheidung des iranischen Parlaments über ein Ölembargo gegen Europa vor einer Eskalation. Der Vorsitzende des Energieausschusses, Emad Hosseini sagte zur Verschiebung, weitere Gespräche mit der Regierung seien nötig.
Die EU hatte Anfang Woche ein Ölembargo gegen Iran beschlossen, um das Land an den Verhandlungstisch zu bringen. Der Iran hatte damit gedroht, die Strasse von Hormus zu blockieren. Die Meerenge ist eine Schlagader für die Weltwirtschaft: Der Löwenanteil der globalen Ölversorgung muss durch dieses Nadelöhr.
Neue US-Bomben gegen Atom-Bunkeranlagen
Die USA halten sich in dem Konflikt alle Optionen offen. Das Land hat einen «Massive Ordnance Penetrator» genannten Bunkerbrecher entwickelt, um die massiv befestigten Anlagen der iranischen und nordkoreanischen Atomprogramme zu zerstören.
Das «Wall Street Journal» berichtete am Samstag, Versuche hätten aber gezeigt, dass die Bombe einige iranische Anlagen nicht zerstören könne. Die Bombe müsse vor ihrer Explosion tiefer in Stein, Beton oder Stahl eindringen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte einige Tage zuvor Mängel eingeräumt und die Weiterentwicklung der Bombe angekündigt. Sie werde bald imstande sein, auch die tiefsten iranischen Bunker zu zerstören, sagte Panetta. (bru, dpa)I
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