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  • Zurück zum Dossier «Ölpest im Golf von Mexiko»

Chronologie der Ölkatastrophe

Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen ist es Ingenieuren am 19. September 2010 gelungen, das Bohrloch im Golf von Mexiko endgültig zu stopfen. Die Katastrophe im Zeitraffer.

Als die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodierte, galt die Sorge zunächst den vermissten Arbeitern. Niemand ahnte, dass es der Anfang der bisher schlimmsten Umweltkatastrophe der USA war. Wie hat sich die Ölpest entwickelt? Was wurde dagegen unternommen? Ein Rückblick.

20. April 2010
Auf der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, auf der 126 Menschen arbeiten, gibt es eine Explosion. Die Plattform des Schweizer Unternehmens Transocean fängt Feuer. Die meisten der Arbeiter werden gerettet, elf bleiben vermisst. Drei Tage später wird die Suche nach ihnen eingestellt.

Die US-Küstenwache versucht vergebens, den Brand mit Hilfe von Löschbooten unter Kontrolle zu bringen.
22. April 2010
Die Löscharbeiten sind nicht erfolgreich: Nach einer Serie technischer und menschlicher Fehler sinkt die brennende Bohrinsel. Die mobile Plattform mit einer Grösse von zwei Fussballfeldern reisst in 1500 Metern Meerestiefe ein Steigrohr auf.

Experten befürchten zu diesem Zeitpunkt, dass schlimmstenfalls täglich rund 1,2 Millionen Liter Öl ins Wasser gespült werden könnten.

BP-Chef Tony Hayward versichert, «alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Ölverschmutzung in Schach zu halten und die Situation so sicher, schnell und effektiv wie möglich zu lösen».
29. April 2010
Die Arbeiten, die eine Ölpest verhindern sollen, gestalten sich schwieriger als erwartet. Weder das Abbrennen des Öls noch der Einsatz von Chemikalien konnten bisher viel ausrichten. Die Hoffnung, das Leck zügig schliessen zu können, schwindet.

Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe «von nationaler Bedeutung» ein und stoppt neue Tiefseebohrungen.
30. April 2010
Der Ölteppich erreicht die Küste des US-Bundesstaates Louisiana. Die errichteten Barrieren können das Öl nicht aufhalten.

Der Unmut der Fischer wächst, sie fürchten um ihre Existenz. BP heuert Fischer als Helfer gegen die Ölpest an; sie büssen damit allerdings ihr Klagerecht gegen den Konzern ein.
2. Mai 2010
US-Präsident Obama besucht die betroffene Region und verspricht der Bevölkerung jede erdenkliche Hilfe. Er bekräftigt, dass der britische Konzern BP für den anhaltenden Ölaustritt verantwortlich sei, und «BP wird die Rechnung dafür bezahlen».

Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi angesichts des herannahenden Öls den Notstand aus.
8. Mai 2010
Der Versuch, das offenstehende Bohrloch mit einer fast 100 Tonnen schweren Stahlglocke zu verschliessen und so das Öl abzupumpen, scheitert. Die Operation in 1500 Meter Tiefe wird abgebrochen. Eiskristalle verstopfen die Öffnungen.

Schätzungen gehen davon aus, dass täglich rund 800'000 Liter Rohöl ins Meer fliessen.
11. Mai 2010
Bei einer Anhörung im US-Senat machen sich die Vertreter der beteiligten Firmen - der Chef von BP Amerika Lamar McKay, der Chef der Plattform-Besitzerin Transocean Steven Newman und der Präsident der Technologiefirma Halliburton Tim Probert - gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich.

Gleichzeitig sucht der Ölkonzern BP als Betreiber der gesunkenen Bohrinsel weiter verzweifelt nach Wegen, den anhaltenden Ölaustritt ins Meer zu stoppen.
20. Mai 2010
Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl austritt, als BP bisher gemeldet hat. Das Öl zerstört empfindliches Marsch- und Sumpfland. Helfer sind zwar im Einsatz, doch sie können nicht viel gegen den Ölteppich unternehmen, der immer mehr Tiere und Pflanzen tötet.

Vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon steht die Regierung von Präsident Barack Obama im Kreuzfeuer der Kritik. Forscher kritisieren, die Regierung habe es bislang nicht annähernd geschafft, das wahre Ausmass der Ölpest ans Tageslicht zu bringen.
26. bis 30. Mai 2010
BP versucht, mit zähem Schlamm, Zement und Gummi, wie Teile alter Autoreifen oder Golfbälle, das leckgeschlagene Bohrloch zu stopfen. Die als «Top Kill» bezeichnete Methode misslingt, das Öl sprudelt weiter ins Meer.

Nun soll ein Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt und auf die Öffnung eine Kuppel gestülpt werden. Dort soll ein Grossteil des Öls aufgefangen und durch eine Leitung zu einem Schiff geleitet werden.

Das Verfahren «lower marine riser package»
27. Mai 2010
US-Präsident Barack Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien-Management (MMS), Elizabeth Birnbaum. Zuvor hatte Präsident Obama die Lizenz-Vergabe-Praxis der Behörde und das Sicherheits-Regime für Tiefseebohrungen kritisiert.
4. Juni 2010
Ingenieuren gelingt es, einen Absaugtrichter über dem Ölleck anzubringen. Aber nur ein kleiner Teil des Öls kann zu einem Schiff abgeleitet werden. Das meiste strömt weiter ins Meer. Ölklumpen erreichen inzwischen die Strände von Florida.
10. Juni 2010
Die Ölpest greift die Gesundheit von Menschen an: Allein in Louisiana werden mehr als 70 Menschen wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeter Augen und Atembeschwerden medizinisch behandelt. Die Erkrankten sind meist Teil der Hilfsmannschaften.

Die Tierwelt leidet immer stärker: Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel werden gefunden, die meisten von ihnen sind bereits tot.
11. Juni 2010
Das Ausmass der Ölkatastrophe wird immer dramatischer: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schiessen - mehr als doppelt so viel wie bisher angegeben. Der Ölteppich breitet sich aus.
16. Juni 2010
In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten.

BP zahlt 20 Milliarden Dollar in einen unabhängigen Entschädigungsfonds.
17. Juni 2010
BP-Chef Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen, in dem es Kritik hagelt. Er räumt Versäumnisse ein, nennt den Unfall «schrecklich» und verspricht, die Sache «in Ordnung zu bringen».

Einen Tag später nimmt der britische Energiekonzern BP seinen umstrittenen Vorstandschef Hayward aus der Schusslinie. Er ist nicht länger für das tägliche Krisenmanagement zur Bewältigung der Ölpest im Golf von Mexiko zuständig.
22. Juni 2010
Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig. Die US-Regierung will dagegen Berufung einlegen.
23. Juni 2010
Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben.
30. Juni 2010
Der im Golf von Mexiko tobende Tropensturm «Alex» entwickelt sich zum Hurrikan. Darunter leiden die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest. Die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems verzögert sich. Die hohen Wellen treiben den dicken Ölschlick weiter in die küstennahen Marschgebiete hinein. Seit nunmehr zehn Wochen fliesst eine gigantische Menge Öl ununterbrochen ins Meer.
5. Juli 2010
Nach zahlreichen Rückschlägen ruhen nun die Hoffnungen auf einem Supertanker. Er soll öliges Wasser aufschlürfen und gereinigtes ausspeien. Erste Tests mit dem Riesentanker «A Whale» (Ein Wal) verlaufen jedoch ergebnislos.

Am 17. Juli verkünden die Behörden das Aus: Der Supertanker sei für die speziellen Bedürfnisse des Einsatzes ungeeignet.
9. Juli 2010
Das von Obama verhängte Verbot neuer Tiefseebohrungen bleibt weiter ausser Kraft, entscheidet ein Berufungsgericht in New Orleans.
13. Juli 2010
BP stülpt einen 68 Tonnen schweren Zylinder über die Ölquelle, so soll der Ausfluss des Öls in den Golf von Mexiko gestoppt werden. Die bisherige Kappe sitzt nur locker auf dem Bohrloch und kann nur einen Bruchteil des Öls aufhalten. Parallel arbeitet der Konzern an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch, durch den bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle gepresst werden sollen.

Gleichentags verhängt die US-Regierung ein neues Verbot für Öl-Tiefseebohrungen.
15. Juli 2010
Den Technikern gelingt es mit Hilfe des Zylinders erstmals, die sprudelnde Ölquelle zumindest zeitweise komplett zu verschliessen. Zum ersten Mal seit drei Monaten schiesse kein Öl mehr aus dem Bohrloch, heisst es bei BP.

Der Erfolg der Aktion steht jedoch noch immer auf Messers Schneide. Weitere Tests müssen zeigen, ob das Öl nicht an einer anderen Stelle entweicht.
19. Juli 2010
Im Kampf gegen die Ölpest meldet die US-Regierung neue Probleme: In der Nähe des Bohrlochs sei ein Leck, gibt der Einsatzleiter bekannt. Ausserdem sammelt sich möglicherweise Methangas über dem Bohrloch. Die entdeckten Aussickerungen haben nach Angaben von BP einen natürlichen Ursprung und nichts mit dem Ölleck zu tun.

Insgesamt sind knapp 900 Kilometer der amerikanischen Golfküste unterschiedlich stark verschmutzt. Rund ein Drittel der Küstengewässer sind für den Fischfang gesperrt. Seit drei Monaten flossen Tag für Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Wasser.
20. Juli 2010
Die Atempause für den Golf von Mexiko wird verlängert: Die Kappe bleibt auf dem Bohrloch - das Meer hat sie schon von bis zu 25'000 Tonnen Öl verschont.

BP treibt ein neues Manöver zur endgültigen Versiegelung voran. Bei der «Static Kill» genannten Aktion soll schwerer Schlamm durch die Ventile des Abdeckzylinders gepumpt werden. Im Moment läuft für den Konzern vieles nach Plan - aber die Bedenken bleiben.
22. Juli 2010
Schon wieder ein Rückschlag für BP: Diesmal macht der Tropensturm «Bonnie» den Einsatzkräften im Golf von Mexiko einen Strich durch die Rechnung. Der Kampf gegen die Öl-Katastrophe muss unterbrochen werden.

Vier Tage später nehmen die Einsatzkräfte ihren Kampf gegen die Ölpest wieder auf. Der nächste Sturm ist während der laufenden Hurrikansaison allerdings nur eine Frage der Zeit. Der Kampf gegen die Ölpest wird zum Wettlauf mit dem Wetter.
27. Juli 2010
Die Ölkatastrophe zwingt BP-Vorstandschef Tony Hayward - das Gesicht der schwarzen Pest - zum Rücktritt. Der Energiekonzern schreibt wegen der Umweltkatastrophe tiefrote Zahlen. Erstmals seit 18 Jahren steht zu einem Quartalsende ein Minus in der Bilanz: Von März bis Juni beläuft sich der Rekordverlust auf 17,1 Milliarden Dollar.
31. Juli 2010
Mit knapper Mehrheit bringen die Demokraten von US-Präsident Barack Obama schärfere Regelungen für Tiefseebohrungen durch das Repräsentantenhaus. Mit dem Gesetz würden die Verursacher von Ölkatastrophen künftig stärker zur Kasse gebeten: Die Haftungsobergrenze von 75 Millionen Dollar würde aufgehoben. Über ein ähnliches Gesetz wird derzeit auch im US-Senat beraten.
31. Juli 2010
Seit der Explosion der Deepwater Horizon sind 780 Millionen Liter (4,9 Millionen Barrel) Rohöl in den Golf von Mexiko ausgelaufen. Damit handelt es sich um die grösste Ölpest aller Zeiten.
4. August 2010
Mehr als drei Monate nach dem Untergang der Ölplattform ist es dem Ölmulti BP nach eigenen Angaben gelungen, die Quelle mit Schlamm zu verschliessen.

Der als «Static Kill» bezeichnete Einsatz sei erfolgreich verlaufen. Um die Ölgefahr endgültig zu bannen, sind Entlastungspipelines erforderlich.
5. August 2010
Trotz des Untergangs ihrer Ölplattform Deepwater Horizon hat die in Zug angesiedelte Transocean im zweiten Quartal 2010 nur minim weniger eingenommen. Die Havarie trug im Gegenteil dank Versicherungszahlungen in Millionenhöhe positiv zum Ergebnis bei. Insgesamt reduzierte sich der Reingewinn von 806 im Vorjahr auf 715 Millionen Dollar.
7. August 2010
Aufräumen nach der erfolgreichen Abdichtung des Öllecks: Da kaum noch Öl auf der Meeresoberfläche zu finden sei, werden die im Wasser ausgelegten Barrieren wieder abgebaut. Diese könnten bei kommenden Hurrikanen zu gefährlichen Geschossen werden.

In der Fachwelt herrschen weiter grosse Zweifel an den Angaben der US-Regierung, ein Grossteil der rund 660'000 ausgeströmten Tonnen Öl sei auf natürliche Weise verschwunden. Bakterien könnten zwar Öl im Meer abbauen, aber das sei ein Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre hinziehe, so Experten.
10. August 2010
Erneuter Rückschlag für BP: Ein aufziehendes Unwetter verzögert die endgültige Versiegelung des defekten Bohrlochs im Golf von Mexiko. Die Entlastungsbohrung muss gestoppt werden.

Bei dem «Bottom Kill» genannten Verfahren soll die Ölquelle auch von unten verschlossen werden, indem 4000 Meter unter dem Meeresboden über eine Entlastungsbohrung Zement hineingepumpt wird. Drei Tage später werden die Arbeiten fortgesetzt.
14. August 2010
Der US-Bundesstaat Alabama reicht eine Klage gegen den Ölkonzern BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko ein. BP und andere Verantwortliche hätten fahrlässig gehandelt und gegen Sicherheitsstandards verstossen. Alabama verlangt eine Entschädigung, ohne Zahlen zu nennen.
17. August 2010
In den USA sind Ölbohrungen in tiefen Gewässern künftig nur noch erlaubt, wenn sie strikte Umweltauflagen erfüllen: Bohrvorhaben würden nur noch bewilligt, wenn zuvor die möglichen Folgen für die Umwelt umfassend abgeklärt worden seien. Die US-Regierung reagiert damit auf die verheerenden Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.
18. August 2010
Neuen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist der Grossteil des Öls im Golf von Mexiko keineswegs wie von der US-Regierung angegeben bereits beseitigt. Da nützt es auch nichts, dass Barack Obama drei Tage zuvor demonstrativ an der Golfküste von Florida schwimmen gegangen ist. Bis zu 80 Prozent des Öls befänden sich noch im Meer, so US-Forscher. Dies sei der Preis dafür, dass der Öl-Konzern BP Chemikalien eingesetzt habe, um den Ölteppich an der Meeresoberfläche aufzulösen.

Einen Tag später weisen neue Untersuchungen nach, dass in den Tiefen des Golfs noch grosse Ölmengen vorhanden sind. Die Existenz der Ölfahne, ein Öl-Wasser-Gemisch, war bislang nur vermutet worden. Sie sei etwa 35 Kilometer lang und  zwei Kilometer breit, so die US-Wissenschaftler.
19. August 2010
Die endgültige Versiegelung der vor vier Monaten leckgeschlagenen Ölquelle verzögert sich weiter. Die US-Regierung visiert den Start des als «Bottom Kill» bezeichneten Verfahrens nun für Anfang September an. Dabei soll das Bohrloch 4000 Meter unter dem Meeresgrund von unten mit Schlamm und Zement verschlossen werden.

Vorher muss der britische Ölkonzern BP noch den defekten Abdichtkopf über dem Bohrloch in etwa 1500 Metern Tiefe austauschen. Geplant war ursprünglich, das defekte Bohrloch bis Mitte August ein für alle Mal zu verschliessen.
23. August 2010
In den USA beginnt der Ölpest-Fonds, Hilfsgelder von  BP zu verteilen. Der Ölkonzern hatte auf Druck der US-Regierung im Juni 20 Milliarden Dollar bereit gestellt, mit denen Menschen geholfen werden soll, die durch die Ölpest im Golf von Mexiko geschädigt wurden. Es geht um Entschädigungen für Lohnausfälle und entgangene Gewinne von Geschäftsleuten, aber auch um Gesundheitskosten.

Die Richtlinien des Fonds sind jedoch umstritten. So können nur Antragssteller, die sich binnen der nächsten sechs Monate melden, BP zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal verklagen. Danach verlieren sie das Recht auf eine erneute Anklageerhebung gegen den Ölkonzern.
1. September 2010
Erneut macht das Wetter BP ein Strich durch die Rechnung: Hoher Wellengang behindert die Arbeiten. Experten des Ölkonzerns wollen das defekte Absperrventil vom Meeresgrund bergen, das den Ölaustritt aus dem Bohrloch eigentlich hätte verhindern sollen. Erst dann wird die Entlastungsbohrung fortgesetzt.
2. September 2010
In den drei Monaten nach Beginn der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat der britische Ölkonzern BP sein Werbebudget gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdreifacht. Zwischen April und Juli 2010 habe BP über 93 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben, teilte der zuständige US-Kongressausschuss mit. Der Ausschuss hatte die Angaben von BP angefordert.

Weitere 89,5 Millionen Dollar habe der Konzern bereitgestellt, um für die Tourismusindustrie der betroffenen Bundesstaaten Florida, Louisiana, Alabama und Mississippi zu werben.
4. September 2010
BP ist es gelungen, ein defektes Absperrventil der geborstenen Bohrplattform im Golf von Mexiko zu ersetzen. Der so genannte «Blowout Preventer» wurde langsam vom Meeresboden an die Oberfläche geholt.

Das Ventil ist in etwa so gross wie ein Haus. Es war nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im April nicht in der Lage gewesen, das ausströmende Öl aufzuhalten. Aus dem Bohrloch liefen nach Schätzungen rund 800 Millionen Liter Öl ins Meer.

Dem 300 Tonnen schweren und 15 Meter langen Absperrventil kommt bei den Untersuchungen der Katastrophe eine Schlüsselrolle zu.
5. September 2010
Die US-Behörden geben für die leckgeschlagene Ölquelle im Golf von Mexiko Entwarnung. Das Bohrloch sei «keine Gefahr» mehr für die Umwelt, erklärt der Krisenmanager der Regierung, Thad Allen.

Die Operation «Bottom Kill» zum dauerhaften Versiegeln der Quelle tief unter dem Meeresboden könne beginnen. Bei dem Manöver werden Schlamm und Zement mit grossem Druck von unten in die Quelle gepumpt.
8. September 2010
Der Ölkonzern BP lehnt die alleinige Verantwortung für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ab. Zu dem Unglück hätten vielmehr falsche Entscheidungen mehrerer Firmen und Teams geführt, heisst es in einem BP-Bericht über die Ursachen der Katastrophe. Dabei habe es technische wie menschliche Fehler gegeben.

Die Unglücksursache ist dem Bericht zufolge höchst komplex. So habe eine Barriere aus Zement an der Quelle nicht richtig funktioniert. Dadurch seien Gas und Flüssigkeit in ein Produktionsrohr gelangt. Die Crew auf der Plattform habe den Fehler erst 40 Minuten später bemerkt. Da sei es schon zu spät gewesen.

Ausserdem hätten BP und die Plattform-Betreiberin Transocean die Ergebnisse eines Drucktests falsch interpretiert. Darüberhinaus sei ein Sicherungsventil, der sogenannte Blow-out Preventer, vermutlich defekt gewesen. Dieser hätte sich automatisch aktivieren und die Quelle verschliessen müssen.
19. September 2010
Fünf Monate nach Beginn der schwersten Ölpest der US-Geschichte ist die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko endgültig versiegelt. Experten des britischen BP-Konzerns gelingt es, die Quelle mehr als 5000 Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu schliessen.
6. Oktober 2010
In einem Bericht an die von Präsident Obama eingesetzte Expertenkommission zur Untersuchung der Krisenbewältigung heisst es, die Regierung habe die Ölpest zu Beginn sträflich unterschätzt. Dadurch habe sie «das Vertrauen der Öffentlichkeit» in die Gegenmassnahmen der Behörden untergraben.

Zudem wird der Verdacht geäussert, dass die Küstenwache bei den ersten, viel zu niedrigen Schätzungen zum ausgelaufenen Öl einfach die Zahlen des britischen Erdölkonzerns BP übernommen habe.
28. Oktober 2010
Eine US-Regierungskommission wirft dem BP-Partnerunternehmen Halliburton schwere Versäumnisse vor. Der US-Konzern habe das Bohrloch unter der Ölplattform «Deepwater Horizon» nur mangelhaft zementiert und trage daher vermutlich eine Mitschuld an der Explosion der Anlage. Die Zementmischung sei instabil gewesen.
2. November 2010
Nach der Ölpest macht BP nun wieder Gewinn. Im dritten Quartal 2010 erzielte der Konzern trotz zusätzlicher Vorsteuer-Kosten für die Ölpest von 7,7 Milliarden Dollar einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar. Insgesamt hat BP 39,9 Milliarden Dollar für Ölkatastrophe einkalkuliert. Das Geld sei mit Ende des dritten Quartals komplett verbucht, schreibt BP. Tatsächlich bezahlt wurden bisher 11,6 Milliarden Euro.
8. November 2010
Gemäss einer von US-Präsident Obama eingesetzten unabhängigen Kommission zur Untersuchung der Ölkatastrophe gibt es keinerlei Hinweise, dass BP bei seinen Operationen bewusst den Profit über die Sicherheit gestellt habe. Der Bericht der Kommission stimme zu 90 Prozent mit den internen Untersuchungsergebnissen von BP überein, hiess es. Der BP-Bericht sah den Grossteil der Schuld für die Umweltverschmutzung bei den Partnerunternehmen Transocean und Halliburton.
15. Dezember 2010
Das US-Justizministerium reicht gegen BP sowie acht weitere Unternehmen - darunter Transocean - eine Schadenersatzklage ein. Die US-Regierung will die Kosten der Ölbekämpfung erstattet haben. Zudem drohen BP hohe Strafzahlungen wegen Verstössen gegen Vorschriften. In der Klageschrift heisst es unter anderem, eine unzureichende Zementierung des Bohrlochs habe zu der Katastrophe beigetragen. Das für die Zementierung zuständige Subunternehmen Halliburton wird in der Klageschrift jedoch nicht namentlich genannt.
6. Januar 2011
In ihrem Schlussbericht zur Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko wirft die Expertenkommission von US-Präsident Barack Obama den beteiligten Unternehmen vor, sie hätten höhere Risiken in Kauf genommen, um Geld zu sparen.

Auch die Aufsichtsbehörde habe Fehler gemacht: Sie habe die Bohrbewilligung zu leichtfertig erteilt und die Bohrungen nicht genügend kontrolliert. Die Expertenkommission warnt, dass sich eine derartige Katastrophe wiederholen könnte, wenn es keine wesentlichen Reformen geben sollte.

(acd, dpa/sda/dapd/reuters)

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