Geologie der Gotthard-Strecke
Der Basistunnel am Gotthard verläuft nicht auf einer schnurgeraden Strecke zwischen Erstfeld im Norden und Bodio im Süden. Neben der Rücksichtnahme auf Siedlungen, Stauseen und Zugangsmöglichkeiten zu den Baustellen, spielte die Beschaffenheit des Gesteins in dem zu durchstossenden Gebiet eine Rolle bei der Streckenplanung des Tunnels.
Karte: Hier verläuft der Gotthard-Basistunnel
Ineinandergeschobene Sedimente
Dort, wo sich heute die Alpen befinden, erstreckte sich vor Jahrmillionen ein Ur-Ozean, in dem sich über dem kristallinen Grundgebirge Ablagerungen, sogenannte Sedimente, bildeten. Bei der Faltung der Alpen, die durch den Druck der europäischen und der afrikanischen Platte aufeinander entstanden, wurden diese Sedimente aus dem Meer gehoben und ineinander geschoben.
Ein Teil der Schichten wurde eingewickelt, ein anderer weit nach oben oder als Decken nach Norden geschoben. Die ehemals unter den Sedimenten liegenden kristallinen Kerne des Aar- und Gotthardmassivs wurden zusammengepresst und aufgetürmt.
Gestein von granithart bis butterweich
Die beiden Massive bilden denn auch das Rückgrat der Schweizer Alpen. Sie bestehen weitgehend aus den festen Gesteinen Gneis und Granit. Zwischen diese Massive wurden Sedimente eingepresst, die dabei zum Teil stark zerbrachen. Für den Gotthard-Basistunnel bedeutet das: Auf der Tunnelbaustrecke mussten sechs unterschiedliche Gesteinsschichten durchbohrt werden, die von granithart bis butterweich bezeichnet werden können.
Von Nord nach Süd waren dies das harte Aarmassiv, das butterweiche Tavetscher-Zwischenmassiv, die Urseren-Garvera-Zone, das meist granitharte Gotthard-Massiv, die instabile Piora-Zone und die Penninische Gneiszone.
Schematische Darstellung der Gesteinsschichten
Problematische Tavetscher- und Piora-Zone
Als eigentliche Problemzone erwies sich dabei das Tavetscher-Zwischenmassiv. Der dortige Kakirit – ein weiches, nachfliessendes Gesteinsmehl, das sich leicht verformen lässt – musste nach der Durchbohrung mit der Tunnelbohrmaschine mit verschiebbaren Stahlbögen verstärkt werden.
Dagegen bewahrheiteten sich die Befürchtungen der Geologen bei der Piora-Zone nicht. Dort war man bei Probebohrungen 1996 auf von Wasser durchtränkten, zuckerförmigen Dolomit gestossen, der unter grossem Druck steht. Skeptiker prophezeiten bereits das Ende des Gottardtunnel-Projekts.
Bei der eigentlichen Tunnelbohrung zeigte sich dann aber, dass dieser Gesteinsbrei nicht bis auf das Niveau des Tunnels hinunter reichte, die Piora-Zone konnte ohne grössere Probleme durchstossen werden.
Als schwierig erwies sich auch der letzte Kilometer der Bauarbeiten nördlich von Faido, kurz vor Sedrun. Die Stelle wurde mit der Tunnelbohrmaschine von Süden her durchbohrt. Statt auf festen Gneis trafen die Tunnelbauer dort auf Medelser Granit, ein sehr zähes Gestein, das die Tunnelbohrmaschine stark beanspruchte und von herabfallenden Gesteinsbrocken begleitet wurde. (pet)
