Barcelona hat Tore für Leichtathletik-EM geöffnet
Tänzerinnen der Gruppe «Fura del Baus» trugen ihren Teil zum Spektakel bei. (Keystone)
Mit einer 75-minütigen Wasser- und Lichtshow auf der Plaza Espagna ist die 20. Leichtathletik-EM eröffnet worden. An der Seite von Hansjörg Wirz, dem Präsident des Europäischen Verbandes (EAA), gab Barcelonas Bürgermeister Jordi Hereu vor mehr als 50'000 Zuschauern den Startschuss zum sechstägigen Event, der rund 24 Millionen Euro verschlingt.
Keine Medaillen-Kandidaten
Erstmals sind bei Europameisterschaften alle 50 EAA-Mitgliedsländer am Start, dabei gibt es die Rekordteilnehmerzahl von 1370 Athleten. Die Schweiz ist in Barcelona mit insgesamt 22 Athletinnen und Athleten in 19 der 47 Disziplinen vertreten.
Trotz des in der Breite ansehnlichen Aufgebots droht erstmals seit Athen 1982 eine medaillenlose Europameisterschaft. «Ich rechne mit vier Top-12-Rangierungen», sagte der Schweizer Delegationschef Peter Haas. Von Edelmetall ist keine Rede.
Hoffen auf einen Exploit
Der Leistungssportchef denkt bei seiner Vorgabe insbesondere an Hürdensprinterin Lisa Urech. Die Emmentalerin wird im Starterfeld, gemessen an der Saisonbestenliste mit 12,84 Sekunden, mindestens den fünften Platz einnehmen.
Am ersten der sechs Wettkampftage kann Weitspringerin Irene Pusterla mit einem positiven Resultat dem Schweizer Team den nötigen Schub verleihen. Die junge Tessinerin nährte nach ihrem Schweizer Rekord von 6,76 m an den nationalen Meisterschaften die Hoffnungen auf einen Exploit. Pusterla zählt mit dieser Weite zu den Top-12-Athletinnen und würde mit der Qualifikation für den Final vom Mittwochabend für einen erfreulichen Auftakt sorgen.
Fragezeichen hinter Röthlin
Die Männer könnten in erster Linie am Schlusstag auftrumpfen. Marathonläufer Viktor Röthlin, der zuletzt mit argen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, deckt am Morgen des 1. Augusts seine Karten auf, die Sprint-Staffel läuft - eine erfolgreiche Qualifikation vorausgesetzt - am Schlussabend.
Zwei Schweizer Leistungsträger mit Potenzial für eine Finalteilnahme müssen passen: Hürdensprinter Andreas Kundert und Stabhochspringerin Nicole Büchler bleiben wegen noch nicht ausgeheilter Verletzungen zuhause.
Sprint-Gold für die «weisse Hoffnung»?
Der aus den Resultaten der WM von Berlin 2009 erstellte EM-Medaillenspiegel sähe die Russen und die Briten mit je elf Titelgewinnen vorne. Vor allem den Franzosen wird aber zugetraut, den beiden Nationen Paroli zu bieten.
Zu ihren grossen Hoffnungsträgern zählt etwa der Sprinter Christophe Lemaitre. Der erst 20-jährige Shooting-Star liess kürzlich aufhorchen, als er mit 9,98 als erster Weisser die 100 m unter zehn Sekunden lief. Auch Gastgeberland Spanien werden starke Auftritte zugetraut.
Möglicherweise wird der Brite Dwain Chambers wieder einmal zum grossen Thema. Seine EM-Titel 2002 wurden ihm aufgrund seiner Dopingvergehen aberkannt. Nun ist der umstrittene WM-Finalist über 100 m wieder im Geschäft. (haem, si)
