UBS nimmt Herabstufung gelassen
Schlechteres Rating von S&P: UBS reagiert gelassen. (Keystone)
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Dabei fliessen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements. Mehr
Die Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sorgt bei der Schweizer Grossbank UBS offenbar nicht für grosse Unruhe. Ein Sprecher sagte, die Bank habe in jüngster Zeit «regulatorisches Kapital» aufgebaut und gleichzeitig Risiken abgebaut. Der Erfolgsausweis sei «in der Branche einzigartig».
Auch bei den Anlegern sorgte die neue Note der Ratingagentur nicht für grosse Überraschungen. An der Börse sank der Wert der UBS-Aktie am Morgen leicht, auch Papiere der Credit Suisse wurden etwas tiefer gehandelt.
Downgrade mit Ansage
Bereits im September, kurz nach Bekanntwerden des jüngsten UBS-Handelsskandals, hatte S&P eine Überprüfung ihres Ratings angekündigt. Am Dienstagabend senkte sie ihre Bonitätsnote für die Bank nun um eine Stufe auf das sechstbeste «A».
Auch die Konkurrentin Moody's hatte eine mögliche Abstufung angekündigt und wiederholte die Drohung am Dienstag nochmals. Bereits im Oktober hatte die Agentur Fitch, die dritte der drei grossen Ratingagenturen, gehandelt und die Note der UBS von «A+» auf «A» gesenkt.
Mit dem Rating von S&P wird die Credit Suisse nun erstmals besser von den Agenturen eingestuft als die UBS. Ob sie sich lange darüber freuen kann, ist allerdings ungewiss: Alle drei Agenturen stellen eine Abwertung ihrer Bonität in Aussicht.
Neue Ratings für mehr als 750 Banken
Standard & Poor's hatte am Dienstagabend die Noten für insgesamt 15 Grossbanken weltweit gesenkt - dies im Zuge einer generellen Überprüfung der Ratings für mehr als 750 Banken weltweit. Zu den um jeweils eine Stufe herabgestuften Häusern gehören neben der UBS die US-Banken Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan und Bank of America sowie die britischen Banken Barclays, HSBC und RBS.
Die grosse Zahl von Abwertungen ist auch darauf zurückzuführen, dass S&P bei der Neubewertung der Kreditwürdigkeit neue Kriterien anwendete. Um die Krisenfestigkeit der Geldhäuser stärker zu gewichten, seien auch makroökonomische Trends und die Rolle von Regierungen und Zentralbanken eingeflossen, hiess es in der Mitteilung.
Druck aus der Politik
Mit der Überprüfung der Bewertungskriterien bemüht sich die Agentur, ihren Ruf zu verbessern, der wegen falschen Bewertungen von Finanzprodukten gelitten hatte. S&P und die Rivalen Moody's und Fitch hatten sich vorhalten lassen müssen, dass sie zu gut benotet hätten. Trotz Spitzennoten musste der Staat rettend ins Finanzsystem eingreifen und neben der UBS so manche Bank vor dem Kollaps retten. Seitdem drängen insbesondere europäische Politiker darauf, dass die Ratingagenturen ihre Kriterien überarbeiten und transparent machen. (ank/luek, sda/Reuters/dpa)
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