Transocean rechnet mit Klagewelle
Nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko sind bereits verschiedene Klagen von US-Bundesbezirksgerichten gegen das im Kanton Zug ansässige Ölbohrunternehmen Transocean eingegangen. Das Unternehmen macht keine Prognose zu den Erfolgschancen.
Ausfall von mindestens 590 Millionen Dollar
Die Ölplattform vor der Südküste der USA hat einer der schlimmsten Naturkatastrophen der jüngeren Zeit verursacht: Am 20. April brach auf der «Deepwater Horizon» nach einer Explosion ein Feuer aus, zwei Tag später versank die Anlage im Meer. Seither strömen Tag für Tag hunderttausende von Litern Öl ins Meer. Auf der Bohrinsel kamen bis zu elf Menschen ums Leben.
Transocean hatte die Anlage an den Ölkonzern British Petroleum (BP) geleast, in dessen Auftrag die Ölbohrung dann erfolgte. Dieser Vertrag sei aufgrund des Vorfalls automatisch aufgelöst worden und hätte noch einen Auftragswert von rund 590 Millionen Dollar gehabt. Für diesen Einnahmenausfall ist Transocean nicht versichert.
BP in Verantwortung
Die Naturkatastrophe hat offenbar vor allem rechtliche Konsequenzen für BP: Im Vertrag mit Transocean hat BP die Verantwortung für die Verschmutzungen übernommen, welche aus dem Betrieb einer Plattform resultieren kann.
BP erklärte bereits, dass es für den entstandenen Schaden einstehen werde. Das muss der Konzern auch: Im Vertrag mit Transocean hat BP die Verantwortung für mögliche Verschmutzungen übernommen, welche aus dem Betrieb einer Plattform resultieren können.
Transocean haftbar für Todesfälle
Möglicherweise steht aber auch Transocean in der Pflicht: Wie es im Vertragswerk heisst, ist das Unternehmen haftbar für Verletzungen oder Todesfälle bei der Belegschaft sowie unter anderem für Schäden an der Plattform und deren Ausrüstung.
BP will auf jeden Fall nicht alleine als Sündenbock dastehen: «Die Plattform gehörte Transocean und wurde von ihnen betrieben», hatte BP-Chef Tony Hayward am Montag gegenüber dem TV-Sender NBC gesagt. «Es ist ihre Ausrüstung, die kaputtgegangen ist.»
Versicherungsgelder fliessen
Für seine gesunkene Ölplattform hat Transocean bereits Geld von den Versicherungen erhalten. Die Bohrinsel «Deepwater Horizon» war für rund 560 Millionen Dollar versichert. Anfang Mai hat das Unternehmen von den Versicherungen eine Teilzahlung von 401 Millionen Dollar erhalten, wie aus dem Quartalsbericht hervorgeht.
Transocean rechnet mit weitreichenden Konsequenzen aus der Katastrophe: Der Vorfall könnte neben Imageschäden zu höheren Versicherungsprämien führen. Zudem drohen der Ölbohr-Industrie künftig strengere Gesetzesvorschriften, was wiederum die üppig sprudelnden Einnahmen schmälern würde.
Umsatz und Gewinn gehen zurück
Für das erste Quartal 2010 weist Transocean einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar aus, eine halbe Milliarde weniger als im Jahr zuvor. Unter dem Strich verdiente Transocean 685 Millionen Dollar - nach 939 Millionen Dollar in den ersten drei Monaten von 2009.
Erst 2008 hatte das Unternehmen seinen Sitz aus steuerlichen Gründen von den Vereinigten Staaten in den Kanton Zug verlegt und ist seit April an der Schweizer Börse notiert. Die Aktien des Tiefsee-Ölbohrkonzerns werden zudem weiterhin an der New Yorker Börse gehandelt. Transocean ist nach eigenen Angaben weltweit führend bei Offshore-Bohrungen vor den Küsten. (haem, dpa)
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