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Montag, 7.6.2010

Neue Lohnerhöhung bei Foxconn

Der weltweit grösste Elektronikhersteller Foxconn will die Löhne im chinesischen Shenzhen um weitere 70 Prozent anheben. Dies ist eine Reaktion auf die Selbstmordserie von Angestellten.

Das taiwanesische Elektronik-Imperium Foxconn will mit positiven Nachrichten Schlagzeilen machen und bezahlt seinen Beschäftigten ab 1. Oktober 70 Prozent mehr Lohn. In den letzten Monaten hatte das Unternehmen in der chinesischen Millionenstadt Shenzhen vor allem durch Selbstmorde seiner Angestellten international zu reden gegeben.

Der Monatslohn steige von 1200 auf 2000 Yuan, dies entspricht rund 340 Franken, teilte Foxconn mit. Um den Image-Schaden zu begrenzen hat Foxconn bereits letzte Woche die Grundlöhne um dreissig Prozent angehoben.

Überstunden in Zukunft «freiwillige Entscheidung»
Gleichzeitig mit der Lohnerhöhung sinke die Zahl der Überstunden, die für viele Beschäftigte bislang notwendig gewesen seien.

Die Arbeiter, sollten dadurch dazu gebracht werden, weniger Überstunden zu leisten und wenigstens einen ganzen Tag pro Woche frei zu nehmen heisst es aus dem Management. Ab Oktober seien Überstunden für viele «eine freiwillige Entscheidung».

Zehn Selbstmorde sein Anfang Jahr
Im Werk des Elektronikherstellers, der unter anderem für Apple, Nokia, Hewlett-Packard oder Dell produziert, nahmen sich seit Anfang Jahr zehn Beschäftigte das Leben. Die Selbstmörder waren alles Wanderarbeiter, die aus Bauerndörfern stammen und die unter dem Fabrikstress depressiv geworden waren.

Arbeitsrechtsorganisationen machten den hohen Druck bei gleichzeitig schlechter Bezahlung dafür verantwortlich.

Kinos und Hallenbäder trüben den Schein
Bei Foxconn in Shenzhen arbeiten rund 300'000 Angestellte. Die Unternehmensleitung reagiert auf das Kernproblem der Arbeiter, die vor Stress in Depressionen versinken. Die Arbeitssituation in Shenzhen ist vordergründig feudal, hier müsse niemand schwitzen betonten die Foxconn Manager immer wieder.

Bei Foxconn schuften die Arbeiter tatsächlich nicht in stickig-heissen Hallen bei dröhnendem Lärm an gefährlichen Maschinen. Stattdessen sind es hochmoderne Produktionshallen mit vollklimatisierten und äusserst sauberen Räumen, in denen sie aus vorgefertigten Teilen iPhones, Laptops und MP3-Player zusammenstecken, die Qualität kontrollieren und die Geräte verpacken.

Das Firmengelände in Shenzhen ähnelt einer Stadt. Es gibt Restaurants, Supermärkte, Kinos, Buchläden und ein riesiges Schwimmbad mit Gratis-Eintritt.

Das Problem ist nur, dass die Arbeiter bisher kaum Gelegenheit hatten, diese Angebote zu nutzen. Denn um trotz des tiefen Grundlohns finanziell auf einen grünen Zweig zu kommen, waren sie praktisch zu Überstunden gezwungen.

Westliche Firmen drohen mit Untersuchungen
Die westlichen Kunden von Foxconn hatten angesichts der Selbstmord-Serie eigene Untersuchungen der Arbeitsbedingungen angekündigt. Die ab Oktober versprochene weitere Lohnerhöhung in Shenzhen solle die «Würde» der Angestellten sicherstellen, sagte Foxconn-Gründer Terry Gou. Als weltweit führender Elektronikhersteller erkenne das Unternehmen seine Verantwortung an und nehme diese ernst.

«Wir arbeiten unablässig daran, die Arbeitsbedingungen und Entlöhnung nicht nur den sich ständig ändernden Bedürfnissen unserer Angestellten anzupassen, sondern auch, dabei die Besten zu sein», sagte Gou.

Foxconn macht auf Schadensbegrenzung
Mit den Lohnerhöhungen versucht sich Foxconn nun als grosszügiger und sozialer Arbeitgeber zu profilieren, vermutlich nicht zuletzt unter Druck der Auftraggeber wie Apple, die um ihr Image fürchten.

Trotzdem lässt das Vorgehen zumindest die Frage offen, wie es möglich ist, dass ein Unternehmen mehreren hunderttausend Arbeitern in kürzester Zeit den Lohn mehr als verdoppeln kann.

Vielleicht schlägt sich die Lohnerhöhung auf Laptop-Preise nieder
Hat Foxconn zuvor an der billigen Arbeitskraft so unanständig viel Geld verdient, dass die Firma nun auch nach dem starken Anstieg der Lohnkosten profitabel bleibt? Oder müssen die Auftraggeber wie Apple, Sony oder Hewlett Packard einen Teil des Kostenanstiegs übernehmen, um ihn dann an die Konsumenten zu überwälzen?

Darauf wird frühestens in ein paar Monaten die Preisentwicklung der iPods und iPads und Laptop-Computer eine Antwort geben. (rend, moru, sda/afp)

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Foxconn betreibt Image-Korrektur und verdoppelt die Löhne. (Urs Morf, 7.6.2010)
Hören (2:57)

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