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(keystone)

Chronik einer beispiellosen Krise

Rund um den Globus atmen Konsumenten, Politiker, Unternehmer und Banker auf: Das Schlimmste scheint überstanden. Was waren die einschneidenden Ereignisse dieser Finanzkrise, die zeitweise sogar Staaten an den Rand des Bankrotts brachte? Wie reagierten Konzernchefs, Notenbanker und Regierungen? Wichtige Etappen zum Nachlesen.
2.4.2007

In den USA muss der angeschlagene Hypothekenfinanzierer New Century Financial Insolvenz anmelden. Die Bank ist spezialisiert auf das Geschäft mit Risikokrediten und hat damit viel Geld verdient. Nun können aber viele Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen, die Bank ist pleite. 3200 Mitarbeiter, gut die Hälfte der Belegschaft, verlieren ihren Job.

Sommer 2007

In den folgenden Wochen geht es Schlag auf Schlag: Immer mehr Hypothekenfinanzierer geraten in Not: Die Bank First Magnus stellt ihre Geschäfte ein. Die grösste US-Immobilienbank Countrywide Financial muss 11,5 Milliarden Dollar aufnehmen, um weitere Kredite finanzieren zu können.

In Deutschland geraten mehrere Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in den Sog der Krise, etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB und die BayernLB. Praktisch alle Banken sind öffentlich-rechtliche Institute. Privatbanken sind vorerst nicht involviert.

14.9.2007

Auch in Grossbritannien macht sich die Bankenkrise bemerkbar. Nachdem besorgte Kunden die Schalter der britischen Bank Northern Rock stürmen, übernehmen der Staat und die Bank von England eine Garantie für die Einlagen. Northern Rock wird verstaatlicht.

30.10.2007

Nachdem Merrill Lynch, eine der fünf grossen US-Investmentbanken, rund acht Milliarden Dollar abschreiben muss, tritt CEO Stanley O'Neal zurück. Der Abschied wird ihm versüsst: Er erhält rund 160 Millionen Dollar.

Die Schweizer Grossbank UBS muss wegen der US-Hypothekenkrise für das dritte Quartal 2007 einen Verlust von 726 Millionen Franken verbuchen.

8.2.2008

In den USA billigt der Kongress ein Konjunkturprogramm im Umfang von 150 Milliarden Dollar. Es soll die schwächelnde Wirtschaft beleben.

14.2.2008

Die Schweizer Grossbank UBS muss für das ganze Jahr 2007 den ersten Verlust ihrer zehnjährigen Geschichte hinnehmen: 4,4 Milliarden Franken fehlen unter dem Strich. Insgesamt musste die Bank wegen der Hypothekenkrise in den USA bislang rund 21 Milliarden Franken abschreiben.

17.3.2008

In einer beispiellosen Aktion retten die Notenbank und Privatunternehmen in den USA die traditionsreiche Investmentbank Bear Stearns vor der Insolvenz. Das fünftgrösste Bankhaus der USA verliert aber seine Eigenständigkeit. Bear Stearns wird von der Konkurrentin JP Morgan Chase übernommen.

1.4.2008

Auch die UBS bekommt die Folgen der Kreditkrise in den USA zu spüren. Die Schweizer Grossbank gibt bekannt, sie habe rund 40 Milliarden Franken in den Sand gesetzt. Der Verlust für das erste Quartal 2008 beträgt 12 Milliarden, die Abschreiber werden mit 19 Milliarden Franken beziffert. UBS-Chef Marcel Ospel kündigt seinen Rücktritt an.

11.7.2008

In den USA kommt es zum zweitgrössten Banken-Crash in der Geschichte des Landes: Die kalifornische Hypothekenbank IndyMac bricht zusammen.

12.8.2008

Die UBS meldet für das zweite Quartal einen Verlust von 358 Millionen Franken, trotz einer Steuergutschrift in Höhe von 4 Milliarden. Erneut müssen 5 Milliarden Franken aus den Verlustgeschäften in den USA abgeschrieben werden. In der Vermögensverwaltung sind 17 Milliarden Franken Kundengelder abgezogen worden.

7.9.2008

Die angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac - die wichtigsten Stützen des Hypothekenmarktes - werden unter staatliche Führung gestellt. Damit will die Regierung verhindern, dass die Immobilienkrise noch dramatischere Formen annimmt.

15.9.2008

Ein Bankrott erschüttert die globale Finanzwelt: Nach vergeblichen Rettungsversuchen ist die 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers, die viertgrösste Investmentbank der USA, zahlungsunfähig. Entgegen ihrer bisherigen Too-big-too-fail-Logik lässt die US-Regierung Lehman fallen. Innerhalb weniger Tage stehen rund 25'000 Mitarbeiter auf der Strasse. Weltweit verlieren Hunderttausende Kleinanleger ihr Erspartes - vielen war gar nicht bewusst, dass sich in ihren Aktiendepots Lehman-Papiere befinden.

Die Nummer drei der Branche, Merrill Lynch, wird von der Bank of America aufgekauft. An der Wall Street gibt es mit Goldman Sachs und Morgan Stanley damit nur noch zwei unabhängige Investmentbanken statt fünf wie noch vor einem halben Jahr.

17.9.2008

Die US-Notenbank rettet den ums Überleben kämpfenden Versicherungskonzern AIG mit einem Kredit von 85 Milliarden Dollar. Im Gegenzug wird der Konzern quasi verstaatlicht. Die Regierung will einen Anteil von 79,9 Prozent an AIG übernehmen.

18.9.2008

Die Schweizerische Nationalbank bezeichnet die Lage an den Finanzmärkten als «besorgniserregend». Sie lässt den Leitzins zwar unverändert, greift aber zusammen mit anderen wichtigen Notenbanken zur Geldspritze. In einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion pumpen die wichtigsten Zentralbanken der Welt 180 Milliarden Dollar in die Geldmärkte.

22.9.2008

Die letzten beiden Investment-Banken an der Wall Street verschwinden. Goldman Sachs und Morgan Stanley geben ihren Sonderstatus auf, um fortan als gewöhnliche Geschäftsbanken zu arbeiten und so Zugriff auf die Geldtöpfe der Notenbank Fed zu erhalten. Investment-Banken galten Jahrzehnte lang als Herz der Wall Street. Im Gegensatz zu Universalbanken machten sie ausschliesslich Geschäfte mit Wertpapieren. Da sie weniger stark reguliert waren, konnten sie grössere Risiken eingehen.

23.9.2008

Ein von der US-Regierung geplantes Rettungspaket für die taumelnden Banken stösst auf Skepsis im US-Senat. Notenbankpräsident Ben Bernanke warnt daraufhin ungewohnt drastisch vor wirtschaftlichen Folgen, falls das 700-Milliarden-Dollar-Paket nicht rasch beschlossen würde.

Die US-Bundespolizei FBI nimmt Ermittlungen gegen die Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac sowie gegen Lehman Brothers und die Versicherungsgruppe AIG auf.

26.9.2008

Die einst führende US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen. Sie wird in einem Notverkauf zu weiten Teilen vom US-Finanzkonzern JP Morgan Chase übernommen.

29.9.2008

Die Finanzkrise ist definitiv in Europa angekommen. Gleich bei mehreren Finanzhäusern sind milliardenschwere Rettungsaktionen nötig: In Grossbritannien wird die Hypothekenbank Bradford & Bingley verstaatlicht. Die Regierung übernimmt faule Kredite in der Höhe von 63 Milliarden Euro. Die Regierungen der Benelux-Staaten retten den angeschlagenen niederländisch-belgischen Finanzkonzern Fortis mit 11,2 Milliarden Euro und übernehmen 49 Prozent am Unternehmen. In Island wird die stark angeschlagene drittgrösste Bank Glitnir mehrheitlich verstaatlicht. In Dänemark erhält die ins Schlingern geratenen Roskilde Bank Überlebenshilfe von drei skandinavischen Konkurrenten.

In den USA lehnt das Repräsentantenhaus völlig überraschend den 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan zur Stabilisierung des Finanzmarktes ab. Die viertgrösste US-Bank Wachovia wird von der Grossbank Citigroup übernommen.

30.9.2008

Die US-Regierung startet einen neuen Anlauf, doch noch ein Rettungspaket zu Stande zu bringen.

In Europa spricht Irland eine umfassende Staatsgarantie für Bankguthaben aus. Belgien, Frankreich und Luxemburg gewähren der Dexia-Bank eine Finanzspritze in Milliardenhöhe.

2.10.2008

Nach einem dramatischen Tauziehen ist der 700 Milliarden Dollar schwere US-Rettungsplan für den amerikanischen Finanzsektor unter Dach und Fach. Nach dem Senat stimmt im zweiten Anlauf auch das Abgeordnetenhaus dem Paket zu. Kurz nach Annahme des Wall-Street-Rettungspakets unterschreibt Präsident George W. Bush das Gesetz. Der Staat soll den Banken wertlos gewordene Hypotheken abkaufen und den privaten Anlegern ihre Bankeneinlagen sichern. Ausserdem soll das Paket Steuererleichterungen bringen.

5.10.2008

Die deutsche Regierung und Vertreter der Finanzbranche einigen sich auf ein Rettungspaket für den angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Das Paket umfasst 50 Milliarden Euro.

Deutschland und Österreich kündigen eine Garantie für private Spareinlagen an: Damit bekommen Sparer ihre Guthaben vom Staat ausbezahlt, wenn ihre Bank Konkurs geht.

6.10.2008

Auch in der Schweiz bemühen sich Politiker, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Finanzinstitutionen zu wahren. Der Bundesrat kündigt an, falls notwendig, weitere Massnahmen zur Stabilisierung des Schweizer Finanzsystems zu ergreifen. Die Regierung werde alles dran setzen, die Einlagen von Bankkunden zu schützen, sagt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in der «Tagesschau».

7.10.2008

Islands Regierung kündigt an, die Banken des Landes unter staatliche Kontrolle zu stellen. Ministerpräsident Geir Haarde spricht beim Erlass der Eilgesetze von der «reellen Gefahr» eines Staatsbankrotts. Ausführlich: Was ist ein Staatsbankrott?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert die drohenden Verluste der Krise auf schwindelerregende 1,4 Billionen Dollar. Aus Sicht des IWF ist der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht.

Die EU-Finanzminister einigen sich auf ein gemeinsames Vorgehen in der Finanzkrise. Sie wollen Pleiten von grossen Banken unbedingt verhindern. Es geht um «systemrelevante» Geldhäuser - also solche, deren Zusammenbruch den gesamten Finanzmarkt in Gefahr bringen kann. Die Mindestsätze der nationalen Einlagensicherungen sollen von bisher 20'000 Euro auf 50'000 Euro steigen.

8.10.2008

Sieben Zentralbanken senken in einer gemeinsamen Aktion ihre Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank sowie die Notenbanken Grossbritanniens, Chinas, Schwedens, der Schweiz und Kanadas senken die wichtigsten Zinsen um bis zu einen Prozentpunkt.

Die britische Regierung kündigt einen milliardenschweren Aktionsplan für das angeschlagene Finanzsystem an. Sie will die acht grössten britischen Banken mit bis zu 100 Milliarden Franken unterstützen. Zudem kündigt die Regierung an, weitere 200 Milliarden Pfund an Krediten in den ausgetrockneten Markt zu pumpen.

9.10.2008

In Europa greifen immer mehr Staaten ein: Die isländischen Behörden verstaatlichen auch die grösste Bank des Landes, Kaupthing. Italiens Regierung gibt eine milliardenschwere Staatsgarantie für Sparguthaben ab.

In der Schweiz erklären Bundespräsident Pascal Couchepin und Wirtschaftsministerin Doris Leuthard, der Bundesrat werde alles zur Sicherung der Grossbanken tun. Es existierten für alle denkbaren Situationen Notfallpläne.

In den USA erhält der Versicherungsgigant AIG erneut Geld von der US-Notenbank: Sie stellt dem Unternehmen fast 40 Milliarden Dollar zur Verfügung. AIG hat bereits 85 Milliarden erhalten.

10.10.2008

Weltweit sorgen die Ereignisse für ein Beben an den Börsen: In Japan etwa sorgt eine panikartige Flucht ausländischer Anleger für
den grössten Tagesverlust seit Oktober 1987. In der Schweiz verliert der Swiss Market Index fast acht Prozent, so viel wie seit vier Jahren nie mehr. In Deutschland büsst der DAX in einer Woche mehr als einen Viertel seines Werts ein. In Österreich wird der Handel an der Wiener Börse wegen Massenverkäufen vorübergehend gestoppt. Die erhoffte Beruhigung bleibt nach der Wiedereröffnung aus. In Russland, Rumänien, Thailand und Brasilien wird der Handel eingestellt.

Immer mehr Staaten verabschieden Rettungspakete: So will die Regierung in Russland die Banken mit 100 Milliarden Franken stützen, die niederländische Regierung kündigt ein 20-Milliarden-Paket an. Deutschland schliesst einen Einstieg des Staates bei angeschlagenen Banken nicht mehr aus. Die USA erwägen angeblich eine weitreichende Garantie für Bankschulden und Bankeinlagen.

12.10.2008

Die sieben wichtigsten Industriestaaten G-7 verabschieden ein Fünf-Punkte-Programm. Oberste Ziele: Bankenpleiten sollen verhindert, Spareinlagen gesichert werden.

Portugal will seinen Banken mit 20 Milliarden Euro unter die Arme greifen, Australien und Neuseeland garantieren die Spareinlagen.

13.10.2008

In einer beispiellosen Rettungsaktion stellen europäische Regierungen etwa eine Billion Euro für die angeschlagene Finanzbranche zur Verfügung. Deutschland beschliesst mit bis zu 500 Milliarden Euro das grösste Rettungspaket, Frankreich plant Hilfen von bis zu 360 Milliarden Euro, in Spanien und Österreich sind es jeweils bis zu 100 Milliarden Euro. Die Börsen reagieren euphorisch. In Asien, Europa und den USA stehen die Indizes deutlich im Plus - teilweise schliessen sie mit den grössten Tagesgewinnen aller Zeiten.

An den Schweizer Pensionskassen geht die Finanzkrise nicht spurlos vorbei. Gemäss einer Umfrage verlieren sie in diesem Jahr 6 Prozent. Der Deckungsgrad fiel bis Ende Juni auf durchschnittlich 104 Prozent. Beim AHV-Fonds laufen bis Ende September Buchverluste von 2,5 Milliarden Franken auf. Dank eines Polsters aus besseren Tagen bleibt die Kasse aber in den schwarzen Zahlen.

Nach Island ist nun auch Ungarn wegen der Finanzkrise in existentielle Schwierigkeiten geraten. Die EU und der Internationale Währungsfonds wollen das Land unterstützen.

14.10.2008

Die US-Regierung will sich mit 250 Milliarden Dollar an den neun grössten Banken des Landes beteiligen und diese so vor dem Zusammenbruch bewahren.

Island droht der Staatsbankrott. Angesichts der dramatischen Lage kündigt Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen eine finanzielle Hilfsaktion nordeuropäischer Länder an.

Australien wappnet sich mit einem Milliardenprogramm gegen die Folgen der Finanzkrise. Dafür will die sozialdemokratische Regierung umgerechnet 8 Milliarden Franken ausgeben. Geplant sind höhere Renten und Sozialleistungen für Familien, Erleichterungen beim Hauskauf sowie ein staatliches Bauprogramm.

Auch in Japan will die Regierung die Banken stützen. Geplant sind direkte Finanzspritzen für betroffene Institute. Um welche Summen es dabei geht, ist nicht bekannt.

16.10.2008

Nach den Rettungspaketen in den USA und der EU und nach einigem Zögern schnürt auch die Schweiz ein milliardenschweres Paket für den Finanzplatz. Wichtigster Teil sind die Hilfsmassnahmen für die Grossbank UBS.

Bund und Nationalbank setzen dabei in zwei Punkten an: Erstens finanziert der Bund eine weitere Kapitalerhöhung der UBS in der Höhe von 6 Milliarden Franken durch die Zeichnung einer Pflichtwandelanleihe. Zweitens sorgt die Nationalbank mit einem Darlehen in der Höhe von maximal 60 Milliarden Franken dafür, dass die UBS ihre durch die Finanzkrise illiquid gewordenen Wertpapiere und andere Problemengagements von bis zu 60 Milliarden Dollar in eine Zweckgesellschaft auslagern kann.
Ausführlich: Das Hilfspaket des Bundes

17.10.2008

In Deutschland stimmen beide Kammern des Parlaments dem Rettungsprogramm zu. Mit fast 500 Milliarden Euro sollen Banken gestützt und der Geldverkehr gesichert werden. Finanziert wird das Paket zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von den Bundesländern.

Der Vorstand der Deutschen Bank verzichtet auf alle Bonus-Zahlungen für dieses Jahr. Auch der Verwaltungsrat schliesst sich dem Vorstoss von Bankchef Josef Ackermann an.

Die Basler Konjunktur-Forschungsstelle (Bak) stuft ihre Prognose für das kommende Jahr deutlich herunter. Für 2009 geht sie nun von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus.

18.10.2008

Angesichts des staatlichen Rettungspakets für die UBS geraten die Boni für die Manager in die Kritik. Schweizer Politiker fordern gesetzliche Regeln. UBS-Präsident Peter Kurer zeigt überraschend Verständnis für die Empörung und bezeichnet die Millionen-Boni als «stossend».

Die sechs Wall-Street-Banken, die vom US-Rettungsplan profitieren, halten laut einem Zeitungsbericht 70 Milliarden Dollar für Zahlungen an ihre Mitarbeiter bereit. Ein grosser Teil davon dürfte in Form von Boni an Top-Banker fliessen.

Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers weiten die Justizbehörden ihre Untersuchungen aus. Sie prüfen, ob die Manager noch kurz vor dem Zusammenbruch öffentlich falsche Angaben zum Zustand der Bank machten und Investoren so in die Irre führten.

19.10.2008

US-Präsident George W. Bush, EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wollen ein internationales Gipfeltreffen zur Finanzkrise veranstalten. Der erste Gipfel soll kurz nach den US-Wahlen vom 4. November stattfinden. Neben den Industrieländern sollen auch aufstrebende Länder wie China und Indien teilnehmen.

Auch Südkorea kündigt ein Programm gegen die Finanzkrise an. Es setzt 130 Milliarden Dollar ein, davon 100 Milliarden in Form von Bürgschaften.

20.10.2008

In Deutschland setzt die Regierung das vom Parlament verabschiedete 500 Milliarden Euro schwere Rettungspaket um. In einer Verordnung erlässt sie strenge Auflagen für alle Banken, die Geld aus dem so genannten Sonderfonds Finanzmarktstabilität (Soffin) erhalten wollen. Die wohl bemerkenswerteste Vorgabe: Die Banken müssen die Gehälter ihrer Manager auf 500'000 Euro pro Jahr begrenzen. Ausserdem wird den Instituten vorgeschrieben, keine Bonifikationen und freiwilligen Abfindungen an Manager zu zahlen, solange staatliche Hilfe fliesst. Auch Dividenden an Aktionäre dürfen in dieser Zeit nicht ausgeschüttet werden.

Auch in Schweden kündigt die Regierung ein Rettungspaket für die Finanzbranche an. Die umgerechnet rund 230 Milliarden Franken sollen vor allem das Vertrauen zwischen den Banken wieder herstellen und dafür sorgen, dass sie sich untereinander wieder Geld leihen. Wie in anderen Staaten stehen zusätzlich auch in Schweden staatliche Gelder zur Verfügung, um angeschlagene Banken vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

22.10.2008

Die Angst vor einer Rezession lässt die Aktienkurse weltweit purzeln: In New York schliesst der Dow Jones auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. In Brasilien und in Argentinien büssen die Leitindizes zweistellig ein. In São Paulo werden am Ende des Handelstages minus 10 Prozent registriert, in Buenos Aires knapp 11 Prozent.

23.10.2008

Die Credit Suisse verbucht im dritten Quartal des Jahres einen herben Verlust: 1,26 Milliarden Franken. Beinahe der gleiche Betrag hatte im Vorjahresquartal noch auf der Plus-Seite gestanden. Grund für den Absturz sind Verluste im Investment Banking.

29.10.2008

Die Schweizerische Nationalbank SNB kündigt an, den Geldmarkt «sehr grosszügig und längerfristig mit Liquidität» versorgen zu wollen.

Die US-Notenbank (Fed) senkt den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent - den niedrigsten Stand seit Mitte 2004.

Ungarn erhält vom IWF 15,7 Milliarden Dollar Finanzhilfe, um seine Wirtschaft zu stärken. Weitere 6,5 Milliarden Euro kommen von der EU.

In Deutschland beantragt die angeschlagene deutsche Bank Hypo Real Estate 15 Milliarden Euro Liquiditätsgarantie des Staates.

31.10.2008

Erstmals seit sieben Jahren senkt die japanische Notenbank die Zinsen, um die Wirtschaft in der Finanzkrise zu entlasten. Der Leitzins sinkt von 0,5 auf noch 0,3 Prozent.

In den USA gerät American Express, der Millionen Verbraucher mit Kreditkarten ausgestattet hat, immer mehr in Bedrängnis. Weil viele Amerikaner ihre Kreditkartenschulden nicht mehr zurückzahlen können, ist das Unternehmen mit immer mehr Zahlungsausfällen belastet. American Express streicht 7000 Arbeitsplätze.

1.11.2008

In den USA geht im Zuge der Finanzkrise die 17. Bank konkurs. Es ist dies die Freedom Bank in Florida.

4.11.2008

Österreich verstaatlicht erstmals eine durch die Finanzkrise in Bedrängnis geratene Bank und rettet sie vor dem Zusammenbruch. Der Staat übernimmt für symbolische zwei Euro 99,8 Prozent an Österreichs achtgrösster Bank Kommunalkredit.

Die UBS erzielt im dritten Quartal einen Gewinn von 296 Millionen Franken. Vor einem Jahr hatte sie noch einen Verlust von 858 Millionen Franken hinnehmen müssen.

5.11.2008

Um die Schweizer besser vor den Folgen der Finanzkrise zu schützen, will der Bundesrat die Garantie für Bankersparnisse von 30' 000 auf 100'000 Franken erhöhen. Das soll bereits ab Dezember gelten. Der Bundesrat beschliesst ausserdem, dass die Schweizer Banken ihre Eigenmittel verstärken müssen. Künftig dürfen sie sich nicht mehr als 4 Prozent verschulden.

In Deutschland beschliesst die Regierung ein 12 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket. Damit soll der Wirtschaftsaufschwung abgefedert werden.

6.11.2008

Als Mittel gegen eine weltweite Wirtschaftskrise senken mehrere Länder erneut die Leitzinsen. Auch die Schweizerische Nationalbank ist darunter, der wichtigste Zins sinkt um einen halben Punkt auf zwei Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch alle Industriestaaten in eine Rezession rutschen werden.

10.11.2008

Auch in China stützt die Regierung die Konjunktur - mit einem 700 Milliarden Franken schweren Konjunkturprogramm. Das Geld soll die chinesische Infrastruktur und das Sozialsystem stützen.

11.11.2008

Der Kreditkartenkonzern American Express wird eine Bank - und hofft, auf diese Weise leichter an frisches Geld zu kommen. Nur mit einer entsprechenden Bankenzulassung hat der Konzern die Möglichkeit, vom 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der US-Regierung zu profitieren.

12.11.2008

Der Bundesrat gibt ein Konjunkturprogramm für die Schweiz bekannt. Das Programm soll einen Umfang von bis zu 1,5 Milliarden Franken haben, ohne aber neue Schulden machen zu müssen. 550 Millionen Franken dafür kommen aus der nun aufgelösten Arbeitsbeschaffungsreserve.
Ausführlich: Das Konjunkturprogramm des Bundes

In den USA kündigt Finanzminister Henry Paulson eine Neuausrichtung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets für die Finanzmärkte an: Die Regierung wolle die Märkte für die Kreditvergabe unterstützen, die dringend auf Hilfe angewiesen seien. Dagegen solle der Plan aufgegeben werden, den Banken faule Kredite abzukaufen.

13.11.2008

Noch eine düstere Prognose für die Weltwirtschaft: Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht davon aus, dass die Finanzkrise im kommenden Jahr voll auf die Konjunktur durchschlägt. Viele Industriestaaten rutschen demnach im nächsten Jahr in eine Rezession.

In Deutschland ist es bereits so weit. Im dritten Quartal schrumpft die Wirtschaftsleistung zum zweiten Mal in Folge. Nach gängiger Definition gilt dies als Rezession.

14.11.2008

Die Wirtschaft in der Eurozone rutscht erstmals in die Rezession ab. Die Wirtschaftsleistung der 15 Länder der Eurozone schrumpfte im dritten Quartal zusammengenommen um 0,2 Prozent. Weil das BIP der der Eurozone bereits im vorhergehenden Quartal um 0,2 Prozent gefallen ist, sprechen Fachleute nun von einer Rezession.

15.11.2008

Der Weltfinanzgipfel in Washington gibt mit einem umfassenden Aktionsplan den Startschuss für eine Neuordnung der globalen Finanzmärkte. Die G-20, die führenden Industrie- und Schwellenländer, beschliessen einen knapp 50 Punkte umfassenden Plan, mit dem eine Wiederholung der gegenwärtigen Finanzkrise verhindert werden soll. Im Kern laufen die Verabredungen von Washington darauf hinaus, alle Finanzmärkte, Produkte und Akteure zu regulieren oder zu überwachen. Auch die Ratingagenturen sollen beaufsichtigt werden.

16.11.2008

Italien will seine Wirtschaft mit einem Konjunkturprogramm im Umfang von 80 Milliarden Euro stützen. Das geplante Hilfspaket ist auf mehrere Jahre angelegt und stützt sich zur Hälfte auf Gelder der EU.

17.11.2008

Nach wachsendem öffentlichen Druck ändert die Schweizer Grossbank UBS ihr Lohnsystem. Neben einem überarbeiteten Bonus - soll es künftig auch ein Malussystem geben. Kern des Vorhabens: Die Bank will Boni für einen Zeitraum von mehreren Jahren vergeben - und nur, wenn die UBS auch erfolgreich war.

Die Citigroup - eines der grössten Unternehmen der Welt - muss im Zuge der Finanzkrise erneut Stellen streichen. Noch einmal sollen rund 50'000 Arbeitsplätze wegfallen.

Die eidgenössische Bankenkommission EBK eröffnet den Konkurs über die Genfer Niederlassung der isländischen Kaupthing Bank. Nach Ansicht der EBK besteht bei der überschuldeten Bank keine Aussicht auf eine Sanierung.

19.11.2008

In den USA bitten die Chefs der drei grossen Autokonzerne Chrysler, Ford und General Motors im US-Senat erneut nachdrücklich um Staatshilfe in Höhe von 25 Milliarden Dollar. Ohne Überbrückungskredit drohe der Zusammenbruch der gesamten Branche, warnen die Autobauer.

Island soll von Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen einen Kredit in Höhe von 2 Milliarden Euro erhalten. Gemäss der isländischen Regierung braucht das Land bis zu 19 Milliarden Euro, um die Wirtschaft zu stützen.

20.11.2008

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) senkt den Leitzins um einen ganzen Prozentpunkt. Es ist dies die dritte Zinssenkung in sechs Wochen. Begründet wird die Senkung mit der zurückgehenden Inflationsrate und der sich verschlechternden Konjunktur auf dem Weltmarkt.

Die Börsen sind weltweit erneut auf Talfahrt: Der Dow Jones in den USA ist auf dem tiefsten Stand seit März 2003. Auch der SMI liegt zwischenzeitlich auf einem Fünf-Jahres-Tief.

Island, dessen Situation immer prekärer wird, erhält internationale Finanzhilfen über insgesamt 10,2 Milliarden Dollar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährt einen Kredit von über 2,1 Milliarden Dollar. Vier nordeuropäische Nachbarländer stellen 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung. Ausserdem wollen die Regierungen Grossbritanniens und der Niederlande Hilfen für die isländische Einlagensicherung bereitstellen.

In Frankreich legt Präsident Nicolas Sarkozy einen Investitionsfonds für die angeschlagene Industrie auf. Volumen: 20 Milliarden Euro. Mit dem Geld sollen französische Unternehmen insbesondere vor ausländischen Übernahmen geschützt werden.

24.11.2008

Citigroup in Not: Die amerikanische Bank erhält eine weitere staatliche Finanzspritze von 20 Milliarden Dollar sowie eine Bürgschaft von bis zu 306 Milliarden Dollar für faule Kreditpapiere. Die Bank erhielt im Oktober bereits 25 Milliarden Dollar von der US-Regierung.

25.11.2008

Der frühere Präsident des UBS-Verwaltungsrats, Marcel Ospel, verzichtet auf mehr als zwanzig Millionen Franken. Mit ihm verzichten auch der Ex-Vizepräsident Stephan Haeringer und der ehemalige UBS-Finanz-Chef Marco Suter auf einen Teil ihres Lohnes.

Die US-Notenbank greift erneut in die Kredit-Krise ein. Sie kauft für 600 Milliarden Dollar problematische Immobilien-Kredite und Hypotheken von Banken und Investoren. Weitere 200 Milliarden Dollar sind vorgesehen, um den Markt für Kreditkarten-Darlehen, Auto-Kredite und Studenten-Kredite zu stützen.

Die US-Wirtschaft schrumpft stärker als angenommen. Das Bruttoinlandprodukt sinkt im dritten Quartal um 0,5 Prozent. Die privaten Konsumausgaben gingen im Sommer so stark zurück wie seit 28 Jahren nicht mehr.

1.12.2008

In Grossbritannien ist die London Scottish Bank LSB pleite. Der Staat will für die Einlagen der Privatkunden gerade stehen.

Auch in Deutschland reissen die schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche nicht ab: Die bayrische Landesbank Bayern LB braucht erneut eine Finanzspritze des Staates. Der Freistaat Bayern eilt ihr mit 10 Milliarden Euro frischem Kapital zu Hilfe.

2.12.2008

Die drei grossen US-Autobauer GM, Ford und Chrysler fragen bei der US-Regierung dringend um 34 Milliarden Dollar nach, ohne die sie bald pleite gehen würden.

4.12.2008

Gleich mehrere schlechte Nachrichten von der Credit Suisse: Die Schweizer Grossbank rechnet mit einem weiteren Milliardenverlust für das vierte Quartal. Allein bis Ende November stehen drei Milliarden Franken minus in den Büchern. Die Bank will bis Mitte 2009 5300 Stellen abbauen, davon rund 650 in der Schweiz. Betroffen ist vor allem das Investment Banking.

Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) und die Nationalbank (SNB) erlassen eine Verfügung, die von den Grossbanken UBS und Credit Suisse verlangt, künftig deutlich mehr Eigenmittel bereit zu halten und die Grenze für Verschuldungen zu respektieren.

Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz ist im dritten Quartal zum Erliegen gekommen. Für die ersten beiden Quartale 2009 rechnet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit einem negativen Wachstum und damit mit einer Rezession.

In Deutschland gibt das Parlament grünes Licht für das 12-Milliarden-Konjunkturprogramm der Regierung. In Frankreich kündigt Präsident Sarkozy ein Konjunkturprogramm im Umfang von 26 Milliarden Euro an. Forcieren will Sarkozy damit den Auto-Neukauf sowie die Bau-Industrie.

8.12.2008

Die australische Regierung beginnt mit der Auszahlung von mehreren Milliarden Dollar zur Stützung der Wirtschaft: Familien erhalten pro Kind umgerechnet rund 700 Franken, die vier Millionen Rentner sogar noch etwas mehr. Die Empfänger werden aufgefordert, das Geld nicht zu sparen, sondern auszugeben.

11.12.2008

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) senkt den Leitzins um weitere 0,5 Prozentpunkte. Das Zinszielband für den massgebenden Dreimonatslibor wird per sofort auf 0 bis 1 Prozent zurückgenommen. Zudem spricht die SNB erstmals von einer Rezession im nächsten Jahr. Die Wirtschaft in der Schweiz wird demnach 2009 um 0,5 bis 1 Prozent schrumpfen.

12.12.2008

Der amerikanische Senat lehnt das 14 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die US-Autoindustrie ab. Das demokratisch dominierte Repräsentantenhaus hatte das Paket zuvor gebilligt. Den grossen amerikanischen Autobauern droht nach deren eigenen Angaben der Konkurs.

Die Bank of America plant, fast jede zehnte Stelle zu streichen, insgesamt bis zu 35'000 Jobs.

17.12.2008
Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins auf einen historischen Tiefstand von einem auf 0 bis 0,25 Prozent. Damit können sich die US-Banken nun praktisch gratis Geld bei der Notenbank ausleihen. Die Fed hofft, dass die Banken nun wieder mehr und billigere Kredite an die Wirtschaft vergeben.
19.12.2008

Die von der Pleite bedrohten US-Autobauer erhalten von der Regierung kurzfristige Notkredite in der Höhe von 17,4 Milliarden Dollar. Das Geld stammt aus dem 700 Milliarden schweren Rettungspaket für die Finanzbranche.

21.12.2008

Die irische Regierung stützt die drei grössten Banken des Landes - Bank of Ireland, Allied Irish Banks und Anglo Irish Bank - mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Dafür erhält der Staat Anteile von bis zu 75 Prozent an den Finanzinstituten.

31.12.2008

An der Schweizer Börse endet das schlechteste Jahr seit 1974. Der Swiss Market Index (SMI), der die Entwicklung der zwanzig grössten und liquidesten Aktientitel der Schweiz widerspiegelt, büsste im Laufe des Jahres rund 34 Prozent ein. Zählte der Index Anfang Jahr noch 8421 Punkte, belief er sich am Ende des Jahres gerade noch auf 5534 Punkte.

Ähnlich fällt die Bilanz an anderen wichtigen Handelsplätzen aus: In den USA krachte der Dow Jones binnen Jahresfrist von 13365 Punkten auf um die 8600 Zähler ein. Der deutsche Leitindex Dax rutschte um 40 Prozent auf 4810 Zähler ab, in einer ähnlichen Dimension erwischt es auch den Nikkei. In China büsste die Börse so viel ein wie noch nie in ihrer 18-jährigen Geschichte. Den Negativrekord hält Russland: Dort gab der Leitindex bis zum Jahresende 72 Prozent nach.

16.1.2009

Die beiden grossen US-Banken Citigroup und Bank of America melden für das vierte Quartal 2008 Milliardenverluste. Bei der Bank of America fehlen 2 Milliarden, bei der Citigroup sogar 8. Die Bank of America bekommt weitere Milliardenhilfen von der US-Regierung. Der Staat schiesst 20 Milliarden Dollar in die Bank ein. Die Citigroup spaltet sich in zwei Teile und begräbt das Modell des Allfinanz-Konzerns.

Die irische Regierung will die Anglo Irish Bank komplett verstaatlichen. Durch die Übernahme stellt der Staat die Sicherheit von Einlagen in Höhe von 80 Milliarden Euro sicher.

19.01.2009

In Grossbritannien gibt die Regierung bekannt, mit einem zweiten Rettungspaket unter anderem die kriselnden Banken gegen die Risiken ihrer faulen Kredite zu versichern. Das Paket soll so das blockierte Kreditgeschäft wieder ankurbeln.

Gleichzeitig teilt die Royal Bank of Scotland mit, dass mit Abschreibungen auf den Unternehmenswert ein Verlust von bis zu 28 Milliarden Pfund für 2008 möglich sei. Der britische Staat erhöht seinen Anteil an der Bank auf 70 Prozent.

26.1.2009

Die isländische Regierung gibt ihren sofortigen Rücktritt bekannt. Zuvor war es auf der Strasse zu täglichen Protesten gegen die Regierung gekommen. Im Mai sollen vorgezogene Wahlen stattfinden.

Mehrere grosse US- und europäische Konzerne geben den Abbau von mehr als 60'000 Stellen bekannt. Darunter sind Caterpillar (-20'000 Stellen), Philips (-6000), Sprint Nextel (- 8000) oder Pfizer/Wyeth (-13'000).

Der IWF senkt seine Prognose für 2009 erneut. Er geht nur noch von einem weltweiten Wachstum von 0,5 Prozent aus. Noch im November hatte diese Schätzung bei 2,2 Prozent gelegen.

11.2.2009

Die vom Staat gestützte UBS gibt für das Krisenjahr 2008 einen in der Geschichte der Schweizer Wirtschaft beispiellosen Verlust von 20 Milliarden Franken bekannt. Kunden zogen 226 Milliarden Franken ab. Gleichwohl hält die Bank an Boni fest und streicht weitere Stellen. Sie erntet breite Kritik in der Bevölkerung und der Politik, aber auch Applaus an der Börse.

Der Bundesrat verabschiedet ein weiteres Konjunkturpaket. Mit 700 Milliarden Franken will er die Schweizer Wirtschaft stützen und löst damit eine heftige Kontroverse aus, weil der Bauwirtschaft am meisten Mittel zufliessen sollen. Sie blieb von der Rezession bisher verschont.

12.2.2009

Auch die zweite Schweizer Grossbank hat ein hartes Jahr hinter sich: Im Gesamtjahr 2008 verzeichnet die Credit Suisse einen Rekordverlust von 8,2 Milliarden Franken. Auf Staatshilfe will sie weiterhin verzichten, denn schon im Januar hat sie laut eigenen Angaben wieder in allen Bereichen gewinnbringend gewirtschaftet.

In den USA einigt sich der Kongress nach langem Hin und Her um das Konjunkturpaket auf einen Kompromiss: Die Wirtschaft soll mit 789 Milliarden Dollar gestützt werden. Die Regierung hatte 900 Milliarden Dollar dafür veranschlagt, der Senat 838 Milliarden und das Repräsentantenhaus 819 Milliarden.

17.2.2009

Die angeschlagenen US-Autoriesen General Motors (GM) und Chrysler legen ihre Sanierungspläne vor - sie waren eine Bedingung der Regierung für staatliche Hilfen. Beide Konzerne planen massive Einschnitte: GM will weltweit 47'000 Arbeitsplätze abbauen. Der Konzern meldet an, zusätzlich zu den bereits erhaltenen knapp 10 Milliarden US-Dollar weitere staatliche Kredite über rund 16 Milliarden Dollar zu benötigen. Auch Chrysler legt einen Sanierungsplan vor: Dort sollen weitere 3000 Stellen gestrichen werden. Chrysler beziffert den weiteren staatlichen Finanzierungsbedarf mit fünf Milliarden Dollar.

20.2.2009

Der schwedische Autobauer Saab - eine Tochter des angeschlagenen General-Motors-Konzerns - ist pleite. Das Unternehmen meldet Insolvenz an und will nach eigenen Angaben versuchen, die Marke als unabhängiges Unternehmen neu zu organisieren. Saab, das seit 1990 zu GM gehört, beschäftigt in Schweden rund 4000 Menschen. Der Staat hatte Finanzhilfen zuvor abgelehnt.

In Deutschland ist der Weg frei für das grösste Konjunkturpaket der Nachkriegsgeschichte. Nach dem Bundestag billigen auch die Länder - der Bundesrat - das 50 Milliarden Euro schwere Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft. Das Geld steht für Investitionen, Unternehmenshilfen und Steuer- und Abgabensenkungen bereit. Im Gegenzug steigt aber die Neuverschuldung des Staates auf Rekordwerte.

26.2.2009

Bei der UBS gibt es personelle Veränderungen auf der Topebene: Konzernchef Marcel Rohner tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Er wird durch Oswald Grübel, den früheren Chef der Credit Suisse, ersetzt.

Die Royal Bank of Scotland hat 2010 einen Verlust von umgerechnet 40 Milliarden Franken gemacht. Es ist der grösste Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte. Die Royal Bank of Scotland kündigt an, faule Wertpapiere im Umfang von 540 Milliarden Franken vom Staat versichern zu lassen. Der britische Staat hat im Laufe der Finanzkrise bereits die Mehrheit an der angeschlagenen Bank übernommen.

Die Abwärtsspirale bei General Motors dreht sich weiter: Das Unternehmen muss für das Jahr 2008 rund 31 Milliarden Dollar Verlust bekannt geben. Zusammen mit schon erhaltenen Hilfen fordert der US-Autobauer für seine Sanierung von der US-Regierung bis zu 30 Milliarden Dollar.

27.2.2009

Weniger stark betroffen von der Finanzkrise sind die Schweizer Kantonalbanken. Die Zürcher Kantonalbank etwa muss zwar einen Rückgang des Gewinns hinnehmen. Er lag 2008 bei 503 Millionen Franken und damit knapp 350 Millionen Franken unter dem des Vorjahres. Dafür erhielt die Bank gut 16 Milliarden Franken frisches Kapital.

Die USA spüren die Wirtschaftskrise weit mehr als bisher angenommen. Im vierten Quartal 2008 ist die Wirtschaft um 6,2 Prozent geschrumpft. So schlecht ging es der amerikanischen Wirtschaft zuletzt vor 25 Jahren.

Eines der grössten Geldinstitute des Landes, die angeschlagene Citigroup, braucht weitere Hilfen. Der Anteil des Staates soll auf bis zu 40 Prozent erhöht werden können. Citigroup hat bereits 45 Milliarden Dollar vom Staat erhalten. Schlechte Nachrichten hat auch die grösste Hypothekenbank Fannie Mae: Sie hat 2008 einen Verlust von insgesamt 58 Milliarden Dollar erlitten und braucht nun 15 Milliarden Dollar Staatshilfe. Bisher war Fannie Mae ohne Steuergelder ausgekommen.

8.3.2009

Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der Weltbank 2009 erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in einzelnen Regionen, sondern global schrumpfen. Der weltweite Handel werde massiv zurückgehen. Die Krise werden besonders die ärmsten Länder schwer treffen, sagt Weltbank-Chef Zoellick voraus.

11.3.2009

Der Verlust der UBS im Geschäftsjahr 2008 ist noch grösser als im Februar angekündigt. Wegen der Vergleichszahlung in den USA und Bewertungsverlusten beim Deal mit der Schweizerischen Nationalbank erhöht sich der Verlust der Bank von 19,7 auf 20,9 Milliarden Franken.

12.3.2009

Im Kampf gegen die Rezession greift die Schweizerische Nationalbank zu ungewohnt drastischen Mitteln: Sie senkt den Leitzins erneut auf nun noch 0,25 Prozent, tätigt Devisenkäufe und erwirbt Unternehmensanleihen. Die SNB will damit die Geldmenge ausweiten, den Konjunktureinbruch mildern und dem Risiko einer Deflation entgegentreten. Trotzdem geht die SNB von einem Minus der Schweizer Wirtschaftsleistung von 2,5 bis 3 Prozent in diesem Jahr aus.

18.3.2009

Die US-Notenbank pumpt mehr als eine Billion Dollar in die Kreditmärkte. Dazu wird vor allem neues Geld gedruckt. Die Federal Reserve kündigt den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren in Höhe von 750 Milliarden Dollar und Staatsanleihen in Höhe von 350 Milliarden Dollar an. Zugleich belässt die Zentralbank den US-Leitzins auf seinem historischen Tiefstand von knapp über null Prozent.

30.3.2009

Die US-Regierung lehnt die Sanierungspläne der US-Autokonzerne Chrysler und General Motors (GM) ab. Die Vorschläge seien unzureichend, heisst es in der Begründung. Nun erhalten Chrysler 30 und GM 60 Tage für Nachbesserungen. Die beiden Konzerne haben bisher über 17 Milliarden Dollar Staatskredite erhalten. GM will zusätzlich fast 17 Milliarden, Chrysler 5 Milliarden Dollar. Ohne neues Geld droht die Pleite.

31.3.2009

Die Prognosen für die Weltwirtschaft werden immer düsterer: Laut Weltbank schrumpft die globale Wirtschaft in diesem Jahr um 1,7 Prozent. Die OECD rechnet sogar mit einem Einbruch um 2,75 Prozent. Die Arbeitslosigkeit werde weiter stark steigen. Am stärksten getroffen von Konjunktureinbruch werden gemäss OECD Exportnationen wie Deutschland oder Japan.

1.3.2009

Die EU-Länder wollen sich im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht gegenseitig schaden und keinen Protektionismus zulassen. Das ist das Ergebnis des Sondergipfels in Brüssel. Ein generelles Hilfspaket für die osteuropäischen Länder, von denen einige vor dem Staatsbankrott stehen, lehnen die EU-Staats- und Regierungschefs ab.

2.3.2009

Der einst weltweit führende US-Versicherungskonzern AIG hat im schlechtesten Jahr seiner Unternehmensgeschichte 2008 fast 100 Milliarden Dollar verloren. Erneut springt der Staat ein: Der Versicherer erhält eine weitere Finanzspritze von 30 Milliarden Dollar.

26.3.2009

Die Rezession wird die Schweiz härter treffen und länger dauern als bisher angenommen. Mehrere Konjunkturprognosen werden nach unten korrigiert. Optimistischere Schätzungen gehen von einem Minus von 2,2 Prozent aus, pessimistischere von bis zu 3 Prozent.

2.4.2009

Bei ihrem Gipfel in London ringen sich die G-20-Staaten zu einem beispiellosen Kraftakt durch: Sie einigen sich auf schärfere Regeln für Hedgefunds und Ratingagenturen und wollen gegen «Steueroasen» vorgehen. Vor allem aber beschliessen die Staats- und Regierungschefs eine gewaltiges Rettungspaket: Mehr als 1000 Milliarden Dollar sollen für Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern bereitgestellt werden.

6.4.2009

Als Folge des weltweiten Absturzes der Börsen im Jahr 2008 weisen Ende März 2009 rund 57 Prozent der Schweizerischen Vorsorgeeinrichtungen einen Deckungsgrad unter 100 Prozent auf. Das Bundesamt für Sozialversicherungen verlangt von den betroffenen Pensionskassen, ihren Aufsichtsbehörden innerhalb von drei Monaten einen Sanierungsplan vorzulegen.

14.4.2009

Die US-Investmentbank Goldman Sachs startet mit einem deutlichen Gewinn ins Jahr 2009. Er klettert im ersten Quartal auf 1,66 Milliarden Dollar. Der Gewinn ist unter anderem auf eine Änderung in der Buchhaltung zurückzuführen.

15.4.2009

UBS gibt einen Quartalsverlust von knapp 2 Milliarden Franken bekannt. Grund: Weitere Abschreibungen in Höhe von 3,9 Milliarden Franken. Der neue CEO Oswald Grübel verordnet der grössten Schweizer Bank eine Rosskur: 8700 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, davon 2500 in der Schweiz. Nach der Herausgabe von rund 250 Kundendossiers an die USA hat sich der Geldabfluss bei der UBS wieder beschleunigt. Die Generalversammlung wählt alt Bundesrat Kaspar Villiger zum neuen Verwaltungsratspräsidenten. Seine Wahl ist unbestritten.

16.4.2009

Mit J.P. Morgan Chase fährt eine weitere US-Grossbank einen überraschend hohen Milliardengewinn ein. Die Bank erzielt im ersten Quartal einen Überschuss von 2,1 Milliarden Dollar. J.P. Morgan bleibt damit als eine der wenigen US-Grossbanken bisher die gesamte Finanzkrise hindurch in der Gewinnzone.

17.4.2009

Und noch eine Bank überrascht mit gutem Ergebnis. Die schwer angeschlagene US-Grossbank Citigroup verringert ihren Verlust überraschend deutlich. Sie weist im ersten Quartal zwar immer noch ein Minus von 966 Millionen Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank noch mehr als 5 Milliarden verloren.

20.4.2009

Auch die vom Staat unterstützte Bank of America starte mit einem satten Gewinn ins neue Geschäftsjahr. Im ersten Quartal verdreifachte sich der Überschuss fast auf 2,8 Milliarden Dollar.

23.4.2009

Die Credit Suisse schliesst das erste Vierteljahr mit einem Gewinn von zwei Milliarden Franken ab. Insbesondere im Investment Banking liefen die Geschäfte gut. Zudem haben Kunden der Bank Neugelder im Wert von 11,4 Milliarden Franken anvertraut.

30.4.2009

Trotz vieler Rettungsversuche muss Chrysler den Gang in die Insolvenz antreten. Der drittgrösste US-Autobauer will jedoch nur wenige Wochen unter Gläubigerschutz arbeiten und hofft dank einer Allianz mit dem italienischen Hersteller Fiat anschliessend wieder auf erfolgreiche Zeiten. Die US-Regierung unterstützt die Sanierung mit weiteren Milliarden-Hilfen.

2.5.2009

In den USA hat die Hypothekenbank Thornburg Mortgage Antrag auf Gläubigerschutz gestellt und sich damit praktisch zahlungsunfähig erklärt. Zu den Kreditgebern der Bank gehören auch die beiden Schweizer Banken Credit Suisse und UBS. Thornburg meldet Schulden von rund 25 Milliarden Dollar.

6.5.2009

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins im Euroraum auf den tiefsten Stand seit ihrer Gründung im Jahr 1998. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld verringert sich um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 1 Prozent.

8.5.2009

Der so genannte Banken-Stresstest in den USA offenbart, dass 10 der 19 grössten Geldinstitute in den USA auf insgesamt 75 Milliarden Dollar weiteres Kapital angewiesen sind. Die grösste Finanzlücke hat demnach die Bank of America mit 33,9 Milliarden Dollar.

Der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae benötigt zusätzliche 19 Milliarden Dollar. Die Bank schreibt im ersten Quartal einen Verlust von 23,2 Milliarden. Bereits 2008 hat sie 50 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt und 45 Milliarden Staatshilfe erhalten.

13.5.2009

In Deutschland will die Regierung die Banken entlasten. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass die Geldinstitute Risikopapiere in eine so genannte Bad Bank auslagern können - ähnlich wie die UBS ihre schlechten Papiere bei der Nationalbank parken kann. Ziel der Zweckgesellschaften ist es, die Bilanzen der Banken von den giftigen Positionen zu befreien, damit diese wieder mehr Kredite vergeben.

Der zweitgrösste US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac hat im ersten Quartal 2009 erneut einen Milliardenverlust eingefahren - es ist bereits der siebte Quartalsverlust in Folge. Das staatlich kontrollierte Institut verbuchte von Januar bis März ein Minus von 9,9 Milliarden Dollar. Freddie Mac beantragt eine weitere 6,1 Milliarden Dollar Finanzhilfe beim Staat.

20.5.2009

In Japan schrumpft die Wirtschaft in atemberaubendem Tempo: Durch den Einbruch der Exporte, wegen Produktionskürzungen und der Zurückhaltung der Verbraucher sinkt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2009 um 15,2 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der statistischen Erfassung des BIP im Jahr 1955.

18.6.2009

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält die Geldschleusen weit geöffnet, um die Wirtschaft in der Rezession mit Geld zu versorgen. Zwar sehen die Währungshüter erste Anzeichen einer leichten Erholung, die Unsicherheiten sind aber noch immens. Deshalb beläst die SNB den Zielsatz für den Dreimonats-Libor bei historisch tiefen 0,25 Prozent.

10.7.2009

Schneller als erwartet verlässt der US-Autobauer GM den Gläubigerschutz wieder. Nur 40 Tage nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein neues Unternehmen gegründet. Es ist von Altlasten befreit, allerdings deutlich kleiner als der alte Konzern. Es befindet sich zudem in Staatsbesitz. Kanada und die USA halten gut drei Viertel der Anteile.

14.7.2009

Die weltgrösste Investmentbank Goldman Sachs überrascht im zweiten Quartal 2009 mit einem Gewinn von rund 2,7 Milliarden Dollar.

16.7.2009

Die US-Grossbank JP Morgan Chase meldet gute Zahlen: Sie schliesst das zweite Quartal mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar ab, 36 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode und deutlich mehr als Experten erwarteten. JP Morgan Chase bleibt mit diesem Milliardengewinn weiterhin trotz Finanzkrise in den schwarzen Zahlen. Erst kürzlich hat die Bank 25 Milliarden Dollar an Staatshilfen zurückgegeben.

17.7.2009

Nach Goldman Sachs und JP Morgan Chase überraschen zwei weitere grosse Banken in den USA mit guten Ergebnissen. Die Bank of America schliesst das zweite Quartal mit einem Plus von 2,4 Milliarden Dollar ab und liegt damit deutlich über den Erwartungen der Analysten. Auch die Citigroup kann mit einem Quartalsgewinn aufwarten. Von April bis Juni weist die Bank ein Plus von 3 Milliarden Dollar aus. Er beruht allerdings zu einem grossen Teil auf dem Verkauf des Vermögensverwaltungsgeschäfts.

21.7.2009

Im ersten Halbjahr 2009 hat der Schweizer Aussenhandel so stark abgenommen wie noch nie zuvor. Importe und Exporte nahmen wertmässig um jeweils rund 16 Prozent ab und befanden sich Mitte 2009 ungefähr auf dem Niveau von 2006.

US-Notenbankchef Ben Bernanke zeigt sich vorsichtig optimistisch, was die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft angeht. In der zweiten Jahreshälfte werde sich die Wirtschaft stabilisieren. Für 2011 erwarte er ein beschleunigtes Wachstum, so Bernanke.

22.7.2009

Die US-Bank Morgan Stanley präsentiert einen Quartalsverlust in Höhe von knapp 1,3 Milliarden Dollar. Ein Grund: Die Bank hat die Staatshilfen zurückgezahlt.

4.8.2009

Für die UBS ist noch kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Die Bilanz der Grossbank weist für das zweite Quartal dieses Jahres einen Verlust von 1,4 Milliarden Franken aus. Die Bank verliert noch immer Kundengelder. Netto haben Private und Pensionskassen insgesamt 39,5 Milliarden Franken bei der UBS abgezogen.

7.8.2009

In den USA geht es dem angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae noch immer schlecht: Die Bank schreibt im zweiten Quartal ein Minus von 14,8 Milliarden Dollar. Es ist der achte Quartalsverlust in Folge. Das Institut braucht erneut Geld: Es will deshalb den Staat um finanzielle Unterstützung in Höhe von 10,7 Milliarden Dollar bitten. Die Regierung hat bereits rund 85 Milliarden Dollar zur Stützung von Fannie Mae und des Bruderkonzerns Freddie Mac ausgegeben.

Dafür schreibt der vom Staat mit Milliardenhilfen vor dem Zusammenbruch bewahrte US-Versicherer AIG zum ersten Mal seit Ende 2007 wieder schwarze Zahlen. Im zweiten Quartal resultiert ein Gewinn von 311 Millionen Dollar.

8.8.2009

Der staatlich kontrollierte US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac verbucht den ersten Quartalsgewinn seit zwei Jahren. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres erwirtschaftete der Konzern einen Nettogewinn von 768 Millionen Dollar. Dies nach einem Verlust von 9,9 Milliarden Dollar im ersten Vierteljahr. Zum positiven Resultat hätten unter anderem höhere Zinseinnahmen beigetragen, erklärt das Unternehmen.

13.8.2009

Aus Deutschland und aus Frankreich kommen überraschend positive Konjunktursignale. In beiden Ländern scheint die Rezession zu Ende zu gehen. Die Wirtschaften wuchsen im zweiten Quartal wieder - jeweils um 0,3 Prozent.

17.8.2009

Die japanische Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 3,7 Prozent. Damit geht eine einjährige Rezession zu Ende, die ihren Höhepunkt im vierten Quartal 2008 hatte, als die Wirtschaftsleistung um 13,1 Prozent einbrach.

25.8.2009

Frankreich beschränkt die Millionenboni für Banker. Auf Druck von Präsident Nicolas Sarkozy erklären sich die französischen Grossbanken mit einem Bonus-Malus-System bei der Entlöhnung einverstanden. Die Banker sollen künftig auf bis zu zwei Drittel ihrer Boni verzichten, wenn die Bank in späteren Jahren Verluste macht. Nur ein Drittel der Boni wird sofort ausgezahlt.

24.9.2009

National- und Ständerat ringen sich zu einem Kompromiss für das dritte Konjunkturpaket durch. Vor allem der Nationalrat hatte die Vorlage des Bundesrates gehörig gestutzt. Am Ende wird insbesondere bei den Massnahmen für Langzeitarbeitslose gekürzt, was bei den Sozialpartnern und den Kantonen für gemischte Reaktionen sorgt.

26.9.2009

An ihrem Gipfeltreffen in Pittsburgh beschliessen die G-20-Staaten, Massnahmen, um die derzeitige Krise zu bewältigen und künftige Krisen diesen Ausmasses zu verhindern: Die G-20 löst die G-8 als massgebliches Gremium für globale Wirtschaftsfragen ab, für Banken sollen strengere Eigenkapitalregeln angestrebt werden, Bonuszahlungen für Bankmanager sollen auf langfristigen Erfolg ausgerichtet werden, der Druck auf Steueroasen wird verstärkt.

Weiter sollen die Finanzminister bereits jetzt Strategien entwickeln, um den Ausstieg aus den laufenden staatlichen Konjunkturprogrammen zu vollziehen, sobald dies die Wirtschaftslage zulässt.

14.10.2009

In New York schliesst der Leitindex Dow Jones erstmals seit einem Jahr wieder über der wichtigen Marke von 10'000 Punkten. Am 9. März 2009, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hatte der Dow mit 6547 Punkten ein Zwölf-Jahres-Tief erreicht. Seither hat der Index um 53 Prozent zugelegt.

15.10.2009

Bei den Banken in den USA öffnet sich die Schere immer weiter: Die für ihre Risikolust berüchtigte US-Investmentbank Goldman Sachs macht im dritten Quartal unter dem Strich 3,2 Milliarden Dollar Gewinn, dagegen verliert die im klassischen Kreditgeschäft starke Citigroup den gleichen Betrag. Der Grund: Immer mehr Schuldner können ihre Raten nicht mehr zahlen.

16.10.2009

Auch die angeschlagene Bank of America muss im dritten Quartal tiefrote Zahlen präsentieren. Unter dem Strich steht ein Verlust von mehr als 2,2 Milliarden Dollar.

Die Bank hat sich bei der spektakulären Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch vor rund einem Jahr verhoben. Konzernchef Kenneth Lewis kündigt seinen Rücktritt zum Jahresende an. Dass ihm dann ein umfangreiches Vergütungspaket zustehen soll, sorgt für grosse Empörung.

22.10.2009

Die Credit Suisse überrascht mit einem glänzenden Quartalsabschluss. Im dritten Vierteljahr verdient die Bank insgesamt 2,4 Milliarden Franken - deutlich mehr als von den meisten Experten vorausgesagt. Besonders profitabel war das Investment Banking.

In den USA plant Präsident Barack Obama einschneidende Massnahmen gegen jene Betriebe, denen der Staat unter die Arme greifen musste. Dort sollen Topmanagern die Gehälter und Boni drastisch gekürzt werden. Durchschnittlich soll die Vergütung der 25 bestbezahlten Manager um 90 Prozent gekappt werden.

26.10.2009

Einer der grössten Finanzierer von Gewerbeimmobilien, Capmark Financial, meldet Insolvenz an. Zu den grössten Capmark-Gläubigern zählen die US-Banken Citigroup und JP Morgan Chase. Investoren und Bauträger von Bürotürmen, Einkaufszentren und Hotels im ganzen Land haben bei Capmark Kredite über mehrere hundert Milliarden Dollar laufen. Die Talfahrt bei Gewerbeimmobilien gilt als enormes Risiko für Amerikas Wirtschaft und das globale Finanzsystem.

27.10.2009

In den USA werden wieder deutlich mehr Immobilienkredite an Kunden vergeben, deren Kreditwürdigkeit nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Diese lockere Form der Kreditvergabe gilt als eine der Hauptursachen für die Finanzkrise.

Der Marktanteil dieser heiklen Kredite habe inzwischen 20 Prozent erreicht, was dem Niveau vor der Finanzkrise entspreche, heisst es in einem Bericht der US-Notenbank Fed. Allerdings seien fast alle Kredite indirekt durch den Staat abgesichert.

1.11.2009

Die Rettungsversuche für die schwer angeschlagene CIT-Bank in den USA haben nicht geholfen: Die wichtige Kreditbank beantragt Insolvenz. Es ist die grösste Pleite seit dem Aus für die Investmentbank Lehman Brothers vor gut einem Jahr. CIT will nun mit einem geordneten Insolvenzverfahren nach dem so genannten «Chapter 11» mithilfe eines Investors Altlasten abwerfen und den Neustart versuchen.

3.11.2009

Die noch immer angeschlagene Schweizer Grossbank UBS schreibt auch im dritten Quartal einen Verlust. Wegen Problemen im Investment Banking kommt die Bank anders als viele ihrer Konkurrenten nicht aus den roten Zahlen. Der Verlust von Juli bis September beträgt 564 Millionen Franken nach 1,4 Milliarden Franken im zweiten Quartal.

6.11.2009

Der grösste US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae schreibt im dritten Quartal einen Verlust von 20 Milliarden Dollar und bittet die US-Regierung um eine weitere Finanzspritze von 15 Milliarden. Damit beläuft sich der Unternehmensverlust insgesamt auf 120 Milliarden und die Staatshilfe würde 61 Milliarden betragen.

26.11.2009

Dubai - in den vergangenen Jahren Inbegriff für Luxus und Reichtum - ist in finanziellen Nöten. Die staatliche Immobiliengesellschaft Dubai World und ihre Tochterfirma Nakheel müssen ihre Gläubiger um einen Aufschub für die Rückzahlung von Milliardenkrediten bitten. Die Nachricht sorgt an vielen europäischen Börsenplätzen für Erschütterungen. In den USA und im Nahen Osten bleibt sie vorerst ohne Auswirkungen, denn die Börsen sind dort wegen Feiertagen geschlossen.

1.12.2009

Die Schweizer Wirtschaft wächst wieder. Nach einem Jahr Rezession legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im im dritten Quartal 2009 wieder zu - wenn auch nur ganz leicht. Die Wirtschaftsleistung liegt um um 0,3 Prozent über der des Vorquartals. Zuvor war das BIP vier Quartale in Folge zurückgegangen.

9.12.2009

Die krisengeschüttelte Bank of America zahlt dem amerikanischen Staat auf einen Schlag die geschuldeten Hilfsgelder von insgesamt 45 Milliarden Dollar zurück.

In Grossbritannien müssen Banker auf ihre Boni ab sofort eine Sondersteuer zahlen. Bonuszahlungen von über 25'000 Pfund (rund 42'000 Franken) werden mit einer einmaligen Steuer von 50 Prozent belegt, kündigt Finanzminister Alistair Darling an. Dabei werden die Banken direkt auf ihren Bonus-Pool besteuert. Die Banker müssen dann noch auf ihr Gehalt plus Bonus den bisherigen Steuersatz zahlen.

14.12.2009

Österreich verstaatlicht die schwer angeschlagene Kärntner Bank Hypo Alpe Adria. Der Staat übernimmt das Finanzinstitut für einen symbolischen Euro. Die Alteigentümer (BayernLB, Land Kärnten, Grazer Wechselseitige) schiessen nochmals mehr als eine Milliarde Euro ein. Die Hypo Alpe Adria ist die sechstgrösste Bank Österreichs.

Auch die britische Krisenbank Royal Bank of Scotland kann gerettet werden. Die EU-Kommission heisst die Hilfe in der Grössenordnung von über 100 Milliarden Franken gut. Es handelt sich um die grösste Staatshilfe, die in der EU jemals geleistet wurde. Die verstaatlichte britische Bank muss ihr Geschäft deutlich verkleinern.

Die US-Bank Citigroup kauft sich mit 20 Milliarden Dollar vom Staat frei. Im Gegenzug wollen sich die USA im kommenden Jahr komplett als Aktionär aus der Citigroup verabschieden. Mit der Rückzahlung befreit sich die Bank von den mit staatlichen Krediten verbundenen strengeren Regeln etwa für Boni und Eigenkapital.

22.12.2009

Der US-Autohersteller Ford bietet 40'000 Angestellten eine Frühpensionierung oder eine Abfindung von bis zu 70'000 Dollar an, wenn sie die Firma freiwillig verlassen. Ford will damit die Kosten senken und ab 2011 wieder einen Gewinn erzielen.

24.12.2009

Auch die beiden US-Grossbanken Wells Fargo und Citigroup haben insgesamt 45 Milliarden Dollar, die sie aus dem Bankenrettungsprogramm erhalten hatten, an den Staat zurückgezahlt. Es waren die letzten beiden Grossbanken, die der Regierung noch Geld schuldeten.

31.12.2009

Nach dem Zusammenbruch ihrer Banken müssen die Isländer Milliardenschulden zurückzahlen: Das isländische Parlament stimmt der Rückzahlung von 3,8 Milliarden Euro an Grossbritannien und die Niederlande zu. Vor einem Jahr waren mehrere isländische Banken Pleite gegangen. Grossbritannien und die Niederlande entschädigten daraufhin die Bankkunden, die bei diesen Banken Geld angelegt hatten. Grossbritannien und die Niederlande forderten das Geld von Island zurück.

5.1.2010

Der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson blockiert mit seinem Veto ein Gesetz zur Bewältigung der Finanzkrise. Es geht um die Rückerstattung von 3,8 Milliarden Euro an britische und niederländische Kunden der Bankrott gegangenen Icesave-Bank. Nun wird das isländische Volk in einem Referendum über die Entschädigungszahlungen entscheiden müssen.

15.1.2010

Der US-Finanzkonzern JP Morgan hat 2009 einen doppelt so hohen Gewinn eingefahren wie im Jahr davor. Unter dem Strich verdiente sie 11,7 Milliarden Dollar. Damit hat JP Morgan die Finanzkrise besser verkraftet als die Konkurrenz.

20.1.2010

Die Bank of America bleibt ein Verlierer der Finanzkrise: Im Gesamtjahr 2009 weist die Bank ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar aus, nach einem Gewinn von 2,56 Milliarden Dollar 2008.

21.1.2010

Besser ergeht es der US-Investmentbank Goldman Sachs: Sie schliesst das Jahr 2009 mit einem Gewinn von 12,2 Milliarden Dollar ab und knüpft nahtlos an die Rekordergebnisse aus der Zeit vor der Krise an.

26.1.2010

Als eine der letzten führenden Volkswirtschaften ist die Rezession nun auch in Grossbritannien beendet. Nach 18 Monaten mit rückläufiger Wirtschaftsleistung weist das Sozialprodukt im Schlussquartal 2009 wieder ein Plus auf, das mit 0,1 Prozent allerdings denkbar klein ausfiel.

29.1.2010

In Spanien haben 2009 über eine Million Menschen ihre Arbeit verloren. Insgesamt sind 4,3 Millionen ohne Job. Die Arbeitslosenquote ist mit 19 Prozent doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Die US-Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Im vierten Quartal legt das Bruttoinlandsprodukt mit 5,7 Prozent so kräftig zu wie seit gut sechs Jahren nicht mehr.

6.2.2010

Die beiden US-Banken Goldman Sachs und JP Morgan belohnen ihre Chefs mit Millionen-Boni - allerdings nicht in bar. Jamie Dimon von JP Morgan erhält ein Aktienpaket im Wert von 16 Millionen Dollar, Lloyd Blankfein von Goldman Sachs bekommt Belegschaftsaktien im Wert von 9 Millionen Dollar. Beide Banken haben in der Finanzkrise Staatshilfe erhalten, diese aber bereits zurückgezahlt.

9.2.2010

Die UBS schafft im vierten Quartal 2009 erstmals den Sprung zurück in die Gewinnzone: Der Reingewinn beträgt 1,2 Milliarden Franken. Im gesamten Jahr 2009 beträgt der Verlust 2,74 Milliarden Franken. Es ist der dritte Jahresverlust hintereinander. 2009 fliessen insgesamt Kundengelder im Umfang von 147 Milliarden Franken ab.

16.2.2010

Die EU legt dem am Rande des Staatsbankrotts stehenden Schuldensünder Griechenland die Sparfesseln an. Mit einem ehrgeizigen Sparprogramm und strikter Kontrolle des griechischen Staatsbudgets soll der Kollaps abgewendet werden. Ziel ist es, das Defizit für 2010 von 12,7 auf 8,7 Prozent des BIP zu senken.

17.2.2010

Die zur Post gehörende Postfinance profitiert vom Abfluss der Kundengelder bei den Grossbanken. Im Geschäftsjahr 2009 verzeichnet das Institut einen Rekordgewinn von 447,8 Millionen Franken, fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem vermögende Kunden wechselten zur Postfinance.

7.3.2010

Die Isländer lehnen in einer Volksabstimmung Entschädigungszahlungen an Grossbritannien und die Niederlande wegen der Pleite der Internet-Bank Icesave mit überwältigender Mehrheit ab.

Das vom Parlament mit knapper Mehrheit verabschiedete Gesetz sieht eine stufenweise Rückzahlung von 3,9 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 an die Regierungen in London und Den Haag vor. Diese hatten mit dem Betrag mehr als 300'000 Bürgern den Verlust ihrer Spareinlagen bei der Pleite gegangenen Icesave-Bank ersetzt.

Grossbritannien und die Niederlande haben mittlerweile bereits günstigere Bedingungen für die Rückzahlungen angeboten.

12.4.2010

Auf mehr als 8000 Seiten hält eine parlamentarische Untersuchungskommission fest, wie es 2008 zum Bankrott der grössten Geldinstitute Islands kommen konnte. Gemäss dem Bericht haben führende Politiker und Banker durch grobe Nachlässigkeit die Krise mitverschuldet. Namentlich wird neben anderen Ex-Ministerpräsident Geir Haarde genannt. Den Beschuldigten droht nun ein Strafverfahren.

12.9.2010

Zwei Jahre nach Beginn der Finanzkrise einigen sich die weltweit wichtigsten Finanzwächter auf schärfere Risiko-Vorschriften für Banken. Mit den Regeln, die unter dem Begriff Basel III zusammengefasst sind, müssen Banken mehr eigenes Geld besitzen, um Kreditausfälle und Börsenturbulenzen in Krisen abzufedern.

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