Buch-Tipp: Carla Haas «Der Zweifel»
Haas deckt Ellas uralte Liebeswunden auf, die sie in ihre Beziehung zu Yannick einbringt, indem sie das Messer namens Zweifel immer griffbereit hat und zusticht, auch wenn sie ihren Mann gar nicht verletzen will; die Hand sticht, bevor der Kopf denkt. Die Wunden stammen aus ihrer einstigen Verbindung zu Michel, der ihr einen Antrag gemacht und sie dann doch nicht geheiratet hat.
Yannick, ebenfalls von der Liebe verletzt, will Ella alles recht zu machen, leistet ihr aber nur in Worten Verbindlichkeit und reist darüber hinaus als Forscher um die Welt, so spielt das Buch auch in Helsinki, wohin Ella ihm nachgereist ist. Sie sieht ihn selten, bewohnt das gemeinsame Haus in Genf meistens alleine und schlägt sich dort mit seiner schnüffelnden Schwiegermutter herum. Einerseits will sie diese Beziehung, die ihr Sicherheit gibt und in der ihr Yannick nie zu nahe kommt, andererseits hält sie sie kaum aus. Sie flüchtet sich in die neuen Gefühle zu einem nächsten Mann, Luis.
Ella, Yannick, Michel, Luis: Die Figuren können alle für die Suche stehen, die so typisch ist für die Zeit in der wir leben; Carla Haas zeigt exemplarisch die Irritationen der so genannt modernen Frau die die Möglichkeit hat, physisch und psychisch zu erfahren, wie gross die Welt ist, sprich: Wie viele Orte es geben könnte, an denen sich das Glück versteckt. Und sie, die von der Heimatlosigkeit in sich selber getrieben wird, hört nicht auf zu suchen und will dabei jeden Stein auf dieser Erde umdrehen.
«Der Zweifel» ist ein Muss für: Seiltänzerinnen, die während dem Lesen ihre Kunst professionalisieren können, balanciert man doch den Roman hindurch auf starken Worten, während links und rechts der Abgrund der Illusionen droht.
Das Buch:
Carla Haas «Der Zweifel»
240 Seiten
Meridiane / Amman-Verlag, Zürich
ISBN: 978-3-250-60128-9
CHF 34.90
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