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09.03.2010

Buch-Tipp: Andrea Winkler «Drei, vier Töne, nicht mehr»

«Drei, vier Töne, nicht mehr» ist ein Muss für Wasserfeste. Winkler führt Lesende - ohne deren Hand je loszulassen - in ein tiefes, tobendes und salzspuckendes Sprachmeer. Winkler verschenkt allerfeinste Sätze und man will das Buch laut lesen, um das Geschenk richtig auszukosten.

Andrea Winklers Buch beschreibt ein merkwürdiges Gefühl, das viele von uns auch kennen.

Drei, vier Töne, nicht mehr
von Andrea Winkler

Buch
CHF 21.90

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Es klingt absurd: Man wird von Jemandem verlassen, von dem man vermutet, dass er oder sie ohnehin nicht der oder die Richtige gewesen wäre und trotzdem trauert man tief. Ein Phänomen? Es geschieht oft, manchen Menschen immer wieder.

Ein solches Erlebnis liegt dem Roman «Drei, vier Töne, nicht mehr» zugrunde - das kann man zumindest in die elf Monologe, die die Ich-Erzählerin dramaturgisch faszinierend unauffällig aufgebaut hat, und die sich an ein «Du» richten, hineinlesen.

Es sind Monologe einer Frau, die verlassen worden ist, nach einer wohl kurzen, unsicheren Zeit der Zweisamkeit. Ihr Verlust führt über Verständnislosigkeit, Schmerz, Wut und Gleichgültigkeit in sich verlierende Erinnerung und bis hin zum Gefühl, wieder «zu sich zu kommen».

Die Österreicherin Andrea Winkler ist im Besitz einer einzigartigen dichten und schwebenden Ausdrucksweise, sie lässt Symbolik in den Text fliessen, die nie schnulzig ist: Ein Vorhang wird mit allerlei Empfindung belebt, er kann bewegt werden, verweht, er kann sich bauschen oder hängt still, ein Vorhang kann verbergen, aber auch enthüllen.

Das «Ich» hat zu Beginn der Zweisamkeit einen «er» geweckt, «(...) der gar nicht geweckt werden wollte» - dieser «er» erhält ohne dass Winkler ihn vorstellt, ein Profil, wirkt wild, liederlich und flüchtig, verspricht leer und doch ist man sich als Leser jederzeit bewusst, dass hier ein verletztes subjektives Ich tobt: «Welch schöner Irrtum, nicht wahr, dass kaum je etwas dasselbe war für Sie und für mich». Aus der Ansprache an ein «Sie» wird ein «Du» und wieder ein «Sie», dem das «Ich» wünscht, dass, wenn es sich entfernt, ein «kleiner Schwindel sein Auge doch verwirrt».

Winkler kann auch ganz konkret sein: «Keine Angst, ich komme wirklich nie wieder! Wozu auch, wenn Du lieber bei dir sein willst.» Schliesslich, nachdem die Ich-Erzählerin die Erinnerung heraufbeschworen, verteufelt und betrauert hat und sogar zunehmend das Sich-Erinnern vergisst, zieht sie wieder in ihren eigenen Palais ein, kommt wieder bei sich selber an.

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