Buch-Tipp: Clemens Berger «Das Streichelinstitut»
Das Leben des Protagonisten in Clemens Bergers «Das Streichelinstitut» gerät aus den Fugen.
Vor wenigen Jahren waren die damals in Mode gekommenen Kuschelgruppen in aller Munde. Es gibt sie auch in der Schweiz, die Adressen gibts im Internet. Wer nur gestreichelt werden möchte, kann sich seine Streicheleinheiten bei Severin Horvath abholen, die Adresse findet sich hier.
Streicheln, nicht schreiben
Severin Horvath heisst eigentlich Sebastian. Er hat sein Studium der Philosophie beendet und sollte seine Dissertation schreiben. Seine Freundin regt ihn dazu an, mit seinen zärtlich streichelnden Händen Geld zu verdienen, er setzt die Idee um und eröffnet in Wien ein Streichelinstitut.
Das Geschäft läuft gut, es kommen Frauen und Männer, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen streicheln lassen wollen. Severin staunt. Auch darüber, dass er auf einmal zum Arbeitnehmer wird, der früh aufsteht und abends müde ist. Und - er will lange nicht wahrhaben, dass sein Leben immer mehr ausser Kontrolle gerät.
Unter der Gürtellinie
Was, wenn der Kunde auf einmal den Streichelnden behandelt? Wenn die Kundin auch unter der Gürtellinie gestreichelt werden will? Wenn nebst der geliebten Freundin auf einmal eine andere Frau ins Herz einzieht? Severin/Sebastian, Meister des überzeugenden Auftritts bei totaler Ahnungslosigkeit, versucht immer angestrengter, allen gerecht zu werden. Allen, ausser einem Menschen: sich selber. Und dieser Mensch nimmt ihm das zunehmend übel. (kum)
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