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Dienstag, 24.5.2011

Buch-Tipp: «Fremde Schwestern» von Renate Ahrens

«Fremde Schwestern» ist ein Buch für EcholiebhaberInnen: Dieses Buch hallt lange nach. Renate Ahrens' Roman zeigt meisterlich, dass eine Geschichte nicht nur gut sein muss, sondern auch die richtige Erzählform braucht: dann geht sie durch Mark und Bein.

«Fremde Schwestern»

«Das Klingeln an meiner Wohnungstüre lässt mich hochschrecken. Zwanzig nach sechs. Wer das denn sei, um diese Zeit, murmelt Jan. Ich fröstle, als ich aufstehe und mir den Bademantel überziehe. Es klingelt wieder, ein penetrantes, ununterbrochenes Klingeln. Ich reisse die Türe auf. Vor mir steht ein kleines Mädchen, durchnässt, in abgerissener Kleidung, ohne Schuhe. «Das hat aber lange gedauert», sagt es und will an mir vorbei in die Wohnung schlüpfen.»

Das sind Sätze aus dem Buch «Fremde Schwestern» der deutschen Autorin Renate Ahrens.

Auf einmal ein Kind
Die Autorin erzählt von zwei Schwestern mittleren Alters. Die eine, Franka, lebt als Drehbuchautorin in Hamburg. Die andere, Lydia, steht nach einem Leben auf Achse eines Tages bei Franka vor der Türe und will mit ihrer siebenjährigen Tochter einziehen. Aber so weit kommt es nicht: Lydia bricht zusammen - eine Folge ihres bisherigen Lebens.

Sie muss sofort ins Spital und ihre Tochter bleibt bei Franka - und zwar für eine lange Zeit. Aber das Letzte, was Franka in ihrem strukturierten Leben je wollte, war die Verantwortung für ein Kind zu tragen.

Ein Buch, laut wie eine Stimme
Franka ist die Ich-Erzählerin in diesem Buch und sie schildert die Vergangenheit und die Gegenwart der beiden Schwestern so emotional und real, dass man glauben könnte, sie würde vor einem sitzen und erzählen.

Über die Geschichte hinaus werden lebenswichtige Themen angesprochen: Die Beziehung zwischen Geschwistern und den Eltern, die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf und die Frage, wie sich eine Frau in die heutige Gesellschaft stellt und ob und wie sie sich selber sein und bleiben kann. (tk)

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