Roman für Sie: Claudia Schreiber «Süss wie Schattenmorellen»
Annies Mutter schwankt zwischen Mannstolligkeit und Depressionen und setzt sich zur Pflege letzterer nach Griechenland ab, Annies Opa verschwindet zeitgleich mit seinen blutjungen Geliebten in die Ferien.
Auf einmal steht Annie mit ihren Fragen ans Leben und die sich seltsam verhaltenden Erwachsenen alleine da - oder fast, schliesslich hat sie zwei Kollegen: Fritzi, ein dümmlicher Teenager, der geklautes Glace im Boden verscharrt, damit sie es später alleine essen kann und Galle, den der Tod seiner Eltern dermassen aus der Bahn geworfen hat, dass er nur noch in Filmzitaten spricht.
Flashmob für die Ernte
Und als wenn dies nicht schon wenig Hilfe genug wäre, taucht noch die junge, schwangere Paula auf und Fritzi organisiert einen Flashmob zur Bewältigung der Schattenmorellen-Ernte.
Mit verknorzten und charmanten Charakteren, einer aberwitzigen Story, die mit vielen Lebenswahrheiten zwischen den Zeilen schwanger geht und sich mit jedem Satz clever dreht und wendet ist «Süss wie Schattenmorellen» der «seelische Buchaufbauer» des Sommers 2011, der nicht mit aktuellen, zeitkritischen Bezügen geizt.
Ein Satz aus dem Buch: «Der Chinese, übrigens ein Skilehrer», antwortete sie ausschweifend, «war ja nur ganz kurz mein Vater, etwa fünf Minuten, dann war sein Einfluss schon wieder weg, deshalb ist so wenig Chinesisches an mir haften geblieben.»

