Buch-Tipp: «Sieben Jahre» von Peter Stamm
Um Kopf und Herz, Herz und Kopf geht es in «Sieben Jahre», vor allem um den Zustand, in dem man nicht weiss, welche Gefühle aus dem Herz und welche aus dem Kopf kommen: Alex scheint seine Existenz in diesem Zustand zu verbringen. Er ist die Hauptfigur und lässt sich leben: Von seiner tadellosen, leicht hysterisch anmutenden Frau Sonja, die zusehends an ihrer eigenen vermeintlichen Stärke zerbricht.
So was tut man nicht
Die beiden Architekten geben nach Ausssen das perfekte Paar ab. Aber Alex lebt auch von der Macht, die er über die Polin Iwona hat, eine Macht, der er sich zwar bewusst ist, mit der er aber nicht umgehen kann. Er ist gefangen im Hin- und Her zwischen einem vielleicht grundmenschlichen Besitzen-Wollen und den Geiseln einer «so was tut man nicht» Erziehung.
Dabei ahnt Alex, dass er seine Frau nicht wegen der körperlichen Lust auf eine Andere betrügt; bei Iwona findet der «moderne» Mann eine Frau, die nicht kalkuliert und nach Perfektion trachtet, sondern eine, die wortlos nur eines will: Alex. Er schwängert sie und das scheint ihm nur in Bezug auf Sonja unangenehm zu sein.
Diese schlägt ihm aber, nach dem er es ihr gebeichtet hat, eine sonderbare Lösung vor: Das Kind, das Iwona erwartet, soll nach der Geburt das Kind von Sonja und Alex sein.
Direkt und schnörkellos
Stamm erzählt ohne grosses Tamtam, verzichtet auf Sprachspielereien und katapultiert die Leser so subito mitten in einen denkwürdigen Stoff, der «von der Zumutung des Glücks, geliebt zu werden» erzählt; treffender als auf dem Buchrücken beschrieben, kann man es nicht sagen.
«Sieben Jahre » ist ein Muss für: BiologInnen. Der schnörkellos geschriebene Roman (ver)führt ins Dickicht; dort wuchern Gefühle allerlei Gattung. Soll man sie benennen oder sie als gegeben akzeptieren und sie einfach wuchern lassen?
Peter Stamm «Sieben Jahre»
Roman, 298 Seiten
S. Fischer, Zürich
ISBN: 978-3-10-075126-3
CHF: 33.90
Mehr zu den Stichwörtern:
