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Dienstag, 13.10.2009

Buch-Tipp: Mian Mian «La la la»

Die Chinesin Mian Mian, Jahrgang 1970, sagt über «La la la»: «Mein Buch ist wie mein Leben: Sex, Drugs and Rock n' Roll. Allerdings ist es in Wirklichkeit noch viel schlimmer als im Buch».

In ihren Geschichten ist der Sex von Gewalt geprägt, die Beziehungen werden durch Drogen beeinflusst und auseinandergerissen und der Rock n' Roll verkommt zum unmusikalischen, verzweifelten Selbstausdruck. In «La la la» wimmelt es von Partygängern, die sich in die Besinnungslosigkeit saufen, von nervösen Drogensüchtigen, von Musikern, die so abgedrehte Texte schreiben, dass sie nicht mehr verstanden werden und es taucht eine Sängerin auf, die ihre Geschichten in erster Linie besingt, um sich immer wieder zu bestätigen, dass sie einmal ein unbeschwertes Leben geführt hat.

Mian Mians Texte sind gleichermassen rührend («... die Zukunft sucht immer, und das Ergebnis ist immer neu, nicht wahr? Apple sagt, ich bringe dich nicht zum Bahnhof, es kommt nicht darauf an, manche Menschen trennen sich nie.»), authentisch («An dieser Stelle des Textes möchte ich den Computer plötzlich verlassen, weil ich der Welt keine weiteren Hitzeschübe bescheren will. Ich glaube, dass das Schreiben jetzt keinen Sinn mehr hat.»), und grausam («Saining explodierte wie eine ausser Kontrolle geratene Maschine und fesselte mich (...) auf den Balkon, sodass unser Hund wild kläffte.»).

Die Autorin, die seit «La la la» mehrere Bücher veröffentlicht hat, schildert das Lebensgefühl junger Leute in Shanghai in den 90er Jahren, die das Extreme suchen, sich bewusst an den Rand der chinesischen Gesellschaft begeben, in der Nacht und in der Partyszene leben; es ist ihr Versuch, aus der Norm auszubrechen. Das Buch wurde in China nach seinem Erscheinen 1997 verboten, um der Jugend diese Art von schlechtem Vorbild zu entziehen. Inzwischen ist es in China wie auch in Deutschland zum Kultbuch geworden. Trotzdem oder darum ist Mian Mian  nicht an der Frankfurter Buchmesse 09 dabei.

«La la la» ist ein Muss für: Herbstzeit-Stubenhocker. Die Geschichten junger Menschen, die in Shanghai ausser Kontrolle durchs Leben tanzen, bringen die Lesenden in ihren Sesseln in Bewegung.

Das Buch:
Mian Mian «La la la»
Kiepenheuer & Witsch, 182 Seiten
ISBN: 978-3-462-02950-5
CHF: 16.90

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