Buch-Tipp: «Fischer hat Durst»
Der Buchtitel «Fischer hat Durst» ist stimmig: Er hat Durst und nichts anderes, eigentlich will er auch nichts anderes und muss sich trotzdem damit abgeben: Er betreut im Jahrhundertsommer Haus und Garten seiner Ex-Frau, schlägt sich mit den pubertären Seltsamkeiten seiner Kinder herum und wird dazu angehalten, sein Geld – wieder – als Journalist zu verdienen, was ihn aber nicht im Entferntesten reizt. Und: Wieder und wieder wird er an sein Buch erinnert, über dessen Misserfolg er noch immer frustriert ist.
Im Garten seiner Ex-Frau sieht er dann, als er lediglich die Katze beobachten will, ein Ohr im Gras liegen, ein menschliches Ohr. Zwar haben wir es mit einem Krimi zu tun, an dessen Ende wir wissen, was es mit dem abgeschnittenen Ohr auf sich hat; genauso unterhaltsam ist aber die Wandlung von Fischer vom trägen Tunichtgut hin zum engagierten Helden; der Vater von zwei Kindern «rettet» die Tochter, die nach einer Demo im Knast gelandet ist, couragiert aus demselben.
Der Roman spielt in Basel und geizt nicht mit mehr oder weniger versteckten Andeutungen - zum Beispiel auf Charlottes Roches Erfolgsroman «Feuchtgebiete» - und fügt illustre Namen zusammen (Fischer, der vor seinem beruflichen Herumdümpeln beim Radio tätig war, wollte den ZuhörerInnen weis machen, dass Friedrich Dürrenmatt sich bei den «Les Sauterelles» als Schlagzeuger bewarb, Toni Vescoli ihn aber wegen «mangelnder Haarpracht» nicht als Bandmitglied akzeptieren wollte). Der Krimi bewegt sich am Rand seines Genres und trotzdem wörtlich dort, wo die Musik spielt.
«Fischer hat Durst » ist ein Muss für: Surferinnen und Surfer: Die Kleinbasler Sommerhitze, die durch alle Sätze quillt und in ihrer Trägheit gut zur Hauptperson Fischer passt, schmelzt den Schweizer Frost zu hohen Wellen.
Buch:
Wolfgang Bortlik «Fischer hat Durst»
Salis Verlag, 224 Seiten
ISBN: 978-3-905801-28-6
CHF: 29.80
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