Buch-Tipp: Isabelle Stamm «Schonzeit»
Die Autorin Isabelle Stamm,1977 geboren, hat Geschichte und Psychologie studiert.
Der Titel «Schonzeit» kann auf zwei Arten ausgelegt werden: Einerseits gibt es keine «Schonzeit» für diese frische Liebesbeziehung. Andererseits ist es nicht nur «schon Zeit», sondern höchste Eisenbahn, dass Miruna, die Hauptfigur dieses sorgfältig geschriebenen Buches, einen Grund erhält, aus ihrer Lethargie auszusteigen.
Fremde Briefe lesen
Miruna, eine junge Schweizerin mit rumänischen Wurzeln, ist Übersetzerin. Die kluge Frau leidet an der Welt und lebt zurückgezogen, kifft dauernd. Bis sie einen besonderen Auftrag erhält: Sie soll ein Bündel Briefe aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzen.
Der Verfasser der Briefe ist Gabriel Alexandru, der an seinen Enkel schreibt. Miruna übersetzt mit Feuereifer und rutscht so mitten in eine Familiengeschichte ein, in der viele Verletzungen Wunden hinterlassen haben.
Stark werden, stark bleiben
Der Enkel, der die Übersetzung der Briefe in Auftrag gegeben hat, ist Johann. Miruna händigt ihm die Briefe aus, und sie verlieben sich. Gemeinsam durchleben sie aufwühlende Treffen mit Johanns Grossvater und anderen Familienmitgliedern.
Doch Johanns Familiengeschichte erinnert Miruna immer mehr an ihre eigene. Sie, die ihn unterstützen möchte, kommt nun ins Schleudern. Nun muss sie stark werden und stark bleiben, für sich und für ihre Beziehung.
«Schonzeit» ist ein Muss für: Widersprüchliche. Stark und schwach, traurig und froh, lebendig und lethargisch - die Figuren sind zwiegespalten, lebensecht, berührend.
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