Buch-Tipp: «Der zweitbeste Koch» von Kurt Bracharz
Der Koch, der diesen Panda zubereiten wollte, ist verschwunden.
Warum, fragt sich in Wien der Gourmetkritiker Xaver Ypp, ist der Koch Wang Li-Shui verschwunden? Zugegeben, er hatte spezielle Kochideen: Einen Bernhardiner hätte er zubereiten wollen, oder einen Panda.
Ypp schreibt für eine Zeitschrift übers Essen und Trinken und dass Li-Shui nur der zweitbeste Koch sein kann, weil der beste Koch der Hunger ist, wissen Ypp und auch der Volksmund.
Essen als einzige Freude
Ypp wurmt Wang Li-Shuis Verschwinden, er liess sich so gerne von ihm bekochen, denn Ypps Lebensfreude nährt sich aus aussergewöhnlichem Essen - er hatte schon so ziemlich jedes Tier auf dem Teller. Im Krimi wird ausführlich erzählt, wie die Tiere zubereitet werden.
Das würgt den guten Geschmack, treibt den Krimi aber auch voran. Dem Leser stellt sich immer wieder die Frage, was in der sogenannten Esskultur alles möglich ist - und warum. Kannibalismus ist auch ein Thema des Buches.
Die Möglichkeiten der Esskultur
So fragt Ypp einen Kollegen auf der Redaktion: «Hältst Du es für möglich, dass der verschwundene Koch verbraten worden ist?» Und der Kollege sagt: «Der chinesische Koch? Aufgefressen? Ob es möglich ist? Möglich ist heute doch wohl alles, oder nicht?»
Das Buch ist ein Bijou für Liebhaber der Ironie. Und es dreht sich nicht nur ums Essen: Während Ypps drauf und dran ist, Wang Li-Shui zu finden, liest man von Jugendkultur, Politik, enttäuschter Liebe und einem gut getürmten Haufen anderer Dinge. (tk)
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