Buch-Tipp: «Hochzeitsflug» von Yusuf Yeşilöz
«Hochzeitsflug» ist Kopfkino vom Feinsten.
Derzeit ziehen Samstag für Samstag zig Autos scheppernde Büchsen durch die Strassen: Im Frühling wird gerne geheiratet und man darf davon ausgehen, dass die Paare sich das Ja-Wort aus freien Stücken geben. Im turbulenten Roman «Hochzeitsflug» ist das nicht der Fall.
Die Herzen wohnen in der Heimat
Vater Safir und Mutter Narin wohnen mit ihrem Sohn Beyto in der Schweiz und bewirten das «Kebab House». Die Herzen der Eltern sind aber in der Heimat, einem tscherkessischen Dorf in der Türkei.
Als die Familie eines Tages in die Heimat fliegt, glaubt Beyto dass sie Verwandte besuchen werden. Vor Ort erfährt er aber, dass seine eigene, hinterrücks geplante Hochzeit ansteht. Eine auswegslose Situation, von der der Autor trotzdem humor- und liebevoll zu erzählen weiss.
Das versuchte Coming-Out
Die Hochzeit überrollt Beyto. Er kann nichts mehr sagen, auch nicht das, was er schon lange sagen wollte: Dass er Männer liebt. Er versuchte einst ein Coming-Out, dieses wurde aber vom Vater mit verachtenden Worten über Schwule im Keim erstickt.
Beyto reagiert mit Resignation auf die Hochzeit und weiss lange nicht, ob er zu seinen wahren Gefühlen stehen soll, der strengen Familientradition zum Trotz. Dass der in Winterthur wohnhafte Schriftsteller Yusuf Yeşilöz seine Hauptfigur lange in dieser Unentschlossenheit verharren lässt, macht das Buch authentisch und sympathisch. (kum)
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