Löschungs-Tagebuch: Warum ich auch am dritten Tag ohne Facebook noch eingesperrt bin
Auch wenn ich weitergehe. Mein Göttikind bleibt bei Facebook.
Auch ohne Facebook habe ich tausend Ideen, wieso ich es es verschieben könnte, meine Bücher in Kisten zu packen. Soll ich aber nicht, ich ziehe nämlich um. Und während ich diese Bücher in die Kisten packe, denke ich mir, dass ich vielleicht im Sozialen Web auch umziehen sollte - auf Google+ vielleicht. Oder mich bei Twitter ein wenig gemütlicher einrichten.
Genau wie meine Bücher in meine neue Wohnung, würde ich dann gerne meine Fotos und Nachrichten und Notizen auf mein neues Profil mitnehmen. Diese Idee ist brilliant - aber nicht von mir, das Stichwort lautet: Datenportabilität.
Doch es ist so, wie wenn mein Vermieter von mir verlangen würde, dass ich meine Bücher in der alten Wohnung lasse: Meine Daten bleiben bei Facebook.
Das DataPortabilty-Projekt
Das wusste ich natürlich, als ich Facebook beigetreten bin. Doch erfahren habe ich es noch nie, schliesslich gab es noch nie ein Soziales Netzwerk von dieser Grösse. Und auch nicht von dieser Wichtigkeit. Beispielsweise habe ich auf kein anderes Soziales Netzwerk dieses süsse Video von meinem Göttikind geladen.
Vor etwa einem Jahr hat Facebook eine Funktion eingebaut, mit der jeder seine Fotos, Notizen und Nachrichten herunterladen kann. «Ein Back-up», sagt DRS 3-IT-Experte Guido Berger. Aber keine Datenportabilität. Dafür müssten die Informationen nämlich mit anderen Anbietern standardisiert sein, so dass ich sie problemlos mitnehmen könnte.
Facebook steht am Rande
2008 ist Facebook, genau wie Google, dem DataPortability-Projekt beigetreten. Doch den Leitern des Projekts zufolge haben sie sich seither nur beiläufig darum gekümmert. Und das wird sich laut Guido Berger auch so schnell nicht ändern: «Momentan hat keiner der Anbieter einen Anreiz, das zu unterstützen. Schliesslich sind diese Daten ihr Kapital.»
«Das ist kompliziertes Zeug», schreibt einer der DataPortability-Projektleiter. Es muss gemeinsame Standards geben, damit wir aus einem Sozialen Netzwerk austreten können, aber unsere Freunde und dieses eine, süsse Video von unserem Göttikind nicht hinter uns lassen müssen - genau wie meine Bücher.
Michaël Jarjour
PS: Sucht-update: Ich würde wirklich sehr, sehr gerne diese neue Messenger-App von Facebook ausprobieren, gopfrteckel.
