Facebook: Eure Kommentare nach meinem Ausstieg, eine Entschuldigung und ein paar Erkenntnisse
Was ich auch aus euren Kommentaren herauslesen konnte: Wer von euch ein Facebook-Profil hat, und wer nicht.
Lieber Roger de Weck, ich habe gedruckt. Das tut mir leid. Ich weiss, eines Ihrer Ziele für dieses Jahr ist es, den Papierverbrauch in der SRG um einen Drittel zu senken. Gut möglich, dass Sie dieses Ziel wegen mir nicht erreichen.
Ich musste eine Menge Mails ausdrucken. Ich sitze hier an meinem Küchentisch mit jedem einzelnen Mail, das diese Woche zu Facebook kam. So wild wurde noch selten diskutiert. Von «Gehe mit der Zeit - oder sterbe aus» bis zu «...und sowieso: Nieder mit diesen iPhones» gabs da eine Menge.
Löschen oder weitermachen? Als Entscheidungshilfe habe ich alle Mails und Kommentare gelesen und eine kleine Statistik gemacht: Unabhängig davon, wer da was geschrieben hat: 60 Prozent der Kommentare auf der Facebook-Seite von DRS 3 und Mails ins Studio kamen von solchen von euch mit Facebook-Profil. 40 Prozent hatten nie eins, oder haben gelöscht.
Beim Inhalt der E-Mails sind mir drei Dinge besonders aufgefallen:
- Nur ganz, ganz wenige verteidigen Facebook mit Vehemenz.
Sogar die, die ein Profil haben - und Facebook mögen - fanden den Entzug gut, wollten es zum Teil auch schon machen, aber schaffen es nicht. - Die, die Facebook am heftigsten verurteilen, hatten noch nie ein Profil.
Da gab es ein paar richtig wütende E-Mails. Wütend nicht auf uns, sondern auf Social Networks, ständige Erreichbarkeit etc. - «Ich treffe meine Freunde lieber im echten Leben!»
Viele glauben, dass ich dank meines Facebook-Entzugs wieder mehr Aktivitäten ausserhalb des Internets nachgehe.
Tatsächlich verbringen wir eine Menge Zeit auf Facebook und Co: Fast ein Viertel der Zeit, die wir online verbringen, surfen wir heute auf Sozialen Netzwerken, und somit die dominierende Aktivität im Internet, heisst es in einer Studie von Nielsen, einer Marktforschungsfirma.
Das Hauptargument, warum man Facebook abstellen soll, das Profil löschen oder es weniger brauchen der DRS 3-Hörerinnen und -Hörer in den Reaktionen: Es nervt. Facebook nervt. Zu viele Oberflächlichkeiten gäbe es, zu viele Ablenkungen.
Doch: DRS 3-Hörer Jürg Widmer schreibt, «Wenn man Facebook richtig handhabt, braucht man nicht so viel Zeit dafür und ist immer up to date. Ich habe beispielsweise Gruppen erstellt und lese praktisch nur die News meiner engsten Freunde. So wird man nicht vollgespamt.»
Das waren die spannendsten Erkenntnisse für mich. Und, lieber Roger de Weck, Sie werden Ihr Ziel bestimmt doch erreichen. Ich habe nämlich alle E-Mails jetzt wieder auf einen schönen Stapel gelegt, nehme sie zurück ins Studio und bedrucke sie von der anderen Seite. An mir solls nicht liegen.
Michaël Jarjour
