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17.02.2012

Besuch im IBM Forschungszentrum Schweiz: «Hier entstehen die Speicher-Chips von morgen.»

Das IBM Forschungszentrum in Rüschlikon beim Zürichsee beherbergt mehrere Hundert Mitarbeiter aus 45 Nationen. Es war der erste IBM Forschungs-Standort ausserhalb des Mutterlandes USA und ist eine Wiege neuer Computer-Technologien.

Bei IBM verspricht man sich durch neue Materialen wie Kohlenstoff einen Effizienzsprung in der Speichertechnologie

IBM dominierte einst den Markt für Personal Computer, als deren Erfinder das Unternehmen gilt. Das Kerngeschäft des IT Riesen hat sich aber längst auf andere Bereiche verlagert. Im Jahr 2005 verkaufte IBM das PC Geschäft denn auch an den chinesischen Hersteller Lenovo.

Auch wenn es heute kaum noch Produkte für private Anwender gibt, auf denen IBM drauf steht, so steckt IBM doch in ganz vielen Systemen drin. In Systemen, die wir fast alle täglich bewusst oder unbewusst nutzen.

Faktor 1000 in zehn Jahren
In jedem der vergangenen Jahrzehnte haben sich die Leistungsfähigkeit von Computersystemen und deren Speicherkapazität ungefähr vertausendfacht. Bei IBM Research Zürich ist man davon überzeugt, dass diese Entwicklung mindestens für das nächste Jahrzehnt noch ungebremst weiter geht. So wie wir heute die Begriffe Giga- und Terabytes verwenden, werden wir in zehn Jahren von Peta- und Exabytes sprechen.

Allerdings stellt die Weiterentwicklung der Rechenleistung die Forscher vor neue Probleme. Heutige Prozessoren rechnen oft zu schnell für die Speicher, die sie mit Daten versorgen sollen. Bei vielen Operationen muss der Prozessor darum auf den Speicher und damit seine Daten warten und ist in dieser Zeit arbeitslos.

Neue, schnellere Speichertechnologien sind deshalb ein wichtiges Forschungsfeld bei IBM. Dabei konzentriert sich die Arbeit derzeit auf die Suche nach neuen Materialien für einen exponentiellen Entwicklungsschritt. Einer der Kandidaten in den IBM Labors: Kohlenstoff.

Big Data - Exabytes für die Astronomie
Ein Forschungsbereich, der eine enorme Menge an Daten erzeugt ist, ist die Radio-Astronomie. Neue, flächig angeordnete Sensoren sind eine vielversprechende Alternative zu den klassischen, schalenförmige Antennen oder zu optischen Teleskopen.
Die Sensoren fangen gewaltige Mengen an Strahlung ein, verarbeiten diese durchwegs digital und erzeugen damit unerhörte Mengen an rohen Daten. Systeme, die heute in Planung sind, müssen mit einem Datenstrom von 10 Petabit pro Sekunde rechnen - Daten, die aufgefangen und ausgewertet werden müssen. Pro Sekunde füllen sie ganze 1'200 Ein-Terabyte-Festplatten.

Die Technologien, um mit solchen Speichermengen fertig zu werden, sind heute noch gar nicht verfügbar. Bei IBM rechnet man aber damit, dass das noch in diesem Jahrzehnt der Fall sein wird.

Der nächste grosse Schritt: Lernende Systeme
Matthias Kaiserswerth, der Chef von IBM Research Schweiz, nennt lernfähige Systeme als weiteres Entwicklungsfeld mit enormem Potential. Computersysteme, die eigenständig Entscheide fällen oder Fragen beantworten können. Diese Fähigkeiten entwickeln sie, indem sie einerseits auf einen grossen «Erfahrungsschatz» zugreifen und andererseits eine neue Situation richtig einordnen können. Als Beispiel für ein solches System nennt man bei IBM gerne SIRI, den Sprachassistenten des iPhone 4S.

Dieses Beispiel zeigt gleichzeitig, wohin die Technik-Reise für IBM gehen könnte und dass es bis zum Erreichen der gesteckten Ziele noch viel zu tun gibt.

Video: Drucken im Nanobereich
Das Video am Ende des Artikels zeigt zwei der Forschungsfelder von IBM Research Zürich und die Wissenschaftler dahinter: Drucken im Nanobereich und Grundlagenforschung für neue Speichertechnologien.

Lucius Müller

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IT-Redaktor Lucius Müller zur Zukunftsforschung bei IBM
Hören (6:12)



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