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Montag, 20.2.2012

Crowdfunding: Mäzenatentum für die kleine Brieftasche

Keiner zu klein, ein Mäzen zu sein: Crowdfunding-Plattformen im Internet machen Projekte möglich, die sonst an Geldmangel gescheitert wären. In den USA kommen so schon Projekte in Millionenhöhe zustande. Jetzt gibt es auch in der Schweiz die ersten Crowdfunding-Plattformen.

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Das Prinzip ist einfach: Auf der Crowdfunding-Plattform stellen Künstler und Kreative ihre Projekte vor, erklären, warum sie Geld brauchen und wie viel. Danach entscheidet das Publikum, was es spenden will. Der Clou: Eine versprochene Spende wird nur dann fällig, wenn das Projekt auch zustande kommt. Finden sich zu wenig Interessierte, wird der versprochene Betrag dem Konto nicht belastet.

In den USA hat sich diese Methode bereits bewährt: Auf Kickstarter zum Beispiel - dem Klassenprimus der Crowdfunding-Seiten - werden auch Projekte in Millionenhöhe erfolgreich finanziert. Übers Jahr gerechnet kommen bei Kickstarter so über 100 Millionen Dollar an Fördergeldern zusammen.

Auch in der Schweiz erfolgreich
Mit wemakeit.ch und 100-days.net sind auch in der Schweiz die ersten Crowdfunding-Plattformen gestartet. Und das Prinzip der «Schwarm-Finanzierung» scheint auch hierzulande erfolgreich zu sein: Von den 26 Projekten, mit denen wemakeit.ch Anfang Februar gestartet ist, sind drei bereits vollständig finanziert, bei anderen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Finanzierung gesichert ist.

Der Künstler Johannes Gees, der wemakeit zusammen mit Rea Eggli und Jürg Lehni ins Leben gerufen hat, hofft darauf, dass bald einmal die Hälfte aller Projekte erfolgreich finanziert werden kann. Angst vor der Konkurrenz von 100-days.net hat er nicht, im Gegenteil: Weil Crowdfunding in der Schweiz noch wenig bekannt sei, sorge der Start von gleich zwei solchen Plattformen für die nötige Aufmerksamkeit, die Idee bekannt zu machen.

Erfolgreich auch dank Social Media
Bei wemakeit finden sich neben Buchpublikationen vor allem Projekte aus den Bereichen Kunst, Film und Theater. Gees warnt davor, sich Crowdfunding-Plattformen als Goldesel vorzustellen: Allein mit dem Einreichen eines Projekts ist nämlich noch nichts erreicht. Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Publikation auf der Plattform: Nun müssen die Leute auf das Projekt aufmerksam gemacht werden.

Dabei spielen soziale Medien eine grosse Rolle. Auf Facebook lässt sich zum Beispiel der eigene Freundeskreis einspannen, Werbung für die Projektfinanzierung zu machen.

Überfinanzierung kein Problem
Die Praxis zeigt denn auch, dass viele der gespendeten Beträge von Freunden und Freundesfreunden der Projektmacher kommen. Und es zeigt sich auch, dass erfolgreiche Projekte schon nach wenigen Tagen einen grossen Teil der Kosten finanziert haben. Schaffen sie diese erste Hürde nicht, hat das Projekt in der Regel wenig Aussicht auf Erfolg.

Dabei kommt es auch vor, dass ein Projekt mehr einnimmt, als eigentlich geplant war - dass zum Beispiel für ein Buchprojekt 5'000 Franken gesucht, aber 10'000 gesammelt wurden. Eine solche Überfinanzierung ist gerade bei Buchprojekten kein Problem, so Gees: Statt wie geplant 300 Exemplare zu drucken, lange das Geld dann einfach für 600.

Jürg Tschirren

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