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Montag, 7.11.2011

Bis zum bitteren Ende: Der Scanner als Fotokamera

Der Scanner der Digitalredaktion hat ausgedient: Kaum etwas flattert auf Papier ins Büro. Das Gerät wäre reif für den Schrottplatz, wefsnn es nicht tadellos funktionieren würde. Um das Überleben des Geräts zu sichern sind neue Scan-Anwendungen gefragt.

Goodnight Sweet Prince: Ken im Scanner-Grab

Mit der Camera Obscura fotografierten unsere Ur-Ur-Grossväter: Ein dunkler Raum oder Behälter, in den durch ein kleines Loch Licht hineinfallen kann. Auf der gegenüberliegenden Seite entsteht ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Welt vor dem Kamera-Loch. Um es für die Ewigkeit festzuhalten, lässt man das Abbild normalerweise auf eine Platte mit einer lichtempfindlichen Beschichtung fallen.

Im digitalen Zeitalter dient ein Scanner als Filmplatte. Es braucht nur Karton, Leim und Klebeband – und fertig ist die digitale Camera Obscura. Allerdings: Unsere eigenen Versuche, eine Scanner-Camera-Obscura zu bauen, sind kläglich gescheitert. Dass es doch funktionieren kann, zeigen Beispiele wie «The Scanner Photography Project».

Ein Bildsensor von mehr als 2-Gigapixel
Rein technisch taugt ein Scanner durchaus zur Kamera: Ein normales Modell, das es für weniger als 100 Franken zu kaufen gibt, hat eine optische Auflösung von gut 4800 x 4800dpi – es können also in der Breite und Höhe je 4800 Bildpunkte pro Zoll erfasst werden.

Ein solcher Scanner erfasst sein Bild auf einer A4-Fläche, die in der Breite 8,27 Zoll (210 Millimeter) und in der Höhe 11,69 Zoll (297 Millimeter) misst. Das heisst, dass auf der ganzen Scanner-Fläche 2'227'421'952 Bildpunkte erfasst werden (4800 x 8,27 x 4800 x 11,69). Das entspricht einem Bildsensor von über 2-Gigapixel – weit mehr als teure Spiegelreflexkameras bieten.

Alltägliches in neuem Licht
Eine andere Art, den Scanner der Digitalredaktion weiter zu beschäftigen ist Scanographie, auch Scanner-Kunst oder Scanner-Fotografie genannt. Es geht darum, mit Hilfe eines Flachbett-Scanners digitale Bilder in künstlerischer Absicht zu erstellen in dem der Benutzer dreidimensionale Objekte auf das Glas des Scanner legt. 

Das hohe Auflösungsvermögen aktueller Foto-Scanner erlaubt sehr stark vergrösserte Nahaufnahmen. Gewöhnliche Dinge, wie eine Blume oder Essen, können in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Bis zum bitteren Ende!
Scanographie missbraucht die ursprüngliche Funktion eines Scanners. Auf die Spitze treibt diesen Missbrauch die Scanner Abusing Art, die Kunst, einen Scanner zu missbrauchen, in dem der Besitzer möglichst kuriose Gegenstände auf die Glasscheibe stellt. Beispiele dafür gibt es hier, hier oder hier. Wer in letzterem Fall mehr missbraucht wurde, Scanner oder «Objekt», sei dahingestellt ...

Die Digitalredaktion hat natürlich auch diese dritte Spielart ausprobiert – mit nie gesehenen Einsichten in die Zusammensetzung eines Kebabs oder mit einer Ken-Puppe, die von Erde begraben auf dem Scanner ihre letzte Ruhestätte fand.

Alle Bilder unserer Scan-Versuche findet ihr in den Bildergalerien unten. Und wer sich die Sache noch ein wenig genauer anschauen will, kann sich drei hochaufgelöste Scanner-Bilder hier anschauen und herunterladen.

Reto Widmer

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