(Keystone)
Die Geschichte der AHV und ihrer Revisionen
Mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts wächst auch die soziale Not der Arbeiterinnen und Arbeiter. Aus dieser Zeit stammt denn auch die Idee einer Sozialversicherung, respektive einer Altersversicherung. Doch erst 1947 sagt das Schweizer Stimmvolk Ja zur AHV. Seitdem wurde die AHV in zehn Revisionen um- und ausgebaut.
Bundesrat Tschudi zu 50 Jahren AHV (2.07.1997)
| 1880: Die grosse Armut vieler Arbeiterinnen und Arbeiter lässt erstmals bei Gewerkschaftern und Politikern Forderungen nach einer Altersversicherung aufkommen. | |
| 1904: FDP und SP verlangen eine AHV auf eidgenössischer Ebene. Es folgen verschiedene Vorstösse im Parlament. Umstritten ist vor allem die Finanzierung. | |
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1918: Der Erste Weltkrieg verursacht in der Schweiz grosses Elend und soziale Ungerechtigkeit. Die Männer müssen als Soldaten die Landesgrenzen sichern, ohne dafür Erwerbsersatz zu bekommen. Wut und Verzweiflung entladen sich im «Landesstreik». 400 000 Menschen nehmen vom 11. bis 14. November 1918 am viertägigen Generalstreik teil. Das «Oltener Aktionskomitee» fordert nebst dem Frauenstimmrecht eine Altersversicherung. |
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1925: Das Schweizer Stimmvolk stimmt an der Urne einem Verfassungsgrundsatz für die Einführung der AHV zu. Doch das Parlament kann sich auf keine Organisations- und Finanzierungsform einigen. |
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1931: Das erste Ausführungsgesetz für die AHV scheitert an der Urne: Die Vorlage wird sowohl von Rechts als auch von Links bekämpft. |
| 1940: Während des Zweiten Weltkrieges wird für Wehrmänner die Erwerbsersatzordnung (EO) eingeführt. Sie wird über Lohnprozente finanziert und über eine Ausgleichskasse organisiert. Die EO funktioniert als Modell für die spätere AHV. Nationalrat Max Sigmund Wey zur AHV-Frage (15.08.1946)Nationlrat Robert Bratschi zur AHV-Debatte (20.08.1946) | |
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6. Juli 1947: Das Volk sagt «Ja» zum AHV-Gesetz, und zwar im Verhältnis 4:1. Für den freisinnigen Volkswirtschafsminister Walther Stampfli ein Freudentag: «Das ist mein schönster Tag im Bundesrat.» Historische Presseschau zum Ja an der Urne |
| 1. Oktober 1948: Die AHV wird für alle Arbeitnehmenden obligatorisch eingeführt. Das Rentenalter beträgt für Frauen und Männer 65 Jahre. Die AHV finanziert sich über Lohnbeiträge in der Höhe von vier Prozent. Die Minimalrente pro Monat beträgt 40 Franken. Viele klagen, dies reiche nicht, um die Existenz zu sichern. | |
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1956: Der sozialdemokratische Bundesrat Hans Peter Tschudi setzt sich vehement dafür ein, dass die Renten sukzessive angehoben werden. Erst mit der 4. AHV-Revision steigt die Minimalrente auf 75 Franken und das Rentenalter für Frauen sinkt auf 63 Jahre. |
| 1964: Mit der 6. AHV-Revision sinkt das Rentenalter für Frauen weiter auf 62 Jahre. Ausserdem werden eine Zusatzrente für Ehefrauen und eine Kinderrente eingeführt. | |
| 1966: Der Bund führt Ergänzungsleistungen ein für jene, deren AHV-Rente nicht zum Leben reicht. | |
| 1969: Mit der 7. AHV-Revision werden erstmals die Lohnbeiträge von 4 auf 5.2 Prozent erhöht. | |
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1972: Das Stimmvolk sagt an der Urne Ja zum Dreisäulenkonzept bei der Altersvorsorge: AHV, Pensionskasse und Ersparnisse. Bundesrat Tschudi zum Dreisäulenmodell (15.09.1970) |
| 1973: Vor seinem Rücktritt erhöht Bundesrat Tschudi die Minimalrente deutlich, von 220 auf 400 Franken. Mit diesem Riesensprung prägt sich bei den Menschen das Bild von Tschudi als Vater der AHV ein. | |
| 1977: Die 9. AHV-Revision bringt erstmals keinen Leistungsausbau, sondern eine Konsolidierung der bisherigen Versicherung. | |
| 1994: Die 10. AHV-Revision verbessert die Situation der Frauen dank Erziehungs- Betreuungsgutschriften. Gleichzeitig wird das Rentenalter für Frauen auf 64 Jahre erhöht. Ausserdem wird erstmals ein Rentenvorbezug möglich, allerdings mit einer Kürzung der Rente. Bundesrätin Ruth Dreifuss empfiehlt die Annahme der 10. Revision | |
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2004: Das Stimmvolk schickt die 11. AHV-Revision bachab. Es will weder eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre, noch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Gunsten der AHV. Zu den prominentesten Gegnerinnen der Vorlage gehört Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss. Bundesrat Pascal Couchepin kommentiert das Volks-Nein (10.05.04) |
| 2005: Der Bundesrat nimmt einen neuen Anlauf für die 11. AHV-Revision. Kernpunkte sind die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre und die Frühpensionierung mit sozialer Abfederung. | |
| 2010: Fünf Jahre nach dem erneuten Anlauf des Bundesrates ist die 11. Revision der AHV erneut gescheitert. In der Schlussabstimmung versenkt der Nationalrat die Pläne mit den Stimmen von SP, Grünen und SVP. Innenminister Burkhalter kündigt an, rasch ein neues Projekt vorzulegen. |
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