Buch-Tipp: Katharina Tanner «Da geht sie»
Auf dem Titelbild: Eine Frau, die jung scheint. Haare verdecken ihr Gesicht, die Finger suchen etwas in den Haaren, sie trägt ein blaues Kleid, knallrote Socken. Eine gezeichnete Frau, von Hand gezeichnet und von Unsicherheit oder Unruhe. Sie sitzt gebeugt, die Beine überkreuzt. Eine Facette von Lisette? Lisette Winkelmann ist die Hauptfigur des Romans «Da geht sie» der gebürtigen Schaffhauserin Katharina Tanner, Jahrgang 1962, die in Basel lebt und arbeitet.
Gedanken wie Schluckauf
Ein einziger Tag ist es, den die LeserInnen mit Lisette verbringen, ihre Gedanken lesen, die ihr aufstossen wie Schluckauf. Sie ist Schauspielerin und bisher vom einen zum nächsten Stück gezogen. Der Tag mündet in einer Begegnung mit dem Schauspielcoach Thaler und dabei wird eine Frage deutlich, die sich im ganzen Buch immer wieder zeigt; wie weit lehnt man sich im Leben aus dem Fenster? Wo hört man selber auf und wo fängt der fremde Mensch an, der manchmal im eigenen Kopf zu wohnen scheint?
In dicht ineinander verwobenen Strängen folgt man Lisette in Vergangenheit und Gegenwart und erlebt eine fantasievolle Frau, deren Sichtweisen überraschen und einnehmen.
Katharina Tanner ist keine Erzählerin, der man gemächlich spazierend folgen kann; es geht über Stock und Stein und durchs Dickicht und man tut gut daran, stets aufmerksam zu sein. Doch wer sich auf die Wanderung einlässt, darf sich auf einen ungewöhnlichen Ausblick freuen.
Das Buch:
Katharina Tanner «Da geht sie»
Roman, 140 Seiten
Limmat Verlag, Zürich
ISBN: 3-85791-576-5
CHF: 28.00
Mehr zu den Stichwörtern:
