Buch-Tipp: «Soforthilfe» von Michael Stauffer
Michael Stauffers Website hilft. Eigentlich müsste man für diese Satzapotheke mit ihrem heilsamen kleinen und grossen Wortdosen à la Stauffer bezahlen müssen. Da sie aber frei zugänglich ist, kuriert man sich mit ihren am besten regelmässig.
Derzeit scheint dem 1972 in Winterthur geborenen Schriftsteller, der Schreiben unterrichtet, Hörspiele produziert, musiziert und dichtet, die Aufteilung in Kapitel am Herzen liegen. Nicht nur die Website propagiert gerade einen neuen Roman, dessen 7. Kapitel lautet: «Wenn man am Morgen nicht aufsteht, muss man Abends nicht ins Bett.», gefolgt von «8. Kapitel. Gute Nacht.»; auch «Soforthilfe», sein neues Buch, ist in Kapitel unterteilt.
Sie sind mit gewichtigen Themen benannt, von der Familie über die Natur bis hin zur Politik, der Theorie und den praktischen Übungen. Die Struktur ist simpel: Im Kapitel finden sich Situationen aus dem Kosmos des Themas, wie zum Beispiel der Natur: «Machen Sie Waldspaziergänge. Bleiben Sie als Baum im Wald stehen. So kommen Sie mit der Natur noch besser in Kontakt», dann folgen mehrere Beispiele zu den Situationen: «Sie stehen als Eiche im Wald. Ein Wanderer kommt. Seine Füsse sind nass und kalt».
Je gefühlsgeladener das Thema sein könnte, desto mehr fächert Stauffer seine Karten auf - er ernüchtert und knallt mit Fluchwörtern. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass «Soforthilfe» alle Leser zum Lachen bringen wird. Oder dass alle Leser sich in den Situationen wieder finden werden und beruhigt sind, weil es offenbar auch andern «so geht» wie ihnen. Aber vielen wird es so gehen. Viele Leser werden sich über Flüche und fiesen Zoten aufregen. Und alle Leser werden dank diesem Buch intensive Gefühle haben; darum ist es der Tipp der Woche.
Michael Stauffer: «Soforthilfe»
ISBN: 978-3-938767-64-2
Urs Engeler Editor
CHF: 19.-
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