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Letztes Update: Dienstag, 8.9.2009

Buch-Tipp: Sibylle Berg «Der Mann schläft»

Eine Frau liebt einen Mann, weil der die Frau liebt. Was kann man sich Besseres wünschen in einer Welt, in der die Liebe nur noch ein Marketinginstrument ist? Sibylle Berg erzählt eine moderne Liebesgeschichte und zeigt mit so melancholischen wie bösartigen Bildern eine Welt, in der man höchstens zu zweit überleben kann.

Sibylle Berg wollte vielleicht gar nie eine der unzähligen Stimmen in den Köpfen einer lesenden Menschheit sein, aber sie ist seit ihrem Debüt «Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot» (1997) das – beruhigende – Murmeln im Kopf, das darauf besteht, dass die Mehrzahl der Dinge «da draussen» vor der eigenen Wohnungstür die meisten Leute beunruhigt und ihnen Angst macht. Im besten Fall wird man wütend auf das «das draussen», wie es die Protagonistin in Bergs neuem Roman «Der Mann schläft» manchmal ist. Verwundert attestieren Leute, mit denen ich über das Buch spreche, in dem es eine gesunde Beziehung geht, diesem eine Milde, als hätte Berg sich verpflichtet, es in jedem Buch ganz genau so zu machen wie im letzten.

Apropos, es sind ja noch alle da: Die menschenverachtende Protagonistin, sonderbare Nebenfiguren, die echoen, was die Protagonistin denkt - so macht Berg diese omnipotent und alterslos - es gibt Freundschaften, von denen man nicht weiss, warum sie aufrecht erhalten werden und Reisen, die Fremde der fremden Ländern und es gibt den Mann und eine Verbindung zu diesem, die sich gut anfühlt. Mehr gibt es nicht zu erzählen; die Protagonistin fühlt sich wohl mit ihm, der namenlose, grossen beruhigend plump wirkenden Mann mit den roten Haaren fühlt sich wohl mit ihr, der Leser fühlt sich wohl mit den Beiden.

Erzählt wird zum einen die Findungsgeschichte in der Rückblende: Wie ist die Frau zum Mann gekommen. Und erzählt wird zum anderen aus dem Heute: Die Protagonistin befindet sich auf einer chinesischen Insel, der Mann hat sie verlassen, es ist aber nicht auszuschliessen, dass er wiederkommt. Das wiederum ist aber nicht matchentscheidend und hier kann sich der Kreis schliessen: Wichtig ist, dass die Protagonistin durch den momentanen Verlust des tatsächlichen Seelenfriedens die Höhendifferenz zwischen Glück und Unglück noch deutlicher spürt und sich darüber auslässt: Und so spritzt das Bergsche Gift wie gehabt.

«Der Mann schläft» ist ein Muss für: Unfreiwillige Eremiten auf der Suche nach ihresgleichen.

Das Buch:
Sibylle Berg «Der Mann schläft»
309 Seiten
Carl Hanser Verlag München
ISBN: 978-3-446233-88-1
CHF: 34.50

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Tanja Kummer ist ein Multitalent: Die Thurgauerin hats von der Pike auf gelernt, ist ausgebildete Buchhändlerin. Seit 1996 ist sie selbst als Autorin tätig, für ihr lyrisches Schaffen holte sie sich auch schon den Winterthurer Förderpreis für Literatur.  Mehr

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