Buch-Tipp: Lydia Mischkulnig «Macht euch keine Sorgen»
Während eines Ausflugs ins «Land der Berge, Land am Strome», ergo unserem Nachbarn Österreich, habe ich eine herrlich erfrischende Autorin aufgestöbert: Lydia Mischkulnig, geboren 1963 in Klagenfurt, wohnhaft in Wien, geehrt mit saftigsten Literaturpreisen.
Ihr neues Werk «Macht euch keine Sorgen» ist eine Sammlung von kurzen Geschichten und schon die Sonne, die sich auf dem Umschlagbild hinter einem mehr als aus der Mode gekommenen Vorhang versteckt, deutet darauf hin: Da ist nicht viel gute Laune zu erlesen, die Aussage «Macht euch keine Sorgen» ist Zynismus pur.
Von den neun Erzählungen wähle ich exemplarisch «Türen schliessen»: Das Paar verabschiedet sich am Bahnhof, den Trennungsschmerz körperlich spürend, sich darin suhlend: Die Vorstellung, wie sie sich vermissen werden, gibt ihnen schon jetzt die Energie, die kommenden Alltage zu bewältigen, darum wissend, dass der Andere ganz genau so sehr an einen denkt!
Doch das Unverhoffte und eigentlich auch Unerwünschte geschieht: Die Abfahrt des Zuges verzögert sich. Und jetzt? Die heissen Abschiedsküsse haben auf einmal keine Dringlichkeit mehr, was gibt es zu tun? Obst kaufen, eine Zeitung? Aber darf man während des Wartens Zeitung lesen, nachdem man sich verhalten hat, als würde mit der Abreise der Liebeshimmel einstürzen?
In der kurzen Zeitspanne, in der die Frau noch da ist, obschon sie bereits abgereist sein sollte, verlieren beide kurzfristig ihre Liebeskonzepte, sie wissen im luftleeren Warten nichts mehr zu reden, die Laune sackt in den Keller; er schnauzt eine Kellnerin an, sie muss sich fragen: Wer ist dieser Mann, den sie so gerne vermisst hätte? Endlich fährt der Zug, die Türen schliessen; die Liebe wird weitergehen, aber die erlebte Sequenz hallt nach.
Das Buch:
Lydia Mischkulnig «Macht euch keine Sorgen»
112 Seiten
Haymon Verlag, Innsbruck
ISBN: 978-3-85218-583-5
CHF: 29.-
Audio-Beiträge:
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