Buch-Tipp: Jenny Erpenbeck «Dinge, die verschwinden»
Jenny Erpenbeck ist eine 42jährige Schriftstellerin, geboren und wohnhaft in Berlin. Dass bereits ihr Vater, John Erpenbeck, Schriftsteller und zudem Philosoph war, liest sich immer wieder aus ihrem Werk hinaus; nicht zuletzt aus ihrem neuen Buch «Dinge, die verschwinden».
Die Sammlung 31 kurzer Erzählungen zeigt Erpenbeck als scharfsichtige Beobachterin, die wahrnimmt, zusieht, wie Menschen, Gebäude oder Ideen klein und kleiner werden und zuletzt verschwinden. Was verschwindet, ist, was wir kennen oder besser: gekannt haben. Es verschwindet in diesem Buch, was für die Menschheit und manchmal auch ausschliesslich das, was für den/die Einzelne/n verschwinden kann: Erinnerungen, Käse und Socken, Wörter, das einfache Leben, Männer, Mütter oder Häuser.
Mit wachsender Aufmerksamkeit gegen den Dezember hin soll die Erzählung «Geschenke» als Beispiel gelten: Erpenbeck erinnert daran, wie sich Weihnachten mit Märkten ankündigt, mit selbstgedrehten Kerzen, Duftlampengeruch und sich vorwärtsdrängenden Menschenmengen.
Die Autorin outet sich als Geschenkfanatikerin (ihre goldene Regel lautet: «Drei Geschenke für jeden!»), die am Ende der Feiertage, völlig erschöpft vom Schenken und Beschenktwerden innerhalb der Familie, ihre Freunde besucht, die beteuern, dass sie sich nichts mehr schenken würden, weil das «viel ruhiger sei». Genau, würde man gerne denken, so machen wir das auch. Nichts mehr schenken. Aber zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte hat uns Erpenbeck schon zu sehr daran erinnert, dass man eigentlich von Herzen gerne schenkt und beschenkt wird und traurig darüber ist, dass Geschenke nur noch für Kinder und Grosseltern zu taugen scheinen.
Als gegen Ende des Buches schon dies und jenes still beschrieben verschwunden ist, tut es die Autorin ihren Erzählungen gleich: «Bestimmt haben auch Sie schon einmal von der Theorie gehört, dass der Autor verschw...»
Das Buch:
Jenny Erpenbeck «Dinge, die verschwinden»
Galiani Verlag, 112 Seiten
ISBN: 978-3-86971-004-4
SFr: 26.90
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