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Dienstag, 24.11.2009

Buch-Tipp: Susanne Fritz «Die Hitze liess nur die Dinge»

«Die Hitze liess nur die Dinge» ist ein Muss für Tanzende, die mit den präzis konsturierten Figuren beim Näheunddistanz-Tanz mithalten können.

Schon der Umschlag des Buches lässt die lähmende Hitze erahnen

«Die Hitze liess nur die Dinge», das dritte Buch der deutschen Autorin Susanne Fritz, ist auf mexikanischem Boden angesiedelt. Es ist ein Roman, der sich beim Lesen zu drehen beginnt, wie man ein Kaleidoskop drehen kann, die Farben sind zwar satt, aber sie verändern sich, die Muster sind zwar scharf, aber sie verändern sich. Fritz' Figuren trachten danach, das Kaleidoskop selber zu drehen, können aber nicht.

Isabel und Jan, ein - an der Länge ihrer Verbindung definiert - frisch verliebtes Paar, reist zum ersten Mal zusammen. Zusammen, aber nicht immer gemeinsam. Isabel versucht, Bilder des Landes (Hunde; ausgemergelte, agressive Hunde und Hundekadaver begleiten die Reise) zu sehen wie sie sind, die diversen Facetten in ihrem Gefühlsleben zu integrieren und trotzdem bei sich zu bleiben. Jan hingegen ist auf einer «ganz anderen Reise»; er kann es nicht einmal sich selber eingestehen, dass er seiner Exfreundin nachspürt, mit der er dieselbe Reise gemacht hat und die ihn währenddessen verlassen hat.  Als Isabel erfährt, was Jan umtreibt, ist sie verletzt, verunsichert, aber Frau genug, um ihn nicht (auch) zu verlassen.

Die Geschichte fährt ein wie das Kreischen der Kreide auf der Wandtafel, die präzise Sprache transportiert die Innen- und Aussenwelten der Figuren: «Sie schweigt. Was schweigend von ihr bleibt, ist so steinern und alt wie das erste Schweigen, das ihm begegnete, diese unsichtbare Wand, an der seine Liebe immer wieder abprallte, da war er noch ein Kind. Man schaut ihn an, sagt nichts, schaut nur und liest, man liest aus seinem Gesicht, liest aus seiner gepeinigten Gestalt, liest alles heraus, was man lesen, will, liest von seinen verängstigten Lippen, was diese nicht sagen.»

Das Buch stellt in einer Art zweitem Romanteil eine weitere Frau und einen weiteren Mann vor, die sich nahe kommen könnten, wollten, sollten; auch ihnen lässt die Hitze in Mexiko «nur» das Eine: Die Angst, nicht als die Person gesehen und geschätzt zu werden, die sie sind.

Das Buch:
Susanne Fritz
«Die Hitze liess nur die Dinge»
Klöpfer & Meyer, 195 Seiten
ISBN: 978-3-940086-38-9 

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