Buch-Tipp: «Nordlicht» von Melitta Breznik
In «Nordlicht» ist ein Nachtessen der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt: Ärztin Anna verlässt ihren Mann - und reist davon.
Anna lebt als Ärztin in Zürich, zusammen mit einem älteren Mann. Eines Abends, stillschweigend hat ihr Mann darauf bestanden, dass sie, die selber einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hat, ihn bekocht, geht sie davon, ignoriert am Fenster rufenden Mann, der schnell eine neue Frau findet.
Anna reist indessen auf die norwegische Inselgruppe Lofoten, um sich von ihrem erschöpfenden Job zu erholen: Sie glaubt, selber krank geworden zu sein, ihre Nerven sind strapaziert, ihre Tante litt unter Schizophrenie - ob auch sie dieser Krankheit entgegengeht? Aber: Anna will in Norwegen auch den Wurzeln ihres Vaters nachgehen, der im Krieg auf den Lofoten als Wehrmachtssoldat stationiert war und den sie als wenig liebevoll, nur als unnahbar kennt. Dank den Einträgen in seinen Tagebüchern kann sie seinen Spuren folgen.
Giske arbeitet auf den Lofoten als Journalistin und wurde als sogenanntes «Deutschenkind» geboren, als Tochter einer Norwegerin und eines deutschen Vaters, der während der deutschen Besatzungszeit in Norwegen war. Wie viele der etwa 12'000 «Deutschenkinder» war sie in der Nachkriegszeit Diskriminierungen ausgesetzt, Giske wurde körperlich und seelisch misshandelt.
Sie wuchs bei Pflegeeltern auf und wird wie Anna von Fragen betreffend ihrer Herkunft geplagt und ist durch die vielen Verletzungen zu einer verschlossenen Frau geworden. Langsam, Schritt für Schritt, öffnen sich die beiden Frauen, Giske beginnt für Anna zu sorgen. Diese kündigt schliesslich ihren Job in der Schweiz und bleibt in Norwegen. Ganz zum Schluss löst ein alter Mann unverhofft viele Fragen beider Frauen.
«Nordlicht» ist ein Muss für: Ausufernde. Schlicht und nüchtern erzählt bringt und hält einen «Nordlicht» auf gerader Linie.
Mehr zum Stichwort:
