Buch-Tipp: Barbara Bongartz «TOPmodel»
Die deutsche Autorin Barbara Bongartz legt mit «TOPmodel» eine Erzählung aus dem Bauch der zeitgenössischen Modelgeburtsstätte «TV-Show» vor.
Heidi Klum ist die Frau, die offenbar alles hat: Das grosse Glück von Tagen mit so vielen Stunden, wie es ihr gefällt und die mit Liebe und Erfolg gefüllt sind. Sie hat mehrere gesunde Kinder, einen Gatten, über den bis anhin nie eine Schande gekommen ist und den die Geständniswelle, auf der Tiger Woods, Mark Owen und Jesse James reiten, sicher nicht erreichen wird.
Gesegnet mit allem, was das Herz begehrt
Selbstredend ist sie als Model mit Schönheit gesegnet und als Geschäftsfrau hat sie eine unvergleichliche Karriere vorzuweisen - wer kann sonst schon von sich behaupten, dass eine Rosensorte seinen Namen trägt («Heidi-Klum-Rose», 2005) oder dass ihm oder ihr die «Vogue» eine 140-seitige Ausgabe gewidmet hat (Juni 2009)? Und - sie macht auch kein Geheimnis daraus, dass sie für ihren Erfolg arbeitet.
Das Deutsche Fräulein-Wunder-Prinzip
Als scheinbar lebende Disziplin ist Heidi Klum kein schlechtes Vorbild (vom «Size Zero» mal abgesehen) und die sehr jungen Frauen, die in «TOPmodel» an der fiktiven Castingshow «Das Deutsche Fräulein Wunder» teilnehmen, sprechen den Namen «Heidi Klum» so behutsam und ehrfürchtig aus, als sei jede Silbe eine Million Euro Wert.
Bermudadreieck aus Salat, Sport und Sekt
Lilli nimmt in dieser Sendung Heidis Platz ein, ist die strenge Modelmutter im Bermudadreieck aus Salat, Sport und Sekt, scheitert aber nach einem tragischen Zwischenfall auf dem Catwalk, auf dem die Mädchen sich auf das Jurypult und sie zu- und wieder wegbewegen, an ihrer Aufgabe.
Bestandesaufnahme der Unterhaltungsindustrie
Die deutsche Autorin Barbara Bongartz legt mit «TOPmodel» eine Erzählung aus dem Bauch der zeitgenössischen Modelgeburtsstätte «TV-Show» vor, die damit beginnt, dass Günther Klum die Anfrage von Barbara Bongartz, ob sie seine Tochter porträtieren dürfe, ablehnt. Daraufhin begibt sie sich auf Recherche im Modelbusiness und dem Castingshow-A-bis Z, das mit allerhand Kalkül gepfeffert ist und resümiert in «TOPmodel» darüber - eine kleine, exakte Lektüre, die ein Bild der Zeit zeichnet, eine überdenkenswürdige Bestandesaufnahme einer Facette der Unterhaltungsindustrie.
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