Buch-Tipp: Alexandra Lavizzari «Flucht aus dem Irisgarten»
Buch-Cover von Lavizzaris Flucht aus dem Irisgarten
Von der Quelle bis zum Wasserfall ...
Die elf Erzählungen sind wie Flüsse. Sie entspringen als Bächlein leicht sprudelnd einer reinen Quelle. Das Bächlein plätschert nie nur so vor sich hin, sondern fliesst flink über blanke Steine und wird, man versieht sichs nicht, zum reissenden Fluss, das Sprudeln wird zum Getöse, noch kann man den gefährlichen Wasserfall, auf den der Fluss zuhält, nicht sehen, doch man ahnt man ihn kommen und auf einmal spürt man: Er ist da.
Der Verstand nennt die seltsamen Ereignisse in diesem Band unmöglich: Menschen werden zu Pflanzen, verfliessen im Wasser. Und ob Lavizzaris moderner Erzählweise glaubt man, die Geschichten könnten sich im Hier und Heute zutragen, gerade jetzt, im Zimmer nebenan.
... und hinaus ins Meer
In der Erzählung «Schwimmen» hat ein Paar trotz oder gerade wegen seiner Unterschiedlichkeiten zueinandergefunden. Doch mit der Zeit häufen sich die Indizien, dass die Lust der Frau am Schwimmen übertrieben ist.
Die Atmosphäre wird immer seltsamer und auf einmal diese Ahnung: Es ist nicht nur Lust: Die Frau kann nicht anders, kann sich dem Wasser nicht entziehen, liegt dem Mann wie ein Fisch in der Hand, der Fisch droht zu trocknen und zappelt, bis er entgleitet und – sich im Meer auflöst.
«Flucht aus dem Irisgarten» ist ein Muss für: Trainierte Schwimmerinnen und Schwimmer: Der Sog jeder einzelnen Erzählung in diesem Band zieht den Leser ins offene, tiefe und unbekannte Gewässer hinaus. (tk)
Mehr zum Stichwort:

