Nur eine Frage: Wohin geht der Mensch?
DRS 3 Sommerserie: Nur eine Frage
Ein Sommer auf der Suche nach Antworten auf die grossen Fragen des Lebens.
«Angehörige sind vom Tod eines Menschen immer überrascht», sagt Mylena Beck, Funeral Planerin. Anstatt Hochzeiten organisiert sie Beerdigungen.
«Vielfach brauchen die Angehörigen beim Tod eines Familienmitgliedes Unterstützung. Eine Abschiedsfeier ist für die Hinterbliebenen sehr wichtig, denn bei einer Beerdigung gibt es keine zweite Chance.»
Mylena Beck verdient Geld mit Beerdigungen. Dass das etwas Schlechtes wäre, hat man ihr persönlich noch nie gesagt. «Ich würde es auch nur mit einem Lächeln quittieren, denn gestorben wird immer und auch ohne mich.»
«Der Tod kommt immer überraschend.»
Mylena Beck, Funeral Planner |
Mit dem Tod anderer Menschen verdient auch Sergio Biaggi Geld. Sergio Biaggi ist Bestatter. Er sagt: «Wenn es nur darum geht einen Verstorbenen zu entsorgen, dann ist der Beruf des Bestatters ein niederer Beruf und nur auf das Geld ausgerichtet.»
«Beim Beruf des Bestatters geht es jedoch vielmehr um die Würde eines Verstorbenen, dass die Angehörigen richtig Abschied nehmen können und ihre Trauer zulassen dürfen.» Sergio Biaggi ist nach dem Tod seines Vaters Bestatter geworden.
Wohin geht der Mensch? Für den Intensiv-Mediziner Reto Stocker ist klar: Es gibt kein Leben nach dem Tod. Es gibt nur ein Leben vor dem Tod. Entscheidend dabei ist: «Was lässt man nach seinem Leben zurück? Was hat man anderen Menschen auf ihrem Lebensweg mitgegeben. Die Erinnerung an einen Menschen macht einen Menschen lebendig.»
«Als Mediziner glaube ich nicht an ein Leben nach dem Tod, sondern an das Leben vor dem Tod.»
Reto Stocker, Intensiv-Mediziner |
Beim Tod macht jeder Mensch eigene Erfahrungen. Nahtod-Erlebnisse könnte man medizinisch noch weiter untersuchen. Das erachtet Reto Stocker aber als wenig sinnvoll. «Die bekannten Nahtoderlebnisse sollten die Angehörigen eher als Trost ansehen.»
Wohin der Mensch geht, ist für den Sterbeforscher Bernard Jakoby indessen klar: «Der Mensch kommt nach seinem Tod in eine von schönen Farben und Liebe durchflossene Welt. Eine Welt, die man nicht in Worte fassen kann, weil es in unserer Welt gar keine Worte und Bezeichnungen dafür gibt.» (ham)
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