Nur eine Frage: Wer ist Gott?
Ein Sommer auf der Suche nach Antworten auf die grossen Fragen des Lebens.
Hugo Stamm, Journalist und Sektenexperte:
«Denkt der Mensch an einen Gott, macht er sich automatisch ein Bild. Aber warum muss es eigentlich immer das Bild eines alten Mannes mit Bart sein?», fragt Hugo Stamm und lässt die Gedanken schweifen, «Gott könnte auch ein fliegendes Spaghetti-Monster sein, oder ein fliegender Dinosaurier oder ein Ur-Wal im Meer».
Wer Stamm jetzt den Griff zur Bibel empfiehlt, dem sei beschieden, «dass es in der Bibel einerseits heisst, wir sollen uns kein Bild von Gott machen und andererseits ist zu lesen, dass Gott uns Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat.»
Für Hugo Stamm ist klar, dass kein Bild von Gott richtig sein kann. «Wir wissen nicht, ob es einen Gott gibt und wir werden es nie herausfinden.» Deshalb glaubt Stamm nicht an Gott und befasst sich lieber mit dem, was ist.»
«Gott könnte ein fliegendes Spagetti-Monster sein.»
Hugo Stamm, Sektenexperte |
Pascale Käser, Pfarrerin aus Burgdorf
In ihren Predigten baut Pacale Käser immer gerne Text-Passagen aus Songtexten von Züri West oder Patent Ochsner ein. «Kuno Lauener singt vom Leben, ich predige vom Leben.»
Und in diesen Predigten versucht Käser auch immer wieder, die Beziehung der Menschen zu Gott in ein Bild zu fassen. Das kann das Elternbild sein, die Vorstellung, dass Gott für die Menschen da ist wie ein Vater und eine Mutter.
«Meine Lieblingsvorstellung ist aber ein Gottes-Bild aus dem Mittelalter, bei dem Gott als Gluggere, als Mutterhuhn, dargestellt wird, welche die kleinen Küken unter ihre Fittiche nimmt», sagt Pascale Käser. «Das brauchen wir doch alle: die Möglichkeit unter schützende Flügel zu kriechen, wenn es im Leben drunter und drüber geht.»
«Für mich ist Gott hier bei uns, wenn es uns gut geht und wenn es uns nicht gut geht. Ich glaube, dass Gott bei mir ist, selbst wenn ich ihn einmal nicht spüre. Geschieht etwas Schlimmes, dann hilft mir Gott, diese schlimme Situation zu ertragen.»
Andreas Kyriacou, Atheist, Freidenker-Vereinigung
Für Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker Zürich, ist klar: Es gibt keinen Gott. Aufgewachsen in einem nicht anti-religiösen aber religionslosen familiären Umfeld kam er für sich selbst schnell zum Schluss: Der wissenschaftliche Ansatz ist richtig. «Da gab es für mich kein langes Hin- und Her-Überlegen.»
«Meine Lieblingsvorstellung ist das Gottes-Bild, in dem Gott als Gluggere dargestellt wird.»
Pascale Käser, Pfarrerin |
Kyriacou schloss sich den Freidenkern an, die mit einer Plakat-Aktion 2009 für Aufsehen sorgten. «Da ist wahrscheinlich kein Gott», stand auf den Plakaten. Das sorgte für Diskussionen, «und bei den Freidenkern zu einem Mitgliederzuwachs wie noch nie zuvor», sagt Kyriacou.
Wenn in der Schweiz im Jahr 2010 Kirche und Staat nicht strikte getrennt sind, stört ihn das: Z.B. wenn die Kirchturmuhr die ganze Nacht jede Viertelstunde läutet.
Guido Berger, Game-Redaktor DRS3:
In der Welt der Games schlüpfen die Gamer in die Rolle Gottes. 1989 erschien das erste Vertreter des Genres «Götter-Spiele»: Populous. «Ich kann mich noch sehr gut erinnern, habe das Game auf- und abwärts gespielt.»
In «Populus» stellt der Spieler Gott dar und versucht, sein Volk zu mehren und zu stärken und andere Völker zu bekämpfen. «Als Gamer konnte man der Welten Lauf ändern, zum Beispiel im Game die Erde beben lassen. Aber auch Micro-Management war gefragt: z.B. die Menschen anzuweisen, endlich Häuser zu bauen.»
«Es gibt keinen Gott.»
Andreas Kyriacou, Atheist |
Nebst der Rückschau auf sogenannte God-Games stellt Game-Redaktor Guido Berger einen etwas komplizierteren Gedanken in den Raum: «Wenn die alten Griechen das Orakel befragen, dann sollen Würfel uns sagen, was Gott uns mitteilt.
Die Augenzahl des Wurfes hängt aber komplett vom Zufall ab, erst der Mensch interpretiert einen göttlichen Willen hinein. Mit diesem Gedankengang rücken Gott und der Zufall näher zueinander.» (ra)
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