Film-Tipp: Der Schweizer James Dean
Manuel Löwensberg (rechts) als Hugo Koblet und Michael Schweizer Anliker als sein Teamkollege Gottfried Weilenmann. (Walt Disney)
Völlig überraschend gewann der Schweizer Radrennfahrer Hugo Koblet 1950 den 33. Giro d'Italia und wurde über Nacht zum gefeierten Star. Zusammen mit seinem Gegenspieler Ferdy Kübler sorgte er hierzulande für eine riesige Velo-Euphorie.
Der 91-jährige Kübler kommt im Film neben weiteren Zeitzeugen selber zu Wort. Dazu gibt es tolle Archivaufnahmen und mit Schauspielern nachgestellte Szenen. Deshalb hebt sich «Hugo Koblet -Pédaleur de Charme» von traditionellen Dokumentarfilmen ab.
Drei Filme in einem
Regisseur Daniel von Aarburg erklärt: «Die grösste Herausforderung war es, den richtigen Rhythmus zwischen den drei Ebenen zu finden, (...) wann was wie erzählt werden sollte und wann Redundanzen dem Film zugute kamen oder den Erzählrhythmus eher bremsten.»
Die Vermischung ist ausgesprochen gelungen und sorgt für ein kurzweiliges Kino-Erlebnis. Von Aarburg macht die damalige Faszination und Begeisterung für Hugo Koblet sehr gut nachvollziehbar.
Die dunklen Seiten
Gleichzeitig zeigt er aber auch die Charakterschwächen des Radsportlers auf, die ihm letztlich zum Verhängnis wurden. Nachdem Koblet 1964 mit seinem weissen Alfa Romeo in einen Baum gekracht war, verstarb er erst 39-jährig im Spital Uster.
Auch der Film kann die Antwort, ob es sich dabei um Selbstmord handelte, nicht geben. Koblets kometenhafter Aufstieg, sein Erfolg bei den Frauen und der rätselhafte und frühe Tod machten aus ihm so etwas wie einen Schweizer James Dean.
Bierpause während des Rennens
Manuel Löwensberg überzeugt in den Spielszenen als Hugo Koblet. Max Rüdlinger spielt dessen Trainer Alex, Hanspeter Müller-Drossaart den Präsidenten des Veloclubs Cilo, der von «seinem» Star alles forderte.
Von Aarburg sagt aber auch: «Es gibt von Koblet einen Eintrag in den Rennmemoiren des Giros von 1950, dass er sich mit einem Teamkollegen während der Etappe ein Gelato genehmigt und es danach mit einem Bier hinunter gespült habe.» Das waren noch Zeiten! (rb)
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