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09.10.2010

Film-Tipp: Lennon vor den Beatles

Am 9. Oktober wäre John Lennon 70 Jahre alt geworden, hätte ihn ein Geistesgestörter vor 30 Jahren nicht umgebracht. Der richtige Zeitpunkt für einen Film über den Musiker: «Nowhere Boy» schildert seine Jugendjahre vor den Beatles.

John Lennon (Aaron Johnson, rechts) und Paul McCartney (Thomas Brodie Sangster) treten mit ihrer ersten Band The Quarrymen auf. (Ascot Elite)

Liverpool ist Mitte der 50er Jahre ein miefiges Provinzkaff. John Lennon (Aaron Johnson) wächst bei seiner Tante Mimi (Kristin Scott Thomas) auf. Gegen ihren Willen sucht er den Kontakt zu seiner Mutter Julia (Anne-Marie Duff) wieder.

Es ist spannend, wie die Regisseurin Sam Taylor-Wood die beiden Frauen charakterisiert. Mimi ist die strenge, scheinbar gefühlskalte Engländerin, während Julia eine lebensfrohe und sinnliche Frau ist, nicht gerade die typische Engländerin.

Die erste Gitarre
Dennoch wirkt die Tante nicht nur schlecht und die Mutter nicht nur gut. Zwar ist es die Mutter, die John mit dem Rock 'n' Roll bekannt macht, aber es ist die Tante, die ihm die erste Gitarre kauft.

Die Frauen verkörpern letztlich auch die beiden Extreme von John Lennon: Ehrgeiz und Disziplin auf der einen, Kreativität und Freigeist auf der anderen Seite. Um erfolgreich zu werden, braucht John all diese Eigenschaften.

Möchtegern-Elvis
Lennon möchte so berühmt wie Elvis Presley werden und gründet 1956 als 15-Jähriger seine erste Band The Quarrymen. Wenig später stösst ein gewisser Paul McCartney (Thomas Brodie Sangster) dazu.

Der Film endet damit, dass die Band nach Hamburg abreist. Lennons Tante fragt noch, wie der neue Name der Gruppe laute, erhält aber keine Antwort. Solche augenzwinkernden Details machen den Film ebenso zu einem Genuss wie die liebevolle Inszenierung.

Grosse Klasse
Die Schauspieler überzeugen durchs Band. Aaron Johnson als John Lennon ist eine Entdeckung. Und Kristin Scott Thomas als seine Tante übertrifft sich selber. Wie sie John einmal ihre Liebe zeigt, ohne emotional zu werden, ist grosse Klasse.

«Nowhere Boy» ist ein grosses Geschenk. Packt man es aus, findet man faszinierende neue Facetten von John Lennon. Für eingefleischte Lennon-Fans mag zwar wenig neu sein, doch auch sie werden an der Qualität des Films ihre Freude haben. (rb)

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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