Buch-Tipp: «Paarbildung» von Urs Faes
Der Schweizer Autor Urs Faes an den Literaturtagen in Solothurn 2008. (Keystone)
Mit dem ersten Satz führt der Schweizer Autor zu einem wichtigen Handlungsort in seinem zehnten Roman: «Vor sieben Uhr dämmerte das Institut vor sich hin; die ersten Patientengespräche und die ersten Bestrahlungen waren auf halb acht angesetzt.» Die Hauptperson des Romans, der ehemalige Unfallpsychologe Andreas Lüscher, arbeitet im Spital als Gesprächstherapeut für Menschen mit Krebs.
Meret Etter
Eines Morgens wird ihm ein Patientenblatt ausgehändigt, das seine Welt der Erinnerung zum Drehen bringt, Faes schreibt es so: «Lüscher starrte weiter auf das Blatt. Ein Name, ein Geburtsdatum, eine Diagnose». Der Name, Meret Etter, löst in Lüscher Gedanken aus, die sich schnell Wege in die Vergangenheit suchen.
In den 80er Jahren hatten Meret und er eine Liebesbeziehungen, die geprägt war von Annäherung und Ablehnung. Nun ist Meret Patientin in dem Spital, in dem er arbeitet. Sie hat Krebs. So begegnen sie sich nach 16 Jahren wieder - zuerst im berufsbedingten Gespräch zwischen Patientin und Therapeut.
«Du warst nicht da»
Die Geschehnisse im Hier und Heute des Buches kombiniert der Autor feinfühlig mit Szenen aus der Vergangenheit. In Meret rumorte jahrelang eine unausgesprochene Wut, die sagen wollte: «Du warst nicht da». Sie hat in der Zwischenzeit an einem guten Leben gearbeitet, war Juristin, politisch engagiert, musikalisch gebildet.
Die Musik hat die Beiden immer verbunden, verbindet sie wieder. Warum haben sie sich damals nicht für einander entschieden? Es ist einer von vielen Gedanken von Meret und Andreas. Die Wertschätzung für das, was jetzt ist, hier, heute: Einer von vielen Gewinnen, die man mit der Lektüre dieses Buches machen kann.
Zwischen damals und heute liegt viel
Urs Faes' Roman «Paarbildung» wurde für den Schweizer Buchpreis nominiert. Informationen zu den Nominierten und der Publikumsabstimmung finden Sie hier:
Mehr zum Stichwort:

