Führungswechsel bei Google
Führungscrew von Google im Juli 2010: Sergei Brin (l.), Eric Schmidt, Larry Page (Keystone)
Wechsel an der Führungsspitze von Goolge: Google-Mitgründer Larry Page übernimmt nach zehn Jahren in der zweiten Reihe wieder selbst das Ruder und wird neuer Chef des Internetkonzerns. Page werde ab 4. April das Tagesgeschäft führen, teilte Google im kalifornischen Mountain View mit. Sein Kompagnon Sergey Brin soll sich derweil um neue Produkte kümmern.
Bisheriger Google-Chef tritt in die zweite Reihe zurück
«Keine Frage, Larry ist bereit, das Unternehmen zu führen», sagte der bisherige Firmenlenker Eric Schmidt. Er wird das Unternehmen als Chef des Verwaltungsrats künftig vor allem nach aussen vertreten. In dieser Funktion ist er unter anderem für Kooperationen zuständig. «Wir haben unsere Rollen jetzt klarer geregelt», sagte Schmidt. Der bisherige Weg, Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sei angesichts der Grösse des Unternehmens zu kompliziert geworden.
Vom Studentenprojekt zum Weltkonzern
Die ehemaligen Studienkollegen Page und Brin hatten Google 1998 gegründet. 2001 übergaben die beiden ihr Baby an Schmidt. Unter dem erfahrenen Manager hat sich Google von einem aufstrebenden Internetsuch-Unternehmen zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern gemausert. «Eric ist ein toller Firmenchef und ich habe viel von ihm gelernt», sagte Page in einer Telefonkonferenz.
Schmidt macht Kasse
Schmidt will sich von einem kleinen Teil seiner Google-Aktien trennen. Er habe vor, 534'000 Aktien zu verkaufen, hiess es in der Meldung, die Google an die Börsenaufsichtsbehörde SEC sandte. Dies entspricht zum gegenwärtigen Börsenkurs einem Wert von 334 Millionen Dollar. Macht Schmidt von dieser Option in vollem Umfang Gebrauch, würde sich sein Anteil am Unternehmen von 2,9 auf 2,7 Prozent verringern.
Stetig steigende Gewinne
Das Geschäft bei Google blüht: Im Schlussquartal 2010 stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen verdiente satte 2,5 Milliarden Dollar und damit 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf Google einmal mehr die Erwartungen der Analysten. Der Kurs der Aktie stieg nachbörslich um mehr als 2 Prozent.
Im Gesamtjahr verdiente Google 8,5 Milliarden Dollar. Doch Google kann das Geld gar nicht so schnell ausgeben, wie es hereinkommt. In der Kasse liegen mittlerweile 35 Milliarden Dollar.
Suchtreffer im Web bringen grössten Profit
Das meiste Geld verdient Google weiterhin mit bezahlten Suchtreffern im Web. Doch die grafischen Werbebanner und die mobile Suche werden als Einnahmequelle immer wichtiger. Lediglich das Bündnis aus Yahoo und Microsoft kann Google bei der Internetsuche in Europa und Amerika noch die Stirn bieten. In China heisst der Gegenspieler Baidu.
Auf Kollisionskurs mit Datenschützern
Google stösst mit seinen Milliarden in immer neue Felder vor: Smartphones, Fernsehen, Internettelefonie, elektronische Bücher, Musik, Bürosoftware, PC-Betriebssystem oder Internetbrowser sind nur einige Baustellen. Google gerät dabei allerdings auch immer wieder mit Wettbewerbshütern und Datenschützern aneinander, die die Marktmacht des Internetkonzerns fürchten.
In Deutschland hatte besonders der Kartendienst «Street View» für Unruhe gesorgt, bei dem Kamerawagen ganze Strassenzüge abfotografierten - und dabei ganz nebenbei private Daten aus offenen WLAN-Netzen aufzeichneten.
Facebook ist grösster Rivale
Die wahre Gefahr für Google sehen Experten aber im sozialen Netzwerk Facebook mit seinen mehr als 500 Millionen Mitgliedern. Die Nutzer verbringen dort teils Stunden am Tag - ein ideales Umfeld für die Werbeindustrie. Und Facebook wächst rasant. Diesem Rivalen muss sich nun der neue, alte Google-Chef Larry Page stellen. (rend, dpa)
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