Buch-Tipp: Thomas Glavinic «Lisa»
«Lisa» - ein spannender Albtraum auf 208 Seiten.
Was Lisa ist
«Lisa» wird eine international tätige Serienmörderin genannt, ihre DNA-Spuren finden sich an den Tatorten der grausamsten Morde. Niemand weiss, wo sie demnächst wüten wird. Der Erzähler in diesem Buch ist auf der Flucht vor der unberechenbaren Unbekannten - kürzlich wurde in seine Wohnung eingebrochen und er glaubt, dass es Lisa war.
So verschanzt er sich mit seinem halbwüchsigen Sohn in einem abgeschiedenen Landhaus und pflegt einen einseitigen Kontakt zur Aussenwelt: Er betreibt ein Internet-Radio. Was er via Mikrofon in die Welt sendet, ist der Text dieses Buches.
Was «Lisa» nicht ist
«Ich drehe sicher nicht durch, ich habe überhaupt keine Lust dazu. Deswegen rede ich hier hinein, damit das nicht passiert, damit ich wenigstens das Gefühl habe, noch in Kontakt mit den Menschen zu stehen.» Der Erzähler redet ein Buch lang. Er gibt Kommentare zu Facebook, Fussball, Frauen und so weiter ab, macht aber auch moralische Ansagen und serviert witzige und feine Gedankenhappen.
Der Monolog ist von Müdigkeit, Alkohol und Kokain verwässert - und von Angst, jedes Knarren wird zu Schritten. Das Buch ist trotz des Settings kein Psychothriller. Es fühlt einem Menschen am Anschlag den Puls. Und das ist spannend.
«Lisa» ist ein Buch für: Fernsehende. Das Buch hat einen 208seitigen Gesprächsanteil der, ob er nun gerade blumig, blöd oder berauschend daherkommt, Farbbilder im Kopf entstehen lässt. (tk)
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