Buch-Tipp: «Bissig, Bundesrat» von Silvano Moeckli
Bissig, Bundesrat: Ein Leitfaden für den Weg vom Bürger zum Bundesrat.
Carlo Bissig ist, als er sich dagegen wehrt, dass in seiner Gemeinde eine Mobilfunkantenne gebaut wird, ein unpolitischer junger Mann. Doch sein Einsatz «fixt ihn politisch an». Die örtliche SVP, die durch sein Engagement gegen den Bau der Antenne auf Bissig aufmerksam geworden ist, fragt ihn an, ob sie ihn im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen als Kandidat für den Gemeinderat nominieren könnten.
Politisch angefixt
Ohne dass er bisher Mitglied der SVP war, sagt Bissig zu. Und wird gewählt. Auch wenn Bissig ein (gemässigter) SVPler ist - sein Name ist nicht Programm - ergreift das Buch für keine Partei Partei. Die Neutralität des Buches ist seine Bedingung - anders wäre es nicht gelungen, das politische System der Schweiz derart anschaulich und nachvollziehbar aufzuschlüsseln.
Flüssig, nicht überflüssig
Das Buch ist trotz seiner Komplexität flüssig zu lesen, da der Autor auf überflüssige Fussnoten etc. verzichtet. Nichtsdestotrotz muss man beim Lesen bei der Sache sein. Bissig ist bei der Sache: Er rutscht in die politische Mühle und erarbeitet sich sein Wissen hart.
Trotzdem bleibt er ein Körnchen im Getreide: Das Buch zeigt vor allem, dass es nie nur um den Politiker geht, der im Rampenlicht steht, sondern auch um seine Helfer (und deren Interessen und Beziehungen), egal welcher politischen Gesinnung diese sind.
«Bissig, Bundesrat» ist ein Muss für: Bissige. Wer politischen Biss zeigen will, muss kompetent sein - dieses Buch kann als Baustein zur Kompetenz dienen.
Ein Auszug aus dem Buch:
«Am Mittwoch war immer Sitzung des Gesamtbundesrates, täglich am frühen Morgen beriet er sich mit seinen engsten Mitarbeitern, wöchentlich fanden Sitzungen mit Amtsleitern seines Departements statt, permanent pflegt er die Beziehungen zu Parlamentariern und Medienschaffenden, regelmässig war er auf Auslandreisen, mindestens jede Woche hatte er einen Auftritt «vor dem Volk», laufend hagelte es Kritik in den Medien über seine Amtsführung, die er zusammen mit seinen Medienspezialisten jeweils parierte - das war Carlos Berufsleben.»
Tanja Kummer
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