Gesundheitskosten dürften weniger stark steigen
Die Gesundheitskosten werden nach Einschätzung von Experten in den kommenden Jahren nicht mehr so stark steigen wie bisher. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sagt für die Jahre 2011 und 2012 noch einen Anstieg von jeweils 3,4 Prozent voraus. In den vergangenen Jahren waren die Gesundheitskosten durchschnittlich um fast vier Prozent gestiegen.
In ihrer Prognose vom vergangenen Herbst waren die Forscher für das laufende Jahr noch von einem Anstieg von 3,7 Prozent und für 2012 von 3 Prozent Wachstum der gesamten Kosten ausgegangen. Die Prognose für das laufende Jahr wurde also nach unten, die für das kommende nach oben korrigiert.
Als wichtigste Gründe für die Korrekturen nennt die Forschungsstelle die Lohnentwicklung und Sparmassnahmen im Gesundheitswesen. Weil inzwischen mehr als eine halbe Million Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt sind, hat ihre Bezahlung einen wichtigen Einfluss auf die Ausgabenentwicklung in dem Bereich. Nach den Worten von KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm überwiegen im laufenden Jahr die Sparmassnahmen den Effekt der Lohnentwicklung, umgekehrt überwiege 2012 der Effekt des höheren Lohnwachstums.
Nachdem die Löhne 2008 überdurchschnittlich gestiegen waren, betrug das Lohnwachstum im vergangenen Jahr lediglich 0,8 Prozent. Für 2011 und 2012 erwartet die KOF wegen der starken konjunkturellen Entwicklung wieder leicht höhere Wachstumsraten von jeweils 1 Prozent.
Neben dem moderaten Wachstum der Löhne wirkten sich auch tiefere Medikamentenpreise dämpfend auf die Gesundheitskosten aus, sagte Sturm weiter. Die im März 2010 in Kraft getretenen Preissenkungen bei Medikamenten führten zu jährlichen Einsparungen von 400 Millionen Franken.
Durch weitere vom Bund beschlossene Sparmassnahmen könnten im laufenden Jahr zusätzlich 50 Millionen und im nächsten Jahr 110 Millionen Franken eingespart werden. Entlastet würden die Gesundheitsausgaben zudem durch die Tarifsenkung bei Laboranalysen und Einschränkungen bei Vermittlung und Telefonmarketing der Krankenversicherungen.
Zwei Verschiebungen
Die Experten der KOF berücksichtigten für ihre Frühjahrsschätzung nach eigenen Angaben zwei Verschiebungen: Zum einen bewirke der höhere Spitalbeitrag für Erwachsene eine Entlastung der Krankenversicherer um geschätzte 115 Millionen Franken.
Zum anderen wird sich nach Einschätzung der ETH-Experten die geplante Reform der Spitalfinanzierung auf die Entwicklung der Gesundheitskosten auswirken. Die KOF übernahm für ihre neue Prognose nach eigenen Angaben Berechnungen der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Diese geht davon aus, dass die neue Spitalfinanzierung «ab 2012 zu einer Entlastung der Privatversicherungen von 1,6 Milliarden Franken zulasten der Kantone und der Grundversicherung führen wird». Diese Schätzung, so die KOF, sei allerdings unumstritten.
Die KOF-Prognose deckt die Jahre 2010 bis 2012 ab. Obwohl das Jahr 2010 zum Zeitpunkt der Erstellung bereits abgelaufen war, lagen noch keine Angaben des Bundes zu den Ausgaben vor. Entsprechend handelt es sich auch für 2010 um eine Ausgabenschätzung. (ank/gast, sda)
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