Schweiz lässt sich den IWF-Sitz etwas kosten
IWF-Hauptsitz in Washington: Die Schweiz lässt sich ihren Sitz im Exekutivrat etwas kosten. (Keystone)
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine Organisation der Uno und eine Schwesterorganisation der Weltbank, die ebenfalls zur Uno gehört. IWF und Weltbank wurden 1944 in Bretton Woods gegründet. Mehr
Von Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer, zurzeit in Washington
187 Mitglieder hat der IWF. Die wichtigsten von ihnen sitzen im 24-köpfigen Exekutivrat. Mit dabei ist auch die kleine Schweiz - als Vorsitzende der Stimmrechtsgruppe, die Kasachstan, Aserbaidschan, eine Reihe weitere zentralasiatische Länder sowie Polen und Serbien vereint.
Diese doch eher exotische Mischung weckte das Forscherinteresse von James Vreeland, Professor für internationale politische Ökonomie an der Georgetown University in Washington. Seine Vermutung: Die Schweiz erkauft sich die politische Unterstützung dieser Länder mit zusätzlicher Entwicklungshilfe.
Die Schweiz lässt sich den Sitz etwas kosten
Das Resultat seiner Untersuchung gab Vreeland recht. «Die Länder der Stimmrechtsgruppe erhalten im Durchschnitt rund zehn Prozent mehr Entwicklungshilfegelder als andere vergleichbare Länder», so der Washingtoner Forscher. Nach seinen Erkenntnissen fliessen jedes Jahr rund 70 Millionen Franken in die sogenannte Helvetistan-Gruppe.
Die Schweiz lässt sich ihren IWF-Sitz also etwas kosten. Das sei ein gutes Geschäft, glaubt Vreeland. Insgesamt müsse die Schweiz nicht mehr Entwicklungshilfegelder verteilen, sondern nur mehr an die Helvetistan-Staaten vergeben und erhalte - quasi als Gegengeschäft - deren Unterstützung. Solches Tun sei internationaler Standard, beobachtet der IWF-Spezialist. Die Schweiz handle deshalb richtig, wenn sie so den IWF-Sitz verteidige. Die Schweiz sei weder Mitglied der EU noch der Gruppe der grossen Industrieländer (G-20). Umso wichtiger sei es, so Vreeland, dass sie beim IWF mitrede und mitentscheide.
Der Sitz wackelt
Allerdings: Der Sitz im Exekutivrat wackelt. Die aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer fordern mehr Macht und Einfluss beim Währungsfonds. Es ist bereits beschlossene Sache, dass die Europäer im kommenden Jahr zwei Sitze abgeben müssen. Vielleicht treffe es die kleine Schweiz, vielleicht könne sie aber - dank des Frankens, der einmal mehr eine Sonderrolle spielt - ihren Sitz retten, meint James Vreeland.
Der Franken verdiene eine Vertretung auf globaler Ebene, so der Wissenschaftler. Nur so könne sich die Schweiz angemessenes Gehör verschaffen und beispielsweise im IWF-Exekutivrat erklären, wieso die Nationalbank einseitig einen Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken festgelegt hat.
Experte fordert neue Spielregeln für Wechselkurseingriffe
Diese Massnahme sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff. Experten wie der Genfer Ökonomieprofessor und IWF-Spezialist Charles Wyplosz erwarten deshalb, dass der IWF neue Spielregeln festgelegen werde für solche Aktionen. Er gibt zu bedenken, dass nicht nur die Schweiz mit einem zu hohen Wechselkurs zu kämpfen habe, sondern auch Länder wie Japan, Brasilien, Chile.
Deshalb müssten Eingriffe ins Wechselkurs-System koordiniert werden, fordert Wyplosz und erwartet schwierige Verhandlungen. Aber solange die Schweiz beim IWF mit den Mächtigen am Tisch sitzt, kann sie wenigstens mitverhandeln. (ank/widb)
Mehr zu den Stichwörtern:
