Cardinal-Brauerei Freiburg geht zu
Cardinal-Brauerei in Freiburg. (Keystone)
In Zukunft kommt Cardinal-Bier nicht mehr aus Freiburg, sondern aus Rheinfelden im Kanton Aargau. Die traditionsreiche Brauerei Cardinal in Freiburg wird im Juni 2011 geschlossen. Das hat die Besitzerin von Cardinal, die Brauerei Feldschlösschen, entschieden.
75 Mitarbeiter betroffen
In Freiburg sollen im nächsten Juni 18 Mitarbeitende pensioniert werden, die übrigen 57 erhalten ein Stellenangebot von Feldschlösschen. Das teilte das Aargauer Unternehmen mit. Nach der Schliessung will Feldschlösschen das Areal in Freiburg verkaufen.
Kantonsregierung will Task-Force
Die Freiburger Kantonsregierung ist überrascht und schockiert über die Schliessung der Cardinal-Brauerei. Der Staatsrat hat eine Cardinal-Task-Force auf die Beine gestellt, die mit Feldschlösschen umgehend das Gespräch sucht. Mit der Schliessung von Cardinal würden Stadt und Kanton ein Unternehmen mit Symbolkraft und ein historisches Schmuckstück verlieren, schreibt die Freiburger Kantonsregierung in ihrer Mitteilung.
Gewerkschaft will sich wehren
Die Gewerkschaft Unia will sich zusammen mit dem Personal gegen die geplante Schliessung der Brauerei wehren. Der Brauereikonzern Carlsberg, zu der Feldschlösschen seit 2000 gehört, verzeichne steigende Gewinne, schreibt die Unia. Dennoch müssten 75 Arbeitsplätze verschwinden. An einem Treffen mit der Belegschaft will die Unia das weitere Vorgehen besprechen.
Auslastung zu klein
Feldschlösschen begründet den Entscheid mit einem Beschluss der Carlsberg-Gruppe. Das dänische Mutterhaus habe entschieden, die bisher in Rheinfelden angesiedelte Produktion von alkoholfreiem Exportbier ins Elsass zu Kronenbourg zu verlagern.
Feldschlösschen verliere so 20 Prozent des gesamten Produktionsvolumens. Deshalb, und weil die Auslastung in Freiburg seit Jahren klein sei, erfolge die Verlagerung der Bierproduktion.
Globalisierung und rückläufiger Konsum
Hinter diesem Entscheid stehen laut Feldschlösschen-Chef Thomas Metzger die Globalisierung des Handels, der damit steigende Druck auf die Profitabilität, der rückläufige Bier-Konsum in Westeuropa und Überkapazitäten in diesem Gebiet.
Aufruhr bei erstem Schliessungsversuch
Ein Bier mit Namen «Cardinal» gibt es in Freiburg bereits seit 1890. Cardinal wurde 1991 von Feldschlösschen übernommen. 1996 wollte Feldschlösschen - damals noch als Feldschlösschen-Hürlimann-Holding - Cardinal schon einmal schliessen. Geplant war auch ein Abbau von 200 der damals 300 Stellen.
Kurze Zeit später protestierten in der Saanestadt 10'000 Menschen auf der Strasse gegen den Entscheid. 80'000 unterzeichneten eine Petition an Feldschlösschen. Danach nahm das Aargauer Unternehmen den Beschluss zurück. Die Belegschaft wurde 1998 von 220 auf 100 Personen reduziert.
Grosskonzern Carlsberg
Im Jahr 2000 wurde Feldschlösschen und damit auch Cardinal in die Carlsberg-Gruppe integriert. Zum dänischen Bierbrauer Carlsberg gehören in der Schweiz - neben Feldschlösschen - unter anderem auch die Marken Hürlimann, Gurten, Warteck und die Mineralwasser Rähzünser und Arkina. (luek/nab, sda)
